Ruhr.2010 GmbH

Scheytt verteidigt Umgang mit Rest-Million aus Ruhr.2010

„Ruhr 2010“-Chef Oliver Scheytt. Foto: Remo Bodo Tietz

„Ruhr 2010“-Chef Oliver Scheytt. Foto: Remo Bodo Tietz

Foto: Remo Bodo Tietz; NRZ

Essen.   „Ruhr 2010“-Chef Oliver Scheytt hat den Plan verteidigt, die vom Kulturhauptstadt-Etat übrig gebliebene eine Million Euro - anders als zunächst geplant- nicht der Stadt Essen allein, sondern der Revierszene zur Verfügung zu stellen. Ausschließlich Essen profitieren zu lassen, „das kann ja eigentlich nicht richtig sein“, auch wenn der entsprechende Passus im Gesellschaftsvertrag das so bestimme.

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Dass die chronisch klamme Kultur-Szene mal nicht über zu wenig, sondern über zu viel Geld verfügt – für Oliver Scheytt, im Kulturhauptstadt-Jahr Chef der Organisations-GmbH „Ruhr 2010“ und heute deren „Liquidator“, ist das ein Grund, richtig gute Laune zu haben, statt schlechte zu verbreiten. Im NRZ-Gespräch verteidigte der ehemalige Essener Kulturdezernent jetzt jedenfalls den Plan, die vom Kulturhauptstadt-Etat übrig gebliebene Million Euro - anders als zunächst geplant- nicht der Stadt Essen allein, sondern der Revierszene zur Verfügung zu stellen.

„Es ist ja nicht so, dass ich der Stadt das nicht gönne“, betont Scheytt, aber wie sollte man eine direkte Umleitung des hübschen Sümmchens in die Essener Stadtkasse „den Herner Stadträten, dem Oberbürgermeister in Dortmund oder den Kulturleuten in Oberhausen erklären, die den Etat ja mitgefüttert haben?“ Ausschließlich Essen profitieren zu lassen, „das kann ja eigentlich nicht richtig sein“, auch wenn der entsprechende Passus im Gesellschaftsvertrag das so bestimme: Ein solches Vorgehen folge zwar den Buchstaben des Vertrages, nicht aber dem Geist der damaligen Abmachung, denn kalkuliert habe man das Kulturhauptstadt-Jahr ja mit einem minimalen Plus.

Üppige Rückstellungen

Dass am Ende rund eine Million Euro übrig blieb, erklärt Scheytt mit üppigen Rückstellungen für riskante Projekte wie etwa dem „Stillleben“-Tag auf der A40, aber auch damit, dass das Personal der Gesellschaft „rasantest abgebaut“ werden konnte. Sämtliche eher konservativ kalkulierte Risiken lösten sich in Wohlgefallen auf, nicht zuletzt dank eines „sehr sehr harten Controllings“, wie Scheytt betont. Und am Ende waren sie alle überrascht, er selbst vielleicht noch am wenigsten, dass sich das „gute Haushalten so auszahlt“. Dieses Geld allein der Stadt Essen zur Verfügung zu stellen, obwohl sie nur rund ein Zehntel des Programm-Etats beisteuerte, und nur 17 Prozent der „Ruhr 2010“-Anteile hält, das wäre schon deshalb ungerecht, „weil die Stadt vom Kulturhauptstadt-Jahr ohnehin am meisten profitiert hat“, glaubt Scheytt. Und ist überzeugt davon, für die jetzt geplante Übertragung des Geldes in die Kulturhauptstadt-Stiftung Verbündete auch im Essener Rat zu finden, zumal die Segnungen „dieses wunderbaren Luxusproblem“ eines nicht ausgeschöpften Etats keineswegs an Essen vorbeigehen werden: „Wir achten schon darauf, dass die Stadt mindestens in der Höhe ihrer Anteile berücksichtigt wird.“

Freie Kulturszene

Auch und vor allem werde die freie Kulturszene von dem Geld profitieren, sofern sie eine Verbindungslinie zum Kulturhauptstadt-Gedanken knüpft: „Wir haben“, so Scheytt, „die im Blick, die es sonst eher schwer haben“.

Scheytt wickelt ab

An der „Ruhr 2010 GmbH“ halten der Regionalverband Ruhr 33 Prozent, das Land Nordrhein-Westfalen sowie die Initiativkreis Ruhr GmbH jeweils 25 Prozent und die Stadt Essen 17 Prozent der Anteile. Die Gesellschaft, die das Kulturhauptstadt-Jahr 2010 organisierte und abwickelte, wurde vorzeitig zum Ende des vergangenen Jahres aufgelöst.Der einstige Mitgeschäftsführer und frühere Essener Kulturdezernent Oliver Scheytt ist als so genannter „Liquidator“ mit der Abwicklung beauftragt.

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