Werkstatt für Behinderte

Finanzskandal bei der Duisburger Werkstatt gab es schon 2009

Die Eröffnung der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung SEPOS fand erst 2015 statt. Das Gelände war aber schon vor mehr als neun Jahren von der damaligen Prokuristin gekauft worden, ohne dass die personelle Auslastung der WfbM für die Errichtung einer neuen Werkstatt ausgericht hätte.

Die Eröffnung der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung SEPOS fand erst 2015 statt. Das Gelände war aber schon vor mehr als neun Jahren von der damaligen Prokuristin gekauft worden, ohne dass die personelle Auslastung der WfbM für die Errichtung einer neuen Werkstatt ausgericht hätte.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg.   Vor Jahren gab es schon einen Finanzskandal bei der WfbM. Aufgedeckt hatte die Machenschaften die damals neue Geschäftsführerin Roselyne Rogg.

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Die überhöhte Gehaltszahlung an die am Mittwoch fristlos gekündigte WfbM-Geschäftsführerin Roselyne Rogg ist nicht der erste Finanzskandal, der die Werkstatt für Menschen mit Behinderung erschüttert.

Schon einmal ermittelte die Staatsanwaltschaft Duisburg in Sachen WfbM. Ende 2009 war gegen Roggs eigentlichen Vorgänger, den langjährigen Werkstattgeschäftsführer Achim von W. und dessen Tochter Corinna, damals Prokuristin und Verwaltungsleiterin der WfbM, der Verdacht des Betrugs und der Vorteilsnahme aufgekommen. Der Aufsichtsrat der Werkstatt hatte daraufhin das städtische Rechnungsprüfungsamt mit der Prüfung des Sachverhaltes beauftragt, die 38-Jährige – deren Vater bereits 2008 verstorben war – wurde fristlos entlassen und eine Strafanzeige gegen sie genehmigt.

Zu den eigenen Gunsten

Der Vorwurf lautete damals: von W. habe mit Handwerkern Vereinbarungen auf Kosten der Werkstatt zu seinen eigenen Gunsten getroffen, und dieses System sei nach seinem Tod von seiner Tochter fortgeführt worden. Die übrigens hatte von W. ohne Aufsichtsratsbeschluss in Unternehmen geholt. Der Schaden für die Werkstatt soll im sechsstelligen Bereich gelegen haben.

Exklusive Hotelaufenthalte

Das Fazit, das die Rechnungsprüfer nach knapp 16 Monaten zogen, trug eine deutliche Sprache. Es sei „unstrittig, dass während der Arbeitszeit private Hausverwaltungstätigkeiten vorgenommen wurden, wofür sie (die Prokuristin, Anm.d.Red.) Eigentum der WfbM wie z.B. Handy, PC Fahrzeuge aus den Betriebsstellen der WfbM einsetzte“. Zudem habe sie sich auch der Werkstatt-Mitarbeiter bedient, die u.a. bei einem Umzug mitgeholfen haben, dafür aber nicht bezahlt wurden.

Laut Prüfbericht beauftragte die Prokuristin Firmen für die Werkstatt, ohne Vergleichsangebote einzuholen. Im Gegenzug sollten diese Firmen dann in von W.s eigenen Immobilien private Aufträge zu ermäßigten Preisen erledigen. Die Prüfer sahen zudem den Verdacht bestätigt, dass es abgesprochene Auftragspreise gegeben hatte. Bei einer Firma entdeckten sie Bauleistungen von 90.000 Euro, die nach ortsüblichen Preisen lediglich 60.000 Euro hätten kosten dürfen.

Unwirtschaftliches Verhalten

Zur Last legten die Rechnungsprüfer Corinna von W. damals auch unwirtschaftliches Verhalten: „So wurde für etwa 700.000 Euro ein Grundstück an der Albert-Hahn-Straße gekauft, um dort möglicherweise eine neue Werkstatt für Menschen mit Behinderung zu realisieren, ohne dass die personelle Auslastung der WfbM die Errichtung einer neuen Werkstatt zulässt.“ (Diese Kapazitäten wurden erst unter der Geschäftsführung von Roselyne Rogg erreicht. Im November 2015 wurde die Zukunftswerkstatt Sepos in Großenbaum eröffnet, die gut 150 Menschen mit psychischer Behinderung einen Arbeitsplatz bietet.)

Statt ordentlich zu haushalten, habe es Fortbildungen für Funktionsträger der Werkstatt in exklusiven Hotels an der Ostsee, in Baden-Baden oder Traben-Trabach gegeben, lautete eine weitere Erkenntnis der Prüfer. Und schließlich seien vier Dienstwagen gekauft, kaum gefahren und sehr günstig an Verwandte und Bekannte verkauft worden.

Ungereimtheiten

Auf Anfrage dieser Redaktion erklärte das Amtsgericht Duisburg gestern, dass es in diesem Fall weder einen Strafbefehl, noch ein Verfahren gegeben habe. Die Staatsanwaltschaft Duisburg konnte bis Redaktionsschluss nichts zum Ergebnis ihrer damaligen Ermittlungen sagen.

Besonders interessant ist dieser Fall dadurch, dass Roselyne Rogg 2009 als neue Geschäftsführerin der WfbM die Machenschaften der von W.s aufgedeckt hatte, nachdem ihr bei Gesprächen und Akten-Durchsicht Ungereimtheiten aufgefallen waren. Sie hoffe, sagte Rogg damals, dass die Werkstatt bald wieder in ruhiges Fahrwasser komme. Nun hat sie selbst dafür gesorgt, dass die Wellen wieder hochschlagen.

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