Es hat Zeiten gegeben, gar nicht so lange her, da hätten für diese Menschenmenge zweieinhalb Großzelte als Unterkunft bereitgestanden. Zwei Jahre und 35 geschlossene Asyl-Unterkünfte später verteilen sich die 1076 Flüchtlinge in städtischen Heimen auf elf Standorte. Und 1379 weitere Betten bleiben leer.
Tendenz steigend. Denn gut möglich, dass die Zahl der Heim-Flüchtlinge bereits in einigen Wochen unter die 1000er-Marke fällt. Während es auf der einen Seite weiter Auszüge in Wohnungen gibt – wenn auch nicht so viele wie zu Beginn der städtischen Miet-Offensive – rücken bis auf weiteres keine mehr nach.
Neue Asylbewerber kommen erst im dritten Quartal
Der mit der Bezirksregierung ausgehandelte Zuzugsstopp läuft zwar Ende März aus, wird aber vermutlich verlängert, weil die Stadt ihre Zuweisungsquoten deutlich „übererfüllt“ hat. Mit Zuweisungen neuer Asylbewerber, so bestätigt Sozialamts-Leiter Hartmut Peltz, ist in Essen wohl erst im dritten Quartal dieses Jahres zu rechnen.
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Und so denkt die Stadt jetzt darüber nach, einzelne Unterkünfte komplett aus dem Betrieb herauszunehmen, um so ihre „Eiserne Reserve“ in Sachen Asyl zu vergrößern. Seit Wochen schon werden 759 der 2455 Plätze nicht mehr bewirtschaftet, dennoch ist keine einzige der elf Asyl-Unterkünfte voll besetzt.
Die Auslastung weiter herunterzuschrauben, wäre unwirtschaftlich, darum steht die Entscheidung im Raum, ganze Standorte vom Netz zu nehmen. Entsprechende Überlegungen gibt es vor allem für die kleinen Bauten wie jene Am Funkturm in Holsterhausen, an der Cathostraße in Bergeborbeck oder am Limbecker Platz in der Innenstadt.
Klinkestraße als Domizil für Teile der Stadtverwaltung?
Darüber hinaus gilt als denkbar, eines der größeren Heime zumindest übergangsweise als Domizil für Teile der Stadtverwaltung zu nutzen. Hier ist die Klinkestraße in Bergerhausen im Gespräch.
Einen dauerhaften Rückzug, mit dem auch die Zahl der Asylplätze weiter verringert würde, wird es, wenn’s nach der Sozialverwaltung geht, nicht geben: „Bei den 2455 Plätzen muss es bleiben. Alles andere wäre fahrlässig“, sagt Peltz. Er rechnet damit, dass Essen auf Sicht bis zu 1200 Personen im Jahr aufnehmen muss. Die Auszüge berücksichtigt, bedeutet das: Die Zahl der Asyl-Bewohner bleibt halbwegs stabil.