Altstadt

Skulpturen streiten wieder

Wieder am alten Platz: Die Skulptur „Die Auseinandersetzung“. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool

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Düsseldorf. Manche Dinge vermisst der Mensch erst, wenn sie nicht mehr da sind. So geht es wohl auch den vielen Passanten, die heute mehr zufällig vorbei kamen, als die beiden streitenden Bronze-Figuren der „Auseinandersetzung“ an der Mittelstraße wieder aufgestellt wurden.

„Was geschieht denn hier?“, fragt eine Dame mit ängstlichem Blick auf die Ladefront des bereit stehenden Lkws, auf der „Der Dicke“ liegt. „Bauen Sie die ab?“ „Nein, nein“, weiß ein älterer Herr. „Die werden wieder aufgestellt.“ „Ja, aber was ist den passiert?“, mischt sich eine zweite Passantin ein. Die Arbeiten an dem bekannten Kunstwerk von Karl-Henning Seemann ist plötzlich Stadtgespräch. Dass die beiden Streithähne einen Monat weg waren, hat so recht keiner bemerkt.

Mitte Oktober wurde „Der Dicke“ eines Nachts umgestoßen. „Angeblich sind Jugendliche auf ihn drauf geklettert und haben ihn hin- und hergeschaukelt, bis er fiel. Wir haben uns entschlossen, eine neue Verankerung für beide Figuren zu installieren und deswegen auch den ‘Dünnen’ gleich mitgenommen“, erklärt Birgit Lilienbecker vom Amt für Gebäudemanagement. Und so wurden beiden Figuren neben der dringenden Hüft-OP, bei der ihnen neue dickwandige Stahlrohre als zukünftige Stützen eingepflanzt wurden, auch gleich ein längst notwendiges Face-Lifting verpasst.

„Die Figuren stehen seit Anfang der 70er Jahre hier. Da war ganz schön viel Dreck drauf“, weiß Karl-Heinz Schmäke. In seiner Kunstgießerei wurden die beiden Figuren damals hergestellt, er hat sie auch jetzt wieder restauriert. Rund zwei Wochen hat es gedauert, die Beiden mit einer Sandstrahlung zu reinigen, die Beine bis zur Hüfte aufzuschneiden, die Rohre zu verlegen, sie anschließend mit der Bronze zu verstreben und zu verschweißen. „Aber jetzt stehen sie so fest - da bringt auch das kräftigste Zerren und Ziehen nichts mehr“, freut sich Schmäke. 5000 Euro hat die Operation gekostet, eine neue Patina für den gewohnten „Used-Look“ inklusive.

Dabei war das berühmte Düsseldorfer Fotomotiv anfangs ganz anders geplant. Der Künstler Seemann schuf sie zunächst in einer kleineren Version, die dann auf einen Marmorsockel gestellt wurden. Als er sein Kunstwerk eines Tages besichtigte, war er entsetzt. Viel zu klein die Figuren, viel zu groß der Sockel. „Da hat er mit der Stadt einen Tauschhandel gemacht: Er bekam die Figuren zurück und ließ dafür zwei größere Exemplare herstellen“, erinnert sich Schmäke.

„Der Dünne“ steht gegen Mittag wieder mit beiden Beinen am Boden. Fest verankert in seinem Sand-Zement-Gemisch. „Sieht aus, als habe er abgenommen“, witzelt ein Schaulustiger. Die Bauarbeiter hieven derweil seinen dicken Kompagnon vorsichtig vom Lastwagen. „Da ist er ja wieder, der Tünnes. Sieht wieder richtig gut aus“, bemerkt ein Passant im Vorbeigehen. Es hat wohl doch jemand gemerkt, dass die beiden zur „Kur“ waren. Karl-Heinz Schmäke lächelt. Die Operation ist ihm gelungen.

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