
- Die Stadt Kleve hat keine Übersicht über freie Ganztagsplätze, Emmerich schon.
- Klever Eltern sollen sich mit einer Liste selbst bei den einzelnen Schulen informieren.
- Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind viele Eltern auf den Offenen Ganztag angewiesen.
Das Geld wird knapp. In immer mehr Familien möchten beide Elternteile arbeiten gehen. Die schulpflichtigen Kinder brauchen eine Betreuung am Nachmittag. Das Betreuungsproblem nimmt zu. Das sehen auch die Städte anhand der aktuellen Schul-Anmeldezahlen und Abfragen nach dem Betreuungsbedarf. Einige Eltern werden noch nicht einmal das Kind in der Schule ihrer Wahl unterbringen können und selbst wenn, ist ihnen in den meisten Fällen noch kein Betreuungsplatz sicher.
Statt in Kleve fand er in Emmerich einen Betreuungsplatz
So ging es zum Beispiel Gabor Klung, Vater von drei Kindern (zwei, vier, sechs Jahre), der in Kellen wohnt. Er war einer derjenigen, die 2021 völlig überrascht waren, dass die St. Willibrord Grundschule wegen der übermäßigen Anmeldezahlen katholische Kinder bevorzugen musste. Seine Familie gehörte nicht dazu. „Es ist so absurd. Eltern von Vierjährigen lassen jetzt ihre Kinder taufen, damit sie bald in die wohnortnahe Grundschule können“, weiß er aus Kindergarten-Kreisen.
Weil er in Rees arbeitet und seine Ehefrau in Emmerich, suchten sie auch auf der rechten Rheinseite nach einem Ganztagsplatz oder nach einer Tagesmutter im Umfeld der Arbeitsstätten. Aus Emmerich kam schon nach zwei Tagen ein Rückruf der Schulverwaltung: „Wir haben einen Platz für Sie“, so zitiert Klung.
Emmerichs Stadtsprecher Tim Terhorst antwortet auf NRZ-Anfrage: „Auch hier ist die Zahl der Plätze natürlich endlich. Aber wir stehen im engen Austausch zu den Schulen und den Trägern und haben sehr kurze Wege der Information.“ In Emmerich gibt es derzeit 1140 Grundschüler, 459 sind in der OGS, es gibt 26 Tagespflegepersonen in der Stadt.
Die Stadt Kleve meldete, sie habe keinen Überblick über freie Tagesplätze

Klung weiß, dass Emmerich sehr schnell nach der Anmeldephase Bescheide zur Aufnahme in Grundschule und Offenen Ganztag (OGS) gebe. In Kleve dagegen sei er abgewiesen worden, erzählt Klung: Die Stadt habe keinen Überblick über freie Kapazitäten an Tagesplätzen, man gab mir eine Liste, ich solle selber suchen, zitiert er. Dafür hat Gabor Klung, Gymnasiallehrer für Deutsch, Geschichte und Informatik, kein Verständnis: „Das ist doch ein einfaches Computerprogramm, um freie Kapazitäten aktuell zu halten.“ In Kleve gibt es derzeit 1840 Grundschüler, 892 OGS-Kinder wurden der Bezirksregierung Düsseldorf gemeldet, 313 sind im Halbtag bis 13 Uhr, es gibt in der Stadt 67 Tagesmütter und -väter.
Die Fortschreibung der Schulentwicklungspläne stehen derzeit in vielen Kommunen an
Die Fortschreibung der Schulentwicklungspläne stehen derzeit auf der Tagesordnung der Schulausschüsse in vielen Kommunen – in Emmerich am 24. November. In Kleve geht es am 15. November darum, dass die Gültigkeit des alten Schulentwicklungsplanes mit Jahresende ausläuft.

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„Das Problem der Nachmittagsbetreuung ist in Deutschland riesig und in Kleve übergroß“, meint der Vater Gerwin Putman (zwei Kinder, vier und sechs Jahre alt). An der Grundschule in Kellen, so sagt er, seien 125 Kinder im OGS, „ihnen stehen laut UN-Konvention drei Quadratmeter pro Kind zu, also 375 Quadratmeter, verteilt über diverse Räume“. Mehreren Grundschulen fehlten dazu der Platz und das Personal, weiß er, „und der Stadt Kleve wohl das Interesse“.
Kitas und Grundschulen leisten Gutes unter schwierigen Bedingungen
Er bedenkt: „Die Aufgabe ist doch schon ab Kindergarten, Kinder zu betreuen, erziehen und zu bilden. Da ist oft nur Aufbewahren möglich und die soziologischen Probleme setzen sich in der Schule fort. Das wird uns langfristig einholen“, ahnt Putman, der in den Niederlanden als Sonderpädagoge arbeitete, in Deutschland pädagogische Hilfskraft am Kinderhaus in Kellen ist und parallel Heilpädagogik studiert. Beide Väter loben aber Kitas und Grundschule in Kellen, die unter schwierigen Bedingungen Gutes leisteten. Zumal die Zahl der betreuten Unter-Dreijährigen, die noch nicht alle aus den Windeln raus sind, immer größer wird.
„Manche Eltern lauern Tagesmüttern auf dem Spielplatz auf“
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„Manche Eltern lauern Tagesmüttern auf dem Spielplatz auf,“ weiß sein Nachbar Gabor Klung von der Betreuungsplatz-Suche in Kleve. Dass trotzdem Verlässlichkeit für Eltern und für Betreuungspersonal nötig ist, wollen die beiden Väter auch in der Stadtschulpflegschaft (deren stellvertretender Vorsitzender Putmann ist) in der nächsten Sitzung am 7. November ansprechen. Klung: „Wir wollen nicht Vorkämpfer sein für alle. Aber uns wurden 75 Prozent Betreuungsquote versprochen. Man kann nicht jede Bau-Verzögerung auf Corona schieben“, blickt er auf den fehlenden OGS-Anbau in Kellen (wie berichtet). „Wir müssen die Stadtgesellschaft fragen: Was ist euch die Bildung wert?“
Unterschriftenlisten für mehr Platz und Personal für den Offenen Ganztag
Übrigens fand nach dem Anmelde-Ärger 2021 im März ein Gespräch mit Schulaufsicht, Schulverwaltung, Bürgermeister und Eltern statt. Zehn der abgelehnten 44 waren gekommen, einige Eltern hatten sich im Widerspruchsverfahren an der gewünschten Grundschule eingeklagt. Auch jetzt laufen aktuell Unterschriftenlisten rund, die mehr Platz und Personal für den Offenen Ganztag fordern.
Die Schulverwaltung Kleve antwortet bisher nicht auf NRZ-Anfragen nach aktuellen Schulanmeldezahlen und wie man zu erwartende Platzprobleme des Offenen Ganztags in Reichswalde, Kellen und Materborn lösen will.
Innerhalb der Stadt Kleve gibt es ein Modell, wie guter Ganztag aussehen kann. Die erste Schule in NRW, an der im „Rhythmisierten Ganztag“ ausschließlich Ganztags-Kinder unterrichtet werden. Lesen Sie diesen Bericht dazu.



