Keinen Betonwürfel mehr am Hals

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ZOLLVEREIN SCHOOL. Neustart für die Hochschule an der Gelsenkirchener Straße: Die erdrückenden Betriebskosten ist man los, der "Größenwahn" von gestern hat ein Ende. Erleichterung - vorerst.

Ihre Seminar-Broschüre für diesen Herbst haben sie ohne Arg "Design Gate" genannt, und ehrlich - da kann man sich ein heimliches Schmunzeln nicht verkneifen. Denn fast wäre dieses "Gate"-Anhängsel à la "Water(kant)gate" ja wirklich berechtigt gewesen, fast wäre es in der Zollverein School zu so einer Art "Designgate" gekommen, zum politischen GAU mit Skandal-Potenzial.

Eine Hochschule, die - kaum eröffnet - vor der Pleite steht, ratlose Politiker und ein fahnenflüchtiger Gründungs-Präsident, verquere Konzepte, verleugnete Zuständigkeiten und ein schiefgegangenes Geschäfts-Modell hinter preisgekrönter Architektur, die plötzlich droht, zum Leuchtturm verfehlter Förderpolitik zu verkommen... Da galt es zu retten, was noch zu retten ist, und auf den letzten Drücker scheint dies auch gelungen.

Stefan Frigger jedenfalls, Geschäftsführer der gemeinnützigen Zollverein School of Management and Design GmbH, ist die Erleichterung anzumerken: Die ursprünglich bis zum Jahresende befristeten Fördergelder sind nach langem Hin und Her freigegeben und sichern den Bestand der School bis weit ins nächste Jahr. Und mindestens ebenso wichtig: Endgültig werden GmbH und Gebäude voneinander getrennt - die Zollverein School ist fortan nur noch e i n Mieter, dazu ein recht kleiner in dem markanten Sichtbeton-Würfel an der Gelsenkirchener Straße. Für Frigger der viel versprechende Anfang für den finanziellen Durchbruch: "Der Mühlstein um unseren Hals ist weg."

Von 5700 Quadratmetern sind maximal 300 nötig

Denn 5700 Quadratmeter Nutzfläche allein für die School bereitzustellen, das war für Frigger stets ein Fall von "Größenwahn", und ein teurer dazu: Einen mittleren sechsstelligen Betrag verschlang der Betrieb des Hauses bis dato pro Jahr. Dabei braucht es allenfalls 200, 300 Quadratmeter, nämlich drei Büros und dazu angelegentlich einen Seminarraum, um den School-Betrieb am Leben zu erhalten. Auch die anfängliche Beschränkung aufs Design war für Frigger stets ein Fehler: "Eine reine Design-School braucht man so nötig wie ein drittes Bein."

Mit dem mittlerweile ausgeschiedenen Präsidenten Andrej Kupetz setzte Frigger durch, dass man sich der Kreativwirtschaft insgesamt widmet. Diesem Fokus wird auch zugetraut, auf Dauer zukunftsfähig zu sein. Geduld braucht es dafür, "ich weiß nicht, ob es am Ende klappt", sagt Frigger, aber immerhin: Die verbliebenen Gesellschafter springen ein, um den Ausstieg des Initiativkreises Ende 2007 aufzufangen. Das nimmt den Druck, der Anfang ist gemacht.

Mit einer kleinen wendigen Mannschaft und minimierten Betriebskosten wird sich die Zollverein School künftig im Würfel tummeln, neben der IREBS Immobilienakademie und - bald - den Design-Studenten von Folkwang.

Zweckbindung als Hochschule für 25 Jahre

Weitere Partner sind gefragt, auch private, wenn dadurch die Gemeinnützigkeit nicht leidet und die Förderbedingungen nicht verletzt werden. Denn für 25 Jahre liegt eine Zweckbindung als Hochschule auf dem Haus mit seinen 134 eigenwilligen Fenstern. Aber vielleicht liegt darin die Chance des Zollverein-Würfels: Das Tor zur Weiterbildungsbranche zu öffnen, gern auch ein Tor zum Design. Wie sie schon selbst formuliert haben: "Design Gate".

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