Flitzer muss für 15 Monate hinter Gitter

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STRAFPROZESS. Dass der 62-jährige "Ernie" die Hosen auch vor Gericht heruntergelassen hatte, ärgerte die Justiz mächtig.

Ernst Wilhelm Wittig zieht sich überall aus. Der bekannteste Flitzer der Republik zeigte sich in voller Schönheit schon in Stadien, Einkaufszentren, auf Schulhöfen und eben auch vor Gericht. Bei einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht ließ der 61-jährige Bielefelder Ende 2007 an gleich zwei Verhandlungstagen die Hüllen fallen. Das brachte dem bereits vielfach einschlägig vorbestraften Wittig gestern die nächste Verurteilung ein: Das Amtsgericht am König-Heinrich-Platz verurteilte ihn wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses zu 15 Monaten Gefängnis.

Rund 20 Eintragungen weist das Vorstrafenregister Wittigs aus. Erst am Montag dieser Woche, pünktlich zu seinem 61. Geburtstag, war "Ernie" nach 16 Monaten aus dem Gefängnis entlassen worden. Über die Verhältnismäßigkeit solch drakonischer Strafen im Zeitalter der unaufhörlichen Gegenwart von Nacktheit im Fernsehen, auf Werbeplakaten und an Badestränden mag man streiten. Wittig aber ist nicht auf einem Kreuzzug für die freie Körperkultur. Der Body-Builder versteht sich als Kunstwerk. Und das will er zeigen.

"Das hat doch nichts mit Sexualität zu tun"

So verteidigte er auch seine jüngsten Taten als Werbung für seinen Sport, dem er sein ganzes Leben gewidmet hat. "Das hat doch überhaupt nichts mit Sexualität zu tun", so der 61-Jährige. Und so zweifelte auch sein Verteidiger - wie viele seiner Kollegen - daran, dass Wittig den Straftatbestand des Paragraphen 183 überhaupt erfüllt habe. Der stellt nämlich ausdrücklich sexuelle Handlungen, die in der Öffentlichkeit vorgenommen werden, unter Strafe.

Doch das Schöffengericht wollte solche Erwägungen nicht nachvollziehen. Zumal die Staatsanwältin in ihrem markigen Schlussvortrag den Umstand, dass Wittig als Tatort diesmal einen Gerichtssaal gewählt hatte, besonders hervorhob. "Es war ja kein Fußballspiel, sondern es ist in einem deutschen Gerichtssaal passiert. Und das auch noch zweimal. So etwas tut man einfach nicht."

So ähnlich sah das am Ende auch das Gericht und verurteilte Ernst Wilhelm Wittig in der von der Anklage geforderten Höhe. Angesichts der zahlreichen Vorstrafen des Angeklagten sahen sich die Richter außerstande die Strafe zur Bewährung auszusetzen. (bm)

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