Lessingstraße 25

Mieter von Ex-"Arme Brüder"-Haus droht Zwangsräumung

Bewohner der Lessingstraße 25 und Mitarbeiter vom Straßenmagazin Fiftyfifty wehren sich gegen die Wohnverhältnisse.

Bewohner der Lessingstraße 25 und Mitarbeiter vom Straßenmagazin Fiftyfifty wehren sich gegen die Wohnverhältnisse.

Foto: Philipp Rose

Düsseldorf.   Wegen ausstehender Miete landet Rolf T. bald auf der Straße – auch andere Mieter sollen das frühere Haus der Franzfreunde schleunigst verlassen.

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Nächsten Mittwoch wird Rolf T. wieder ohne Wohnung da stehen. Zwei Jahre hatte der 56-Jährige ein festes Dach über dem Kopf gehabt. Wohin die Reise ab nächster Woche gehen wird, weiß er noch nicht: „Ich habe mit dem Sozialamt gesprochen, die vermitteln mir etwas“, sagt er. Denn Rolf T. hat zwei Monatsmieten nicht bezahlt – das gibt er auch ganz offen zu. Sein Konto sei um einen Kleckerbetrag nicht gedeckt gewesen, die Schulden wollte er in Raten zahlen. Die wären sogar vom Straßenmagazin Fiftyfifty und einigen Düsseldorfer Spendern übernommen worden, dennoch kam es zum Rechtsstreit und letztlich zur Räumungsankündigung.

Vermieter will maximalen Profit

Warum der neue Vermieter und Grundstücksgesellschafter HMS II so hart gegen die Mieter aus dem ehemals sozialen Wohnprojekt an der Lessingstraße 25 vorgeht, liegt für Fiftyfifty-Mitarbeiterin Julia von Lindern auf der Hand: „Die Mieter sollen raus, denn die Wohnungsgesellschaft HMS II will maximalen Profit.“ Auch den übrigen 24 Mietern des Wohnhauses nahe des Lessingplatzes in Oberbilk soll HMS II-Chef Eytan Daniel Halfin versucht haben, den Auszug aus dem Altbau zu „erleichtern“. Allen Mietern sollen Prämienzahlungen versprochen worden sein, wenn sie ausziehen. Bis zu 2500 Euro pro Person lässt sich das die Gesellschaft mit Sitz in Berlin kosten – für Menschen, die bis vor kurzem auf der Straße lebten, ein verlockendes Geschäft.

Gleichzeitig wird versucht, den Mietern das Leben schwer zu machen. Das ohnehin sanierungsbedürftige Haus verfügt über drei gemeinschaftliche Badezimmer. An zwei der Badezimmer hängen jedoch seit Juli vergangenen Jahres Vorhängeschlösser, „ohne ersichtlichen Grund, denn gearbeitet wurde dort bislang nicht“, sagt von Lindern. Mitarbeiter der Stadt wollten sich deshalb am Mittwoch noch die Sanitäranlagen vor Ort anschauen.

Mieter fühlen sich betrogen

Rund 25 Personen waren deshalb zusammengekommen, um gegen die Wohnverhältnisse an der Lessingstraße 25 zu demonstrieren. „Wir sind doch auch Menschen“, sagt eine Frau mit Tränen in den Augen. Sie fühlen sich betrogen von den Franzfreunden – ehemals Arme Brüder – die die Immobilie an HMS II Anfang vergangenen Jahres verkauft hatten.

Ursprünglich war das Gebäude von Fiftyfifty aus einer Spendenaktion finanziert und dann an den Orden übergeben worden, um Wohnungslosen ein dauerhaftes Dach über dem Kopf bieten zu können. „Die Franzfreunde haben das Haus mit 735 000 Euro sogar unter Marktwert verkauft und ohne uns vorher ein Angebot zu machen“, ärgert sich von Lindern. Fiftytfifty hätte, so beteuert sie, das Objekt zurückgekauft.

Die Franzfreunde hatten mit dem neuen Investor nur mündlich und nicht schriftlich vereinbart, die soziale Verantwortung gegenüber den Mietern beizubehalten. „Eine kurze Internetsuche hätte aber gezeigt, dass man bei HMS nur gewinnorientiert handelt“, so die Fiftyfifty-Mitarbeiterin. Kurze Zeit nach der Übernahme wurde bereits die Miete der sozialen Betreuer, die in dem Haus wohnen und sich um die ehemals Wohnungslosen kümmer, erhöht. Für die Mitarbeiter ist es nicht mehr möglich, im Haus zu bleiben. „Der neue Vermieter scheint auch kein Interesse daran zu haben, ein neues Betreuungverhältnis zu etablieren“, so von Lindern abschließend.

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Arm, ärmer – Arme Brüder – ein Kommentar von Philipp Rose

Mit einem neuen Namen wollen die Franzfreunde – ehemals Arme Brüder – ihre Hände und ihr schmutziges Image um Fehlinvestitionen und Millionenverluste reinwaschen. Nach der neuesten Aktion ist aber auch klar: Der Name hat gewechselt, aber die Euro-Zeichen in den Augen sind geblieben.

Die Franziskaner tragen ihre Geschäfte dabei schamlos auf dem Rücken bedürftiger Personen aus. Erst wurden Millionen Euro aus Spenden verzockt, dann das Haus für Bedürftige an den Nächstbesten für schnelles Geld verscherbelt. Es existiert nicht mal eine schriftliche Zusicherung der sozialen Verantwortung. All das zeigt: Diese Mischung aus Naivität und Gier ist nicht mehr zu überbieten.

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