Erziehung

Neue Vorwürfe gegen Waldorfkindergarten

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Erst beklagten sich die Kinder über angeblich unfassbare Methoden im Waldorfkindergarten. Jetzt hat eine Mitarbeiterin Strafanzeige gestellt.

Die Vorwürfe gegen einen Waldorfkindergarten im Osten der Stadt gewinnen an Schärfe: Eine Mitarbeiterin, die seit elf Jahren in der Einrichtung beschäftigt ist, erstattete jetzt Strafanzeige gegen die Leiterin des Kindergartens und brachte damit Tempo in das bereits seit Februar 2006 laufende Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft (Aktenzeichen 70 JS 1912/06). "Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten sollten, sieht die Sache ganz anders aus", bestätigte Staatsanwältin Beatrix Arndt gestern auf -Anfrage.

Auch, weil es sich damit zum ersten Mal um Vorwürfe aus den Reihen der Mitarbeiter handeln würde. Die Kriminalpolizei hat bereits gestern damit begonnen, Zeugen zu laden und die Beschuldigten zu befragen. Um wie viele Personen es sich dabei handelt, vermochte die Polizei noch nicht zu sagen. Im Fokus sollen dabei aber drei Mitarbeiterinnen und die Leiterin stehen.

Wie berichtet, hatten sieben Elternpaare vor mehr als zwei Jahren Anzeige gegen den Waldorfkindergarten erstattet. Sie sprachen von Gewalt gegenüber ihren Töchtern und Söhnen, davon, dass sie zur Strafe eingesperrt worden seien. Sie alle haben ihre Kinder inzwischen aus der Einrichtung genommen.

Weil die damaligen Vorwürfe vornehmlich von Kindern ausgeprochen worden waren, gestalteten sich die Ermittlungen äußerst schwierig. Sie seien in einem Alter, in dem sie juristisch nicht als "zeugenfähig" gelten. Allerdings gab es von Seiten der Staatsanwaltschaft "Bauchschmerzen", das Verfahren einzustellen, weil es sich zumindest um pädagogisch fragwürdige Methoden gehandelt haben soll.

Mit ihrer Zeugenaussage ergänzt die Mitarbeiterin nun "die Vorgänge im Waldorfkindergarten", die es seit 2005 geben soll. Sie spricht, so wörtlich, von der Problematik des "Wegsperrens", "gewaltsamen Übergriffen der Mitarbeiter, einer wiederholten Freiheitsberaubung eines Kindes, das mit Bauchgurten an einen Stuhl fixiert und anschließend in gefesseltem Zustand in den Waschraum gesperrt und dort allein gelassen wurde".

Mehr noch, in dem Schreiben, das der vorliegt, wird geschildert, dass eine Mitarbeiterin Kinder zwischen Matten gelegt habe, auf die sie sich dann mit einem Körpergewicht von schätzungsweise 70 Kilogramm legte. Die Prozedur soll sie in Intervallen wiederholt haben. Die Einrichtungsleiterin sei über diese und andere Vorgehensweisen informiert worden - geschehen sei nichts.

Die Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen mag, betont, dass sie mit ihrer Aussage die Kinder schützen wolle. Es gebe Grenzen, die für sie überschritten worden seien. Das Jugendamt will sich nun unverzüglich mit dem Träger in Verbindung setzen.

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