Personennahverkehr

Rheinbahn lehnt ticketlosen ÖPNV in Düsseldorf ab

Auch in Düsseldorf wird der Vorschlag der Bundesregierung, einen Fahrscheinlosen Nahverkehr einzuführen, kontrovers diskutiert.

Auch in Düsseldorf wird der Vorschlag der Bundesregierung, einen Fahrscheinlosen Nahverkehr einzuführen, kontrovers diskutiert.

Düsseldorf.  Der Vorsitzende des Umweltausschusses unterstützt die Idee eines fahrscheinlosen Nahverkehrs. Die Rheinbahn lehnt ab – und warnt vor den Folgen.

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Der Vorstoß der Bundesregierung für einen fahrscheinlosen Nahverkehr, um Diesel-Fahrverbote zu vermeiden, stößt auch in Düsseldorf auf Interesse. Der Vorsitzende des städtischen Umweltausschusses, Philipp Tacer (SPD), unterstützt die Idee. Auch die Umweltorganisation BUND will die Idee prüfen lassen: Sie hatte bereits vor Monaten angeregt, den fahrscheinlosen Nahverkehr in den sogenannten Luftreinhalteplan aufzunehmen, also jenes Papier, in dem die Bezirksregierung darlegen soll, wie sie die zu hohe Stickoxid-Belastung an Düsseldorfer Hauptstraßen senken will – notfalls durch Durchfahrverbote für Diesel-Fahrzeuge.

Die Rheinbahn lehnt die Idee ab – und warnt vor den Folgen: Der Bund müsste demnach mehr als 240 Millionen Euro allein für Düsseldorf zuschießen, um den Wegfall der Ticket-Erlöse auszugleichen. Rund 80 Prozent ihres Budgets erwirtschaftet die Rheinbahn durch die Beiträge der Fahrgäste, den Rest übernehmen Düsseldorf und die umliegenden Kommunen. Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher warnt, dass die Verkehrsunternehmen damit noch abhängiger von der Politik würden, zumal der Zuschuss durch mehr Fahrgäste steigen würde. „Wir befürchten, dass der Bund bei einer schlechten Haushaltslage kürzt.“

"Im Berufsverkehr heute schon am Anschlag"

Die Rheinbahn warnt darüber hinaus vor den Folgen, falls sich die Zahl der Fahrgäste sprunghaft erhöht. Man wolle zwar mehr Menschen zum Umstieg gewinnen, allerdings nicht auf einen Schlag. „Wir sind zu den Spitzenzeiten im Berufsverkehr heute schon am Anschlag“, warnt Schumacher.

So fährt durch den zentralen U-Bahn-Tunnel am Hauptbahnhof zu Messezeiten schon heute rund alle drei Minuten eine Bahn, eine dichtere Taktung ist kaum möglich. Die Rheinbahn investiere bereits in größere Kapazitäten, etwa durch den Kauf von Gelenkbussen oder Bahnfahrten mit zwei gekoppelten Wagen. Dies erforderehohe Investitionen, etwa in einen zusätzlichen Betriebshof. Schumacher: „Der Bund sollte lieber dafür mehr Geld geben.“

Piraten gingen von einer Vorbereitungszeit von vier Jahren aus

Der fahrscheinlose ÖPNV ist eine Idee, die schon lange diskutiert wird. Zuletzt hatte die Landtagsfraktion der Piraten für das Thema geworben. Befürworter erhoffen sich, dass mehr Menschen vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen. Allerdings stellt sich die Frage, ob der Vorstoß in der aktuellen Debatte um Fahrverbote überhaupt noch helfen würde: Die Piraten, die eine Machbarkeitsstudie zum Thema erstellen ließen, gingen von einer Vorbereitungszeit von vier Jahren aus.

Sollte das Bundesverwaltungsgericht in einer Woche entsprechend urteilen, könnten die Fahrverbote aber schon im Sommer kommen – falls die Bezirksregierung keinen anderen Weg aufzeigt, wie sich der Ausstoß zügig unter die gesetzlichen Grenzwerte senken lässt. Der fahrscheinlose ÖPNV käme dafür wohl zu spät, genau wie viele andere Maßnahmen wie etwa eine Umstellung auf Elektrobusse.

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