Obdachlose

Diese Düsseldorfer räumten die Steine unter Rheinbrücke weg

Zur Seite geräumt: Diese Steine unter der Rheinbrücke sollen Obdachlosen-Lager verhindern. Viele Bürger sind empört über das Vorgehen der Stadt – einige handelten.

Zur Seite geräumt: Diese Steine unter der Rheinbrücke sollen Obdachlosen-Lager verhindern. Viele Bürger sind empört über das Vorgehen der Stadt – einige handelten.

Foto: Martin Gerten / dpa

Düsseldorf.  Mit Steinen unter einer Rheinbrücke wollte die Stadt Düsseldorf Obdachlose vertreiben. Bürger räumten die Steine weg – uns erzählten sie, warum.

Die Steine unter der Düsseldorfer Rheinkniebrücke haben Sabine Hilgers aufgewühlt: „Ich wollte nicht in die Medien kommen, wollte weg sein, bevor das Ordnungsamt da war“, sagte die Düsseldorferin, die am Mittwochabend damit anfing, die Barrieren gegen Obdachlose in der Nähe des Düsseldorfer Landtages wegzuräumen. „Mir geht es nur um die Sache.“

Die Aktion in Düsseldorf machte in dieser Woche viele Bürger fassungslos: Damit unter der Rheinbrücke keine Obdachlosen mehr schlafen können, hat die Stadt an der Auffahrt für Radfahrer dicke Steine verteilt. „Fiftyfifty“, eine Düsseldorfer Organisation zur Unterstützung von Obdachlosen, berichtete auf seiner Facebook-Seite von dem Fall. „Das geht so nicht“, dachte sich Hilgers am Mittwoch. „Jeder Mensch hat das Recht auf eine trockene Unterkunft, besonders wenn es jetzt auf die kalte Jahreszeit zugeht.“

Während sie die Steine räumten, kam das Ordnungsamt

Mit ihrem Mann und ihrer Tochter machte sich Hilgers auf den Weg zur Rheinbrücke. „Wir sind eigentlich nur dorthin gefahren, um zu schauen, wie es dort aussieht“, berichtet sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Doch vor Ort fassten die drei einen Entschluss.

Sie fingen an, Stein für Stein zur Seite zu tragen und zu rollen. Manche seien 50 bis 60 Kilo schwer gewesen. „Das haben wir für gut 90 Minuten gemacht“, sagt Hilgers. Dann sei das Ordnungsamt gekommen. Zwei Drittel der Steine hätten zu diesem Zeitpunkt bereits am Rand gelegen.

Die Beamten vom Ordnungsamt hätten die Aktion jedoch an dieser Stelle beendet. „Unsere Personalien wurden aufgenommen mit dem Verweis, dass sie an die Stadt weitergetragen würden“, erzählt Hilgers. „Danach mussten wir gehen.“

Unbekannte schafften die restlichen Steine zur Seite

Später sah sie auf Facebook, dass jemand auch noch die restlichen Steine beiseite geräumt hat. Was ihr und ihrer Familie für diese Aktion drohen kann, das weiß sie nicht. Trotzdem hat sie kein Problem, ihren Namen in der Berichterstattung zu lesen. „Wir möchten uns nicht kriminalisieren lassen“, sagt sie. „Wir sind ganz normale Bürger. Das ist das erste Mal, dass ich sowas gemacht habe.“

Noch ist nicht klar, wie die Stadt Düsseldorf mit dem Wegräumen der Steine umgeht – vermutlich wird sie den Platz aber dauerhaft für Obdachlose unzugänglich machen. Die Verwaltung betonte am Donnerstagnachmittag in einer Mitteilung, dass sie Lager von wohnungslosen Menschen an „neuralgischen Stellen“ im Stadtgebiet nicht länger dulden will. Der Platz unter der Brücke solle langfristig gesichert werden.

Obdachlose unter der Rheinbrücke: Stadt Düsseldorf platzierte die Steine

Die zuständige Amtsleiterin Miriam Koch sagte, man werde versuchen, den Konflikt im Gespräch zu lösen und die Plätze nun auf andere Weise sichern, damit dort keine neuen Lager entstehen. Die angebotene Unterbringung in einer ehemaligen Schule im Stadtteil Heerdt sei für die Obdachlosen viel besser geeignet als der Lagerplatz, an dem es neben Beschwerden auch hygienische Probleme mit Ratten, Müll und Fäkalien gegeben habe. In die alte Schule dürften die Obdachlosen sogar ihre Hunde mitnehmen, was in vielen Unterkünften verboten sei. „Wir können aber niemanden zwingen“, sagte Koch.

Das stößt bei bei Sabine Hilgers auf Unverständnis. „Die Stadt möchte Obdachlose bewusst aus der Innenstadt fernhalten. Obdachlose gehören aber zum gesunden Stadtbild dazu, genauso wie Lehrer oder Manager“, sagte sie. Und: „Das ist eine Schande für eine Stadt, deren erster Bürger das Wort Sozial im Parteinamen hat.“ (mit dpa)

Leserkommentare (20) Kommentar schreiben