Ernährung

Essen hat das erste Rathaus mit eigenem Gemüsegarten

Die städtische Angestellte Cathrin Lehmann hat vor der Kantine des Essener Rathauses. ein Gemüse-Hochbeet bepflanzt.

Die städtische Angestellte Cathrin Lehmann hat vor der Kantine des Essener Rathauses. ein Gemüse-Hochbeet bepflanzt.

Foto: Ulrich von Born

Essen.   Städtische Mitarbeiter haben Hochbeete auf dem Tiefgaragen-Dach bepflanzt.Das Pilot-Projekt soll Bewusstsein für gesunde Ernährung schärfen.

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Einen eigenen Garten besitzt Cathrin Lehmann nicht. „Nur einen Balkon, aber darauf wächst nichts.“ Umso erfreuter war die städtische Angestellte, als sie hörte, dass ihr Arbeitgeber ihr nun die Gelegenheit gibt, eigene Hochbeete zu bepflanzen. Bald kann sie zusammen mit 14 Kollegen Kohlrabi, Radieschen und Salate ernten, die seit Juli in Hochbeeten auf dem Tiefgaragendach des Essener Rathauses wachsen.

Jeweils ein Quadratmeter groß ist die Fläche der 30 Hochbeete, die die Stadt ihren Mitarbeitern, die sich für das Projekt bewerben konnten, zur Verfügung gestellt hat, jeder kann zwei davon beackern. Die Mini-Bio-Gemüsegärten sind Teil eines Pilot-Präventionsprogramms, das die Stadt Essen im Grünen-Hauptstadt-Jahr zusammen mit der Barmer Krankenkasse und dem jungen Essener Start-Up-Unternehmen „Ackerhelden“ initiiert hat.

Bewusstsein für gesunde Ernährung schärfen

Dessen beiden Geschäftsführer Birger Brock und Tobias Paulert haben sich dem so genannten „Urban Gardening“, also dem städtischen Gärtnern, verschrieben. „Wir möchten ein Bewusstsein für gesunde Ernährung schaffen, indem wir den Menschen zeigen, wo das Essen herkommt“, so Paulert. 2012 mit Gärten vor allem für Kinder und Familien gestartet, hat das Unternehmen seit vergangenen Jahr seinen Blick auch auf Unternehmen gerichtet. In ganz Deutschland lassen sie Felder beackern und geben in Workshops Hilfestellung. Die Mitarbeiter lernen auf diese Weise viel über gesunde Ernährung und bewegen sich zudem an der frischen Luft: für die Unternehmen eine praktische Gesundheitsvorsorge-Maßnahme.

An 17 Standorten sind die „Ackerhelden“ mit diesem Konzept erfolgreich, nur in Essen habe man bislang kaum geeignete Flächen gefunden. „Es gibt hier nicht genug bio-zertifizierte Flächen“, bedauert Paulert. „Konventionelle Flächen sind für unser Konzept wegen der verwendeten Chemie nicht geeignet.“

Lieber Gemüse als Currywurst

Um so glücklicher ist der 41-Jährige darüber, dass die Ackerhelden jetzt mit der Stadt Essen kooperieren und direkt am Rathaus Hochbeet-Kästen installieren konnten. „Damit ist das Rathaus Essen Deutschlands erste Rathaus mit eigenem Gemüsegarten“, freut sich auch Oberbürgermeister Thomas Kufen. Das Projekt sei Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements, betont er: „Eine funktionierende Verwaltung braucht gesunde Mitarbeiter.“ Er ist überzeugt davon, dass die Aktion Vorbildcharakter hat. Das glaubt auch Paulert – denn immerhin seien die Hochbeete gut von den Fenstern der Kantine aus zu sehen: „Mit dem gesunden Gemüse im Blickfeld, ist man motiviert, sich etwas anderes zu bestellen als die Currywurst“, ist er überzeugt. Immerhin: Auch die Kantine hat ein Kräuterfeld angepflanzt und lässt die Ernte auf die Teller der Angestellten wandern.

Cathrin Lehmann freut sich bereits auf ihre Ernte: Kohlrabi, Radieschen und Co. will sie zu Hause verkochen. „Aber ich werde auch an die Kollegen in meiner Abteilung denken“, verspricht sie – und leistet damit ihren Anteil für den angestrebten Vorbildcharakter des gesunden Projekts.

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