Brauchtum

Wie der Weckmann zur Pfeife kam...

In seiner Backstube produziert Thomas Puppe an den Spitzentagen in der Martinszeit bis zu 2000 Weckmänner.

In seiner Backstube produziert Thomas Puppe an den Spitzentagen in der Martinszeit bis zu 2000 Weckmänner.

Foto: Ingo Lammert

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Düsseldorf.  Etwas Gutes hat der dunkle November. Wir kriegen Besuch von einem besonderen Männchen. Etwas fülliger ist er fast an jeder Straßenecke zu finden.

Dann steht er da, goldbraun gebrannt mit seinem Markenzeichen in der Hand: der Tonpfeife. Der Weckmann ist pünktlich zum Martinsfest (offiziell am heutigen 11. November) in jeder Bäckerei zu finden. Doch woher kommt er eigentlich?

Der Jüngste ist der Herr mit der Pfeife nicht. Mehrere Hundert Jahre ist seine Geschichte alt. Traditionell soll der Weckmann eine Abbildung des Heiligen Nikolaus sein. „Damals wollte man den Kindern zum Nikolausfest etwas Besonderes schenken, und so wurde nicht ein normales Gebäck hergestellt sondern der Weckmann mit den für die damalige Zeit besonderen Zutaten Zucker und Butter“, erklärt Bäckermeister Thomas Puppe aus Oberkassel. Zudem sind die so genannten Gebildegebäcke, unter die auch der Weckmann fällt, eine Tradition. So gibt es zum Beispiel auch das Neujährchen als Glücksymbol oder auch die Brezel, in der das Glück verflochten ist und nicht herausfallen kann.

Nie ohne Pfeife

Da der Heilige Nikolaus ein Bischof war, hielt der Hefeteigmann ursprünglich einen kleinen Bischofsstab. „Es gibt ein Gerücht, wie aus dem Stab eine Pfeife wurde: Im 18. Jahrhundert gab es einen Bäcker, dem die kleinen Stäbe ausgingen. Er ging nebenan in den Tabakladen und stellte fest, dass die kleinen Pfeifen, wenn man sie verkehrt herum hält, fast genauso aussehen wie ein Bischofsstab. So kamen die Tonpfeifen auf das Gebäck“, erklärt Thomas Puppe. „Die macht den Kindern auch mehr Spaß. Heute würde ich keinen Weckmann ohne Pfeife herstellen. Die gehört einfach dazu und darf nicht durch Lutscher oder anderes ersetzt werden“, fügt der Bäckermeister hinzu.

Doch nicht nur der Bischofsstab wurde zur Pfeife, der Heilige Nikolaus wurde auch zu St. Martin. Schließlich wird im Rheinland das Gebäck hauptsächlich zum Martinsfest gegessen. „Der Rheinländer ist eben so offen, dass er die Weckmänner im praktizierenden Katholizismus schon an St. Martin backt“, sagt Puppe. Wenn die Bäckereien eine große Variante des Hefeteigmännchens an Kindergärten liefern und die Kleinen ihn dann teilen und gemeinsam essen, entspreche das doch auch sehr dem Prinzip des Martinsfestes, merkt Puppe an.

Der Name des kleinen Mannes ist je nach Region verschieden. „Um Düsseldorf wird ein gesüßtes Brot als Wecken bezeichnet, so erhielt er den Namen Weckmann“, berichtet Puppe. Am Niederrhein ist er als Stutenkerl bekannt, in der Schweiz als Grittibänz.

Täglich 2000 Weckmänner

Die Bäckerei Puppe backt zur Martinszeit täglich etwa 2000 Weckmänner. „Die werden alle durch Handarbeit hergestellt, Formen gibt es für das Gebäck nicht. Es steckt also richtig Arbeit dahinter. Und so ist auch jeder Weckmann einzigartig, je nach der Spezifität des Bäckers“, verrät Puppe. Neben den traditionellen Hefeteigmännchen gibt es den Weckmann auch mit Mandeln und Zuckerguss oder Rosinen. „Unsere Rosinen werden dafür Wochen vorher in Rum eingelegt und sind dadurch schön saftig. Und einen Rosinen-Weckmann gönne ich mir da natürlich auch jedes Jahr“, lacht Puppe.

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