Luftverschmutzung

Der City-Tree in der Essener City hat wieder schlapp gemacht

Der City-Tree im Essener Hauptbahnhof ist nach Spinnmilben-Befall vertrocknet.

Der City-Tree im Essener Hauptbahnhof ist nach Spinnmilben-Befall vertrocknet.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Der City-Tree im Hauptbahnhof, der für bessere Luft sorgen sollte, ist vertrocknet. Die Mooswand ist von Spinnmilben befallen worden.

Mit viel Moos wollte die Deutsche Bahn ihren Beitrag für die Grüne Hauptstadt Essen und gegen die Luftverschmutzung in der City leisten. Je 25 000 Euro hat sie in zwei City-Trees investiert, die vor und im Hauptbahnhof stehen. Die große Mosswand des Start-Up-Unternehmens Greencity Solutions könne theoretisch soviel Feinstaub schlucken wie 275 Straßenbäume. Doch die Messergebnisse an einem City-Tree bestätigten derartige Berechnungen nicht.

Und der zweite City-Tree in der Bahnhofshalle hat schlapp gemacht. Die Moos- und Deckpflanzen sind verkümmert und vertrocknet. Und das ausgerechnet im Grünen-Hauptstadt-Jahr. Spinnmilben haben dem City-Tree den Rest gegeben.

Essener City Trees werden endgültig abgebaut

Da wollte die Deutsche Bahn für Essen etwas Gutes tun – und stellte im Frühjahr der Grünen Hauptstadt zwei City-Trees von Greencity Solutions auf, deren Moospflanzen die Luftschadstoffe in der Umgebung zersetzen sollten. Doch die anfängliche Euphorie hat sich längst in Luft ausgelöst.

Die Mooswand vor dem Haupteingang des Hauptbahnhofes ist schon lange kein Hingucker mehr. Die Sitzbank wird von der Trinkerszene in Beschlag genommen und die Blechummantelung des City-Tree ist auch schon mal zum Urinieren zweckentfremdet worden. Selbst die von der Deutschen Bahn mit Neugier erwarteten Luftmessergebnisse waren eher ernüchternd. Zwar wurde rund um den City-Tree im unmittelbaren Umfeld etwas bessere Luft gemessen, aber um einen wirklichen Effekt festzustellen, sei eine viel größere Moosfläche nötig, heißt es bei der Deutschen Bahn.

Deutsche Bahn: „Es besteht Verbesserungsbedarf.“

Als ungeeignet hat sich zudem der Standort für den zweiten City-Tree herausgestellt. In der Bahnhofshalle war es nicht hell genug. Zwei bis drei Mal mussten Hunderte eingegangene Moos- und Deckpflanzen ausgetauscht werden. Auch wurde die Beleuchtung korrigiert. Aber es half nichts. Das Moos vertrocknete. „Dafür haben wir eine einfache, aber keine schöne Erklärung“, sagt DB-Sprecher Hans-Georg Zimmermann. Spinnmilben gaben dem City-Tree den Rest. Von biologischen Wirkstoffen ließen die sich nicht vertreiben. „Und chemische Mittel scheiden von vornherein aus, damit nicht irgendjemand zu Schaden kommt“, betont Zimmermann. Das bisherige Ergebnis fasst der DB-Sprecher mit den Worten zusammen: „Wir haben beim Pilotprojekt in Essen festgestellt, dass Verbesserungsbedarf besteht.“

In zwei Wochen sind die City-Trees in der Ruhr-Metropole eh Geschichte. Bis dahin werden die Mooswände abgebaut. Der City-Tree vor dem Hauptbahnhof soll in einer anderen Stadt aufgebaut werden, das zweite Exemplar für den Innenbereich wird erstmal eingelagert. Hier müsse das Konzept nochmals überdacht werden. Für Essen scheint das Kapitel City-Tree endgültig abgeschlossen zu sein. Während mehrere deutsche Städte auf die ökologische Filterfunktion des Produkts hoffen, hat hier das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz von Anfang an die Wirksamkeit bezweifelt.

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