Kunst

Künstler HA Schult baut den Kölner Dom im Düsseldorfer Hafen

Bremer Strasse 67, Kreativschmiede „The Beach“, Kunstwerk Autodom, v.l. HA Schult, Andreas Bahners

Bremer Strasse 67, Kreativschmiede „The Beach“, Kunstwerk Autodom, v.l. HA Schult, Andreas Bahners

Foto: EndermannAndreas (end) / Ja

Düsseldorf.  HA Schult ist bekannt für seine Objekte aus Schrott und Müll. Er erklärt, wieso sein „Kölner Dom“ in Düsseldorf gar nicht so provokant ist.

Dass der Kölner Dom als ewige Baustelle auch nur eine Art bauliches Wrack ist, hat der Aktionskünstler HA Schult konsequent zu Ende gedacht und prompt den Dom einfach aus Autoteilen nachgebaut. Die Skulptur „AutoDom“ steht allerdings, anders als das Ursprungsbauwerk der katholischen Kirche, jetzt nicht mehr in Köln, sondern in Düsseldorf in der Nähe des Medienhafens.

eine einzige riesige City

Projektentwickler Andreas Bahners hat sein Grundstück am Rheinstrand angeboten – in direkter Nachbarschaft des Bürogebäudes „The Beach“, das ebenfalls als architektonisches Kunstwerk gilt. Für HA Schult ist auch der Standort in Düsseldorf ganz und gar nicht widersprüchlich für die Skulptur, die ja ein Kölner Bauwerk abbildet.

Vielmehr sieht er die Metropolregion Rhein-Ruhr als eine einzige riesige „City“ mit dem „größten Ereignisteppich der Welt“, auf dem es unzählige Museen, Ausstellungen und eben Künstler mit ihren Werken gibt. „Es braucht nur noch einen gemeinsamen Bürgermeister von Rheincity“, sagt er. Zudem sei Düsseldorf ein Sinnbild einer wieder auferstandenen Stadt, die Urbanität der Landeshauptstadt erinnert HA Schult eher an New York als an Köln – ein Glück.

HA Schult, der mit seinen „Trash People“ weltweit seit Jahren für Aufmerksamkeit sorgt, viele Jahre in New York lebte und an der Düsseldorfer Kunstakademie ausgebildet wurde, hat sich zwei Themen verschrieben, die er für die entscheidendende dieses Jahrhunderts hält: der Müll und das Auto.

Küchengeräte lösen Autos ab

Das Auto der Zukunft stellt er sich zusammenklappbar, faltbar vor. „Wir werden es mit in die Bahn nehmen können und wir werden es an den Kleiderhaken hängen können“, sagt HA Schult. Das, was als nächstes kommt, wird die Autodrohne sein. Er selbst stand auf dem Weg zur Enthüllung des „AutoDoms“ im Stau – „Ich stand länger, als ich gefahren bin“, erklärt er und zeigt damit deutlich, dass seine zwei Themen miteinander untrennbar verwandt sind: Vermüllung ist die rote Linie. Vermüllung in den Weltmeeren, Vermüllung durch übertriebenen Konsum, Umweltvermüllung im Verkehr und durch den Verkehr.

Trotzdem haben die Düsseldorfer die einzigartige Möglichkeit, den „AutoDom“ nicht als Provokation gegen schonungslosen Industrie-Konsum oder als Provokation mittels Kölner Prachtbauten wahrzunehmen, sondern als Denkmal zu betrachten – an eine Zeit, die vergangen ist. Gibt doch selbst HA Schult zu, „die Bedeutung, die das Auto einmal hatte, hat es heute nicht mehr“. Zumal die Technik noch schmutzig war, als das Kunstwerk entstand und das Auto als Statussymbol heute schon lange von Küchen und Küchengeräten abgelöst wurde.

Auch das Dargestellte – der Kölner Dom – ein Symbol der Macht der Kirche, entspricht in der Größe der Skulptur wohl auch der realen Bedeutung von Kirche in einer säkularen Welt voller Individualisten. So ist der „AutoDom“ Ausdruck zweier weltbewegender Themen – der Religion und des Autos – heute ein Andenken an eine Zeit, die in Düsseldorf mit autofreien Sonntagen, Umweltspuren und leeren Kirchen vergangen ist. Und so wird auch der große HA Schult, diese 80-jährige Kreativabteilung, zu einem Künstler des vergangenen Jahrhunderts.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben