Menschenrechtspreis

Musikalische Beschwörung der Menschenwürdigung

Adam Fischer (rechts) am Sonntag bei der Preisübergaben an Stavros Myrogiannis, den  „Capatin Camp“ von Lesbos.

Foto: Susanne Diesner

Adam Fischer (rechts) am Sonntag bei der Preisübergaben an Stavros Myrogiannis, den „Capatin Camp“ von Lesbos. Foto: Susanne Diesner

Düsseldorf.   Adam Fischer verlieh am Sonntag zum zweiten Mal den Menschenrechtspreis in der ausverkauften Düsseldorfer Tonhalle.

„Freude schöner Götterfunken“- den Chor-Satz und die Soli am Ende der Neunten Beethoven-Symphonie (aus Schillers „An die Freude“) zu hören - dem hatten viele Tonhallen-Besucher am Sonntag morgen entgegengefiebert. Umso größer war die Freude, als nach dem stürmischen Schluss-Applaus für Orchester, Musikverein und Gesangssolisten Maestro Adam Fischer aufforderte mitzusingen. Kaum jemand blieb sitzen. Und so endete das Menschrechtskonzert mit einem vielstimmigen Chor von knapp 2000 Konzertgängern, die sich von der „Tochter aus Elysium“ mitreißen ließen.

„Alle Menschen werden Brüder, wo Dein sanfter Flügel weilt.“ Diese Zeile aus der Europa-Hymne erhielt bei diesem außergewöhnlichen Festkonzert – von Fischer und den Symphonikern rhythmisch zündend präsentiert – eine besondere Bedeutung. Denn mit dem Menschrechtspreis in Höhe von 10 000 Euro ausgezeichnet wurden bei diesem Sonntagskonzert die Menschen auf der Insel Lesbos. Dort, wo die meisten syrischen Flüchtlinge von der Türkei aus das erste Mal europäischen Boden betreten. Das Flüchtlingslager wird geführt von der Bürgerinitiative „Kara Tepe“, die, wie Adam Fischer in seiner Laudatio erklärte, „sich in einer schwierigen Zeit besonders menschlich gezeigt hat. Wir möchten damit ein Zeichen setzen, sich ein Beispiel an den Menschen auf Lesbos zu nehmen.“

Emotional und gerührt dankte der Grieche für die Gastfreundschaft Düsseldorfs

Der Leiter des Durchgangslagers Kara Tepe auf der griechischen Insel ist Stavros Myrogiannis, der stellvertretend für die Helfer vor Ort den Preis in Empfang nahm. Emotional und gerührt dankte der Grieche für die Gastfreundschaft Düsseldorfs und den Preisverleihung: „Sie zeigt und beweist uns, dass wir nicht alleine sind. Und niemand in so einem Zustand möchte alleine sein.“ Ein beherzter Mann ist dieser Stavros Myrogiannis. Laut Spiegel-Online wird er „Capatin Camp“ genannt. Er sorge dafür, dass 1500 Flüchtlinge in einem beheizten Zelt Unterkunft finden und eine warme Mahlzeit am Tag erhalten. „Es ist das erste Gesicht, das viele Flüchtlinge auf Lesbos sehen“, so Fischer.

Der Menschenrechtspreis wurde zum zweiten Mal ausgelobt

Das zweite Mal wurde dieser Preis – auf Initiative von Chefdirigent Adam Fischer – ausgelobt. Unterstützt vom Tonhallen-Freundeskreis unter Patrick Schwarz-Schütte und Gustav Meyer zu Schwabedissen, die den Preis stifteten. Der renommierte Dirigent Fischer - ein Homo Politicus, der in seiner ungarischen Heimat scharf die Politik von Premierminister Victor Orban kritisiert - war lange Jahre Mitglied des ungarischen Helsinki-Komitees zur Wahrung der Menschenrechte.

Unnachgiebig, leidenschaftlich und bohrend leitete er die Symphoniker (und zum Schluss den auftrumpfenden Musikverein) durch die vier Sätze der Beethoven-Symphonie. Er zog die Tempi an und entfachte musikalische Farbenpracht und zündendes Feuer. So als wollten er und die Musiker die Zuhörer beschwören. Und darauf aufmerksam machen, dass Flüchtlinge, die auf Lesbos landen, dieselbe Menschenwürde beanspruchen können wie wir alle.

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