Historisches

Vor 200 Jahren ritt Napoleon in Düsseldorf ein

Foto: privat

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Düsseldorf. Es war ein schöner Samstag, jener 2. November 1811. Der Himmel war blau, die Sonne strahlte durch die immer noch belaubten Bäume. Und Düsseldorf und seiner Bürger erlebten einen geschichtsträchtigen Tag: Napoleon Bonaparte, der Kaiser von Frankreich, statte der Stadt vor 200 Jahren seinen Besuch ab.

Tatsächlich waren die Bürger aufgeregt und erfreut, hatte Napoleon doch dafür gesorgt, dass Düsseldorf zur Hauptstadt eines Großherzogtums erhoben wurde. Durch einen Bündnis von Maximilian Joseph von Bayern mit Napoleon fiel das Herzogtum Berg 1806 an Frankreich. Düsseldorf wurde die Residenzstadt des neuen Großherzogtums, eine Region die etwas größer war als das heutige Nordrhein Westfalen. Klar, dass sich der Kaiser dieses Düsseldorf persönlich ansehen wollte.

„Scheinlose Uniform“

Schon Tage vorher waren die Bürger auf den Großkaiser vorbereitet: Blumen wurden geschnitten und Kuchen gebacken, das Schloss Jägerhof, hier residierte er, wurde neu hergerichtet. Die Düsseldorfer flankierten die jetzige Heinrich-Heine-Allee und jubelten, als Napoleon hoch zu Ross durchs Ratinger Tor Einzug hielt. Mitten im Trubel: Heinrich Heine. „Der Kaiser trug seine scheinlose Uniform und das kleine welthistorische Hütchen“, schreibt er. „Und das Volk rief tausendstimmig: Es lebe der Kaiser!“ Man hatte große Erwartungen in den Kaiser, die nur zum Teil erfüllt wurden.

Die Zeit Napoleons und den Einfluss auf das Land müsste man zwiespältig sehen, meint der Direktor des Stadtarchivs Düsseldorf, Klemens Looz von-Corswaren. Die Düsseldorfer hofften auf eine positive Einflussnahme auf die vielen und hohen Zollabgaben und auf die Kontinentalsperre zu England. Der französische Herrscher brachte jedoch neue Steuern und Belastungen für die Bürger, schließlich musste der Krieg bezahlt und geführt werden. Vom neunjährigen Militärdienst kamen 90 Prozent nicht zurück.

Den Hofgarten ausgebaut

Aber nicht alles war schlecht: Hatten die Franzosen die Festungsmauer Düsseldorfs noch 1794 zerstört, veranlasste der Kaiser später ein Verschönerungsdekret. Hierhin enthalten: Der Ausbau des Hofgartens, auch ein Hafenbecken sollte errichtet werden – Zeugnisse von Napoleons kurzer Herrschaft. Am früheren Hafenbecken steht heute die Tonhalle, jedoch gilt der Naopoleonsberg im Hofgarten als Beweis hierfür. Auch der Kö-Graben geht auf Napoleon zurück, ursprünglich war die Düssel der Grabenfluss der Stadtmauer.

Und tatsächlich: Zwar kam es zu Unruhen aufgrund der Belastungen durch den Krieg, in Zeiten der Preußen bestanden die rheinischen Gebiete (rechts) jedoch auf ihre neu erworbenen Rechte durch die Franzosen. Durch den Code Civil sowie eines neuen Handels- und Strafgesetztes bekamen sie, wie die Franzosen nach der Revolution, Gleichheit vor dem Gesetz und freie Vertragsmöglichkeiten. Die Justiz wurde unabhängig von der Verwaltung. Als die Preußen 1813 ins Land marschierten, durften sie zwar die französische Sprache aus den Ämtern streichen. Auch wurde der „Boulevard Napoleon“ umbenannt, unsere heutige Heinrich-Heine-Allee. Die Handelsgesetze waren jedoch ein Vorteil gegenüber dem Rest von Deutschland. Dies hat unter anderen zum Aufschwung des Rheinlandes in der frühen Industrialisierung beigetragen.

Nur ein kurzer Besuch

Es war ein kurzer Besuch von Napoleon, die Preußen blieben hingegen bis zum 20. Jahrhundert. Von ihnen haben wir unter anderen die Luisenstraße, das Gymnasium sowie die Kunstakademie. Taucht man jedoch tiefer in die Geschichte, kann man die Spuren von Napoleon am Stadtbild ablesen. Auch die Retematäng, der gebräuchliche Begriff für die Ratinger Straße, ist auf Napoleon zurückzuführen. Der überraschende Ausruf Napoleons über die hell beleuchtete Ratinger Straße, die damals schon eine Vergnügungsmeile war, „Rue de matin“ (Straße des Morgens) wurde von einem Bürger zur Retematäng erklärt. Schließlich konnte er nicht so vornehm sprechen, wie der Herr Franzose.

Nach seinem Besuch in Düsseldorf kam der Kaiser nach Köln: Hier soll er den Kölnern von der Stadt vorgeschwärmt haben. Sie könnten sich ein Beispiel an Düsseldorf nehmen, denn sie wüssten einen Kaiser zu empfangen...

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben