Stadtteil-Serie

So luxuriös residierte der Kaufhaus-Chef

So sah die Horten-Villa am Leuchtenberger Kirchweg in Düsseldorf-Lohausen Anfang der 60er Jahre aus. Die Flamingos hatten im parkähnlichem Garten einen eigenen Weiher.

So sah die Horten-Villa am Leuchtenberger Kirchweg in Düsseldorf-Lohausen Anfang der 60er Jahre aus. Die Flamingos hatten im parkähnlichem Garten einen eigenen Weiher.

Foto: Stadtarchiv Düsseldorf/Dolf Siebert

Düsseldorf.   Helmut Horten hatte am Leuchtenberger Kirchweg 63 im Düsseldorfer Stadtteil Lohausen seine Villa. Heute stehen hier Einfamilienhäuser.

Nur noch die alte Mauer am Leuchtenberger Kirchweg 63 in Lohausen deutet heute auf ein ehemals großes Anwesen hin. Hinter ihr, wo sich in den 60er Jahren die bundesdeutsche Polit-Spitze getroffen hat, sollen Flamingos, Boxer, Doggen und Papageien gewohnt haben. Hinter der Mauer weht ein Stück Stadt-Geschichte, die Geschichte vom Kaufhaus-Magnaten Helmut Horten.

Innerhalb von 20 Jahren hat es Helmut Horten geschafft, ein Vermögen von gut einer Milliarde Mark anzuhäufen. Sitz des Unternehmens war Düsseldorf, Helmut Horten wohnte in seiner Villa in Lohausen. Der Flachbau zeugte von einem Luxusleben. Der Düsseldorfer Kaufhaus-Milliardär war Rolls-Royce-Fahrer, seine Wohnhalle soll mit Werken von Emil-Nolde geschmückt gewesen sein.

Bilder aus der Vergangenheit: Wer erinnert sich nicht an die „Horten-Kacheln“ am Kaufhaus der Berliner Allee. Die „Horten-Kacheln“ an den Kaufhäusern prägten das Straßenbild bundesweit. Nach dem Abbau erinnerte in Düsseldorf nur noch ein Schriftzug am Carschhaus an den Kaufhausbesitzer. Dabei hat der gebürtige Bonner seine Karriere in Düsseldorf gestartet und vom Seestern aus gelenkt.

Sein Handwerk lernte Horten im Düsseldorfer Kaufhaus Leonhard Tietz, wechselte dann aber nach Duisburg ins Warenhaus Gebrüder Alsberg, das er im NS-Regime 1936 mit 27 Jahren übernahm. Die jüdischen Besitzer zwang man zur Ausreise. Bis 1939 besaß Horten bereits sechs Filialen und es gelang ihm, die Verteilung der kriegsbedingt kontingentierten Waren für die Kauf- und Warenhäuser am Niederrhein an sich zu ziehen, weshalb er nach dem Krieg verhaftet wurde. Später soll Horten ungern über seine Anfänge gesprochen haben.

Beschimpfungen für Helmut Horten nach dem umstrittenem Aktien-Verkauf

Bevor der Geschäftsmann mit Düsseldorf brach und in die Schweiz zog, schaffte es der Unternehmer, die Kaufhausgruppe zur viertgrößten der Bundesrepublik zu etablieren. Aus war es mit Glanz und Gloria um den Geschäftsmann in Düsseldorf jedoch, als er nach und nach aus dem schweizerischen Tessin seine Aktienanteile verkaufte und seinen Gewinn nicht versteuern ließ. Das hatte zwar seine Richtigkeit, denn er nutze eine Gesetzeslücke. Er zog aber trotzdem Unmut auf sich und wurde als Steuerflüchtling bezeichnet. Laut des Politikmagazins Spiegel (1984) habe „Horten nie verwunden, wie seine Landsleute, die Presse und die Politiker, damals über ihn hergefallen sind“.

Und plötzlich waren die glorreichen Düsseldorfer Zeiten vorbei

Vorbei waren die glorreichen Zeiten in Düsseldorf, dabei hatte der Kaufhausmagnat Düsseldorf und seine Lohausener Villa bundesweit in die Presse gebracht. Laut eines Spiegelberichts trafen sich dort Anfang der 60 Jahre die FDP-Größen Erich Mende und Willi Weyer mit Franz-Josef Strauß und Friedrich Zimmermann (beide CSU), um eine Anbindung der FDP an die Union zu sondieren.

Auch Walter Scheel soll oft zu Gast in der Düsseldorfer Villa gewesen sein. Laut Medien-Berichten soll die gute Beziehung zum Alt-Bundespräsident ihn auch dazu bewegt haben, die anonyme Sechs-Millionen-Spende an die FDP zu überweisen.

Obwohl Horten mit seiner alten Heimat gebrochen hatte, soll er an seiner Lohausener Villa gehangen haben. So wollte der Kaufhaus-Magnat sie originalgetreu am Genfer See nachbauen lassen. Die Pläne waren schon fortgeschritten, als Anlieger Einspruch einlegten.

Heute stehen auf dem Grundstück Einfamilienhäuser

Nach Hortens Tod erbte 1987 seine Ehefrau Heidi seinen gesamten Besitz, sie gilt als eine der reichsten Frauen Österreichs. Die Verbindung zu Düsseldorf ist in weite Ferne gerückt. Die Villa am Leuchtenberger Kirchweg wurde zunächst als Empfangssitz des Landtags gehandelt, später jedoch abgerissen. Hinter der Mauer zum ehemaligen Horten-Grundstück sind heute neugebaute Einfamilienhäuser. Davor sprießt frischer Grünwuchs aus den Erdritzen.

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