Radverkehr

Radbrücke über Beitz-Boulevard kostet fast drei Millionen

Die Kreuzung Berthold-Beitz-Boulevard/Pferdebahn zählt für den ADFC zu den gefährlichsten in Essen. Der Bau einer Radbrücke ist längst beschlossene Sache, aber die Realisierung des Projektes verzögert sich erneut.

Foto: STEFAN AREND

Die Kreuzung Berthold-Beitz-Boulevard/Pferdebahn zählt für den ADFC zu den gefährlichsten in Essen. Der Bau einer Radbrücke ist längst beschlossene Sache, aber die Realisierung des Projektes verzögert sich erneut. Foto: STEFAN AREND

Essen.   Der Bau der Radbrücke über den Berthold-Beitz-Boulevard verzögert sich weiter. Die veranschlagten Kosten erhöhen sich auf drei Millionen Euro.

Der Bau der Radbrücke über den Berthold-Beitz-Boulevard verzögert sich weiter. Mit einer Fertigstellung ist nicht vor 2019 zu rechnen. Unklar sind derzeit Details zur Finanzierung. Die geplante Brücke kostet über 2,9 Millionen und ist damit deutlich teurer als ehemals geplant. Sie ist ein wichtiger Lückenschluss des Radschnellweges RS1 zwischen Krupp-Park und Uni-Viertel. Der Baustart wurde bereits mehrmals verschoben. Dabei sollte die Brücke eigentlich auch eines der Leuchtturm-Projekte für die grüne Hauptstadt sein.

Vor sieben Jahren wurde die Trasse Rheinische Bahn (auf der der neue RS1 verlaufen wird) eröffnet. Schon damals war klar, dass der Engpass am Berthold-Beitz-Boulevard, Höhe Pferdebahn, beseitigt werden muss. Doch bis heute werden dort Biker ausgebremst. Sie müssen erst vor der Ampel stoppen und dann die Hauptverkehrsader queren. Für den Fahrrad-Club ADFC zählt diese Kreuzung zu den gefährlichsten in Essen, weil dort Autofahrer auf den lang gezogenen Rechtsabbiegerspuren Radfahrer übersehen können.

Der Regionalverband RVR hatte im Oktober 2015 endlich verkündet, dass die Finanzierung steht. Der damalige NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin übergab dem RVR einen Förderbescheid von über 1,6 Millionen Euro. Der Eigenanteil des RVR liegt etwa bei einer halben Million Euro. Daran rüttelt der RVR auch weiter nicht. Diese Gelder hat er zugesagt. Nur wird das Projekt jetzt teurer – und an den Mehrkosten will sich der RVR nicht beteiligen.

Auslöser dafür sind die Anforderungen an einen Radschnellweg. Da der über die neue Brücke führt, sollte die auch die strengeren Vorgaben erfüllen und Radfahrer und Fußgänger klar voneinander trennen. Doch die damalige Förderzusage beruhte auf einer nur vier Meter breiten Rad-Brücke, die an den normalen Radweg Rheinische Bahn und nicht an den schnellen RS1 angepasst war.

Neue Pläne für eine breitere Radbrücke in Essen

Deshalb beschloss die Verbandsversammlung des RVR im November vergangenen Jahres, die Pläne zu überarbeiten. Die sind nun fertig – für eine 72 Meter lange und 6,30 Meter breite Stahlbrücke, auf der eine vier Meter breite Spur für die Radfahrer und eine zwei Meter breite für die Fußgänger vorgesehen ist. So weit so gut.

Der RVR-Verbandsausschuss hatte aber zur Voraussetzung gemacht, dass die Mehrkosten durch den Zuschussgeber beziehungsweise vom Land getragen werden müssen. Der Eigenanteil des RVR soll nicht erhöht werden. „An diesen Beschluss ist der RVR gebunden“, betont die stellvertretende Sprecherin Barbara Klask. Zu den Einzelheiten über die Refinanzierung suche man das Gespräch mit dem Landesbetrieb Straßen NRW. Zwar ist der RVR (noch) für das Brückenprojekt zuständig, aber mit der erst 2016 erfolgten Änderung des Straßen- und Wegegesetzes von NRW liegt die Planung und Realisierung von Radschnellwegen nunmehr bei Straßen NRW.

Damit müssen letztlich nicht nur finanzielle Fragen, sondern auch Zuständigkeiten geklärt werden. Der RVR spricht von einem Abstimmungsprozess. Einen konkretem Termin für den Baustart kann er deshalb noch nicht nennen.

Fahrradverbände fordern raschen Baustart

Rolf Fliß von der Essener Fahrrad-Initiative Efi hält das alles für eine „Never ending Story“. Er fordert, dass es endlich losgeht.

Ebenso kritisiert ADFC-Sprecher Jörg Brinkmann die Verzögerung: „Das ist ein Unding. Wir warten seit 2010 auf diese Brücke. Wir wollen verhindern, dass es dort zu einem Unfall kommt.“ Deshalb wird der ADFC in Kürze provisorisch ein knallrotes Warn-Fahrrad am Standort der geplanten Brücke aufstellen. Um den Autofahrern klar zu zeigen: „Achtung, Radfahrer!“

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