Kalkar

Ein Wunderland in Kalkar steht zum Verkauf

Zum Wunderland gehören Hotel, Messe, Freizeitzeitpark

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Zum Wunderland gehören Hotel, Messe, Freizeitzeitpark

Kalkar.   Henni van der Most (68) sucht einen Nachfolger für den Freizeitpark-Hotel-Messe-Komplex in Kalkar. Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.

Mancher wünscht sich, ein Paradies zu besitzen. Ein Wunderland zumindest kann man kaufen: das Wunderland Kalkar. Seit einigen Wochen steht es im Angebot. „Aber es eilt nicht, das kann sich auch noch zehn Jahre hinziehen“, ist Geschäftsführer Han Groot Obbink völlig gelassen. Er werde auf jeden Fall bleiben, denn dies Wunderland, dieses Kalkar „ist mein Leben“. Und er weiß auch, dass der heutige Besitzer ein fürsorglicher Investor ist. Der wolle alle Arbeitsplätze erhalten wissen, wenn er denn mal verkaufe. „Die 375 Mitarbeiter sind für ihn wichtig“ (davon 120 feste plus Saisonkräfte), so Groot Obbink. „Wir suchen keinen Cowboy“, sondern einen ernsthaften Interessenten. „Es hängen viele Familien davon ab und in der Umgebung die Zulieferer“.

„Wir suchen keinen Cowboy“

Die Vielseitigkeit des Standortes, des Freizeitparks/Hotels/Messekomplexes/Eventgeländes ist es, die den Verkauf so speziell mache und etwas kompliziert. „Das ist einmalig, das Konzept bietet noch so viele Möglichkeiten“, schwärmt der Geschäftsführer. „Damit sind wir weltweit bekannt geworden“, sagt Öffentlichkeitsreferentin Carolin Semelka.

Von den 55 Hektar Gelände insgesamt werden bisher nur ein Drittel genutzt, in einer Größenordnung von 80 Fußballfeldern. Die 40 Spaß- und Karussell-Geräte im Familienpark stehen auf 4,5 Hektar.

Sicher auch dank Han Groot Obbink hat die Entwicklung gerade im Messebereich rasant zugelegt. Der Freizeitpark kann nun – dank Flächennutzungsplanänderung (wie berichtet) – erweitert werden. Eines befruchtet das andere. Im Hotel laufen Renovierungen Schritt um Schritt. Im mittleren Gebäudeteil werden die sanierten Zimmer bald den höheren Ansprüchen von Tagungsgästen Rechnung tragen und etwas hochpreisiger sein als Familienzimmer oder Gruppenzimmer.

Warum also verkaufen? Der Eigentümer, der niederländische Unternehmer Hennie van der Most, hatte 1995 die vier Jahre zuvor aufgegebene Anlage des Atomkraftwerks „Schneller Brüter“, die nie ans Netz ging, erworben.

Modellbau und Piercings

„Er ist jetzt 68 Jahre alt, zwar immer noch voll Energie, aber er fragt sich: Was will ich noch, was muss ich noch, was sollte man absichern?“, so beschreibt es Groot Obbink. 1200 Mitarbeiter in 16 Betrieben beschäftigt van der Most. Dessen drei Töchter hätten kein Interesse daran, Gastronomie zu übernehmen (Bauernsohn van der Most ist auch im Bereich Handel, Stahlbau, Innenausbau aktiv). Unternehmen wie das Wunderland Kalkar kosten aber Investition, für Reparaturen, Renovierungen, allein der 435 Hotelzimmer mit ihren 1000 Betten. An die Mitarbeiter fließen jährlich 4,9 Millionen Euro an Gehältern.

Besonders das Messezentrum auf dem Areal in Appeldorn expandiert. 16 Fach- und Verbrauchermessen sind schon für 2019 terminiert: von Traumhochzeit über Gastro-Tek, Logistik, Haustier und Koi-Fische, Frauensache, Modellbau, Reitsport, Tattoo und Piercings – „ein boomendes Business“, weiß Groot Obbink – Baumesse, Green Live und mehr. Auch die Austragung der Weltmeisterschaft im Country- und Line-Dancing kommt nächstes Jahr hierhin zurück.

Der Freizeitpark wartet darauf, dass die neun Meter lange vierspurige Rutsche aufgebaut wird, die seit einem Jahr bereit liegt. In diesem heißen Sommer wird deutlich, dass außer der Wildwasserbahn wenig kühlender Spielspaß im Freizeitpark bereit steht. Wenigstens mit ein paar Schläuchen und schnell gekauften kleinen Wasserspielen wurde das auf kurzem Wege behoben – sowas soll aber bis zum nächsten Jahr fest installiert sein.

Tagungs- und Hotelgäste sowie Miniurlauber, Clubreisende auf der Kneipenstraße sind weitere Standbeine.

Geld kommt von außerhalb und bleibt in der Region

„Das Geld kommt von außerhalb und bleibt alles in der Region“, stellt „Motor“ Han Groot Obbink heraus. „Wir tun viel für die Umgebung“. Und für Kalkar. Denn auch Mitarbeiter des Wunderlandes sind es, die Stadtfeste wie Sommer-in-der-Stadt, Kalkar genießen und Ähnliches auf- und abbauen. Daran erinnert Groot Obbink, der im Hotel- und Gaststättenverband, dem Vorstand des Werberings „Kalkar aktiv“, als Lehrbeauftragter der Hochschule Rhein-Waal für das Fach Hotelmanagement und Vertreter der Kalkarer Gastronomie unterwegs ist.

„Allein geht aber nix. Es ist immer das ganze Team“, sagt er. „Wir sind eine Familie“, wobei seine Frau und Kinder tatsächlich auch im Wunderland arbeiten. In diesen heißen Tagen lässt „der Han“ den Mitarbeitern an den Fahrgeschäften im Freizeitpark regelmäßig Wassereis, Wasserflaschen und Sonnencreme vorbei bringen.

Kunden sind zu 60 Prozent Deutsche, zu 40 Prozent Niederländer. Muslimischen Besuchern steht ein Gebetraum zur Verfügung.

Zur Sicherheit: Parken kostet fünf Euro

Das Parken war bisher am Wunderland Kalkar frei. Ab nächster Woche werden fünf Euro Parkgebühr erhoben. Denn im vorigen Jahr wurden vom Gelände sieben Fahrzeuge gestohlen, trotz Kameraüberwachung und Sicherheitsdienst. Künftig werden Fahrzeuge registriert, können erst mit dem Parkticket durch die Schranke ausfahren. Kamera-Daten würden schnell gelöscht, falls sie nicht zu Ermittlungen nötig werden.

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