Essen. . Essener Delegierte mühen sich nach der knappen Entscheidung um Ausgleich. Das einzige Ja zur „GroKo“ kam vom Europa-Abgeordneten Jens Geier.

Als Gegner einer neuen großen Koalition gehörte er am Sonntag selber zu den Unterlegenen. Doch angesichts des engen Parteitags-Votums pro „GroKo“ ist Essens SPD-Chef Thomas Kutschaty um den Zusammenhalt in seiner Partei nicht bang: „Es gibt keinen Grund für Überheblichkeit, für die Teilung in Sieger und Besiegte, dazu war der Sieg zu knapp“, glaubt der 49-Jährige. Er rechne deshalb nicht mit einer Austrittswelle, so Kutschaty, und jetzt das Parteibuch zurückzugeben, meint er augenzwinkernd, „wäre auch der falsche Zeitpunkt“: Denn immerhin habe es die sozialdemokratische Parteibasis ja noch in der Hand, über den Koalitionsvertrag abzustimmen.

„Mein Herz sagte Nein, mein Kopf ja“

Einen Koalitionsvertrag, den vier von fünf Essener Delegierten nicht wollten, nur einer stimmte mit Ja: der Europaabgeordnete Jens Geier. „Mein Herz sagte Nein, mein Kopf ja“, formulierte Geier und begründete sein Votum auf Facebook damit, dass „NoGroKo mir nicht überzeugend erklären konnte, welche strategische Lageverbesserung die SPD durch ein ,Nein’ erreicht und unsere Chancen bei einer dann sehr rasch kommenden Neuwahl verbessert hätte“.

Und überall der Versuch, sich „nicht auseinanderdividieren zu lassen“, wie der Essener Ex-SPD-Vize Arno Bischof nach dem Parteitag sagte: Klar werde man bei den Mitgliederzahlen „ein paar Federn lassen müssen“, aber es sei allen klar gewesen, dass so oder so eine schwierige Lage entstehen musste. Bischof, der in Bonn gegen die „GroKo“ stimmte, lobte den Stil der Debatte und wird sich mit dem Ergebnis arrangieren: „Wir sind Demokraten.“