Arme Brüder

Orden soll Obdachlosenhaus an Immobilienfonds verkauft haben

Fiftyfifty-Geschäftsführer

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Foto: Philipp Rose

Düsseldorf.  „Arme Brüder“ sollen Obdachlosen-Haus aus fiftyfifty-Spenden verkauft haben. Die ehemaligen Wohnungslosen könnten nun auf der Straße landen.

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Kurz vor der Urteilsverkündung im Infinus-Prozess steht der Ordensgemeinschaft „Arme Brüder“ der nächste Skandal ins Haus – denn der Orden soll ein aus Spenden finanziertes Haus, in welchem Obdachlose unterkommen, nun an einen Immobilienfonds verkauft haben. „Ich bin richtig sauer und fühle mich um den Lohn meiner Arbeit betrogen“, sagt fiftyfifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf. Das Haus an der Lessingstraße 25, in dem derzeit 20 ehemals Obdachlose dauerhaft wohnen, wurde mit Hilfe des Ordens durch Spenden gekauft, die fiftyfifty gesammelt hatte. „Es ist ein Skandal, dass die Menschen nun einfach so auf die Straße gesetzt werden“, sagt Ostendorf. Denn die Mieten, so die Befürchtung beim Straßenmagazin, könnten nun drastisch erhöht werden, sodass die Mieter aus dem Haus verdrängt werden und wieder auf der Straße landen.

Orden gab eine Zusicherung des Hauses für 50 Jahre

Als das Haus an der Lessingstraße erworben wurde, war der Plan, ein umfassendes Projekt zu starten. Obdachlose, die auf dem freien Wohnungsmarkt kaum eine Chance gehabt hätten, sollten dort zu geringen Mietpreisen dauerhaft wohnen können. Doch die Armen Brüder sollen die Immobilie nun an die „HMS Zweite Grundstücksgesellschaft mbh“ verkauft haben. „Ein Unternehmen das erst seit Dezember 2016 existiert. Es ist nicht davon auszugehen, dass sie die Immobilie lange halten werden“, sagt Julia von Lindern von fiftyfifty. Für den Verkauf der Immobilie sollen die Ordensbrüder 700.000 Euro erhalten haben. „Das Geschäftsgebaren der neuen Eigentümer sowie der geringe Kaufpreis legen die Vermutung nahe, dass das Haus als Anlage für wertsteigernde Maßnahmen erworben wurde und in sieben bis zehn Jahren teurer weiterverkauft wird“, heißt es beim Straßenmagazin fiftyfifty.

Fiftyfifty hätte „Armen Brüdern“ das Haus abgekauft

Was sich derzeit abspielt ist für Geschäftsführer Ostendorf vollkommen unverständlich: „Bruder Matthäus hat uns immer wieder zugesichert, dass die Spende für das Haus noch in 50 Jahren wirksam sei.“ Doch damit nicht genug: „Wir von fiftyfifty hätten sogar die bittere Pille geschluckt und das Haus dem Orden abgekauft, also gewissermaßen doppelt dafür gezahlt“, so der Geschäftsführer. Man hätte sich bei fiftyfifty auch vollkommen damit zufrieden gegeben, hätten die Armen Brüder das Haus im Sinne seines karitativen Zwecks an eine andere soziale Einrichtung wie die Diakonie verkauft: „Wir finden es deshalb absolut empörend, dass ein sozialer Träger wie die Armen Brüder bei dem angespannten Wohnungsmarkt in Düsseldorf Häuser an Investmentfonds verkauft“, betont Julia von Lindern.

Wurde das Haus wegen Infinus-Prozess verkauft?

Wichtig sei es daher nun, die Existenzsicherheit der sechs weiteren Häuser zu gewährleisten, die aus Spenden des Sraßenmagazins und mit Hilfe der Ordensbrüder für Wohnungslose gekauft wurden. „Vielleicht werden die anderen Häuser von den Brüdern auch einfach verhökert? Davor wollen wir die Häuser auf jeden Fall retten“, sagt Ostendorf. Denn als Folge des Infinus-Anlageskandals, bei dem vor Jahren 40.000 Kunden per Schneeballsystem rund eine Milliarde Euro verloren haben sollen, könnte es sein, dass die Armen Brüder die Forderung eines Insolvenzverwalters von 5,5 Millionen Euro bezahlen müssen. Das Urteil im Prozess wird heute gesprochen . „Der Verkauf der Immobilien hängt definitiv mit dem Prozess zusammen“, sagt Ostendorf. Ein Anwalt wurde von fiftyfifty bereits eingeschaltet, er soll derzeit prüfen, ob es für das Straßenmagazin Regressansprüche gibt.

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