School's out

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ZOLLVEREIN. Auch 6,8 Millionen Euro als Anschubförderung haben nicht geholfen: Die Zollverein School soll abgewickelt werden.

Vor einem Jahr drehte hier Wim Wenders für seinen Film "Palermo Shooting": Strubbel-Rocker Campino stand damals vor der Kamera und Weltstar Milla Jovovich auch. Man bewunderte den weißgrauen Betonwürfel mit seinen 134 Fenstern, schoss Fotos fürs Erinnerungsalbum und zog von dannen.

In diesen Tagen gibt es an der Gelsenkirchener Straße wieder eine Leiche zu bestaunen, aber diesmal steht kein Filmteam daneben, denn das Opfer ist wenig fotogen: Darnieder liegt die "Zollverein School of Management and Design" selbst - nicht der Bau wohlgemerkt, sondern die Weiterbildungseinrichtung als gemeinnützige GmbH, an die man einst so große Erwartungen knüpfte - einer von vier Bausteinen fürs "neue" Zollverein.

Uni Duisburg-Essen führt Studiengang fort

Doch auch 6,8 Millionen Euro "Anschubförderung" aus allerlei öffentlichen Töpfen reichten nicht aus, um binnen fünf Jahren die Selbstständigkeit der privaten Hochschule zu sichern: Ende des Monats, so haben es die Gesellschafter beschlossen, soll die Schule abgewickelt werden: "School's out", wie einst Alice Cooper von der Bühne rief, und den Zusatz "für immer" verkneift man sich nur insofern, als die Uni Duisburg-Essen "bei entsprechender Nachfrage" weiterhin Studiengänge anbietet. Sie ist es auch, die den laufenden Studiengang fortführt.

Wie es zu dieser Pleite kommen konnte? "Größenwahn", so hatte der kaufmänische Geschäftsführer Stefan Frigger, der die Kastanien aus dem Feuer holen sollte, vor längerem formuliert: 5700 Quadratmeter mit den entsprechenden Folgekosten waren ein Betonklotz am Hals der Zollverein School, die diesen erst vor einem Jahr los wurde. Zu spät.

Ein Business-Plan als geduldiges Papier

Aber allzu ehrgeizig erschien auch das Geschäftsmodell der Zollverein School, die erst recht spät begriff, dass sie den Design-Begriff weiter fassen musste, um erfolgreich zu sein. Dabei hatte die Deutsche Gesellschaft für Mittelstandsberatung mbH im August 2003 in einem 74 Seiten starken Business-Plan Beruhigendes vermeldet: "Das wirtschaftliche Konzept ist anspruchsvoll aber konservativ kalkuliert", hieß es da. Und in allen Risiko-Szenarien erwarte man "Einnahmeüberschüsse". Pustekuchen.

Was bleibt, ist ein vielfach gelobtes und ausgezeichnetes Gebäude, bei dem mittlerweile schon die ersten Mängel an der Bausubstanz auftreten. Immerhin: Die fallen noch in die Gewährleistungsfrist.

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