Naturschutz

Kranenburg: Wurde zu früh mit dem Großen Haag begonnen?

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Ein Kiebitz am Niederrhein.

Ein Kiebitz am Niederrhein.

Foto: Birgit Beckers / NZ Kreis Kleve

Kranenburg.  Nabu-Mann Volkhard Wille kritisiert, dass mit dem Kranenburger Einkaufszentrum begonnen wurde, obwohl die Kiebitzmaßnahmen nicht wirken würden.

Die Ausweitung der Einkaufsarena in Kranenburg ist nach wie vor umstritten. Im Umweltausschuss des Kreises wollte Volkhard Wille, sachkundiger Bürger der Grünen, wissen, warum der Kreis dieser Ausweitung am Großen Haag zugestimmt habe, obwohl es doch erhebliche Zweifel an der Eignung der Fläche und der getroffenen Ausgleichsmaßnahmen gab. „Der Kreis wusste, dass die getroffenen Maßnahmen zum Schutz des Kiebitz nicht ausreichen und hat sehenden Auges doch seine Zustimmung erteilt“, so Wille. Das sei nicht in Ordnung.

Neuer Lebensraum für den Kiebitz musste geschaffen werden

Wie berichtet, kann die Erweiterung des Einkaufszentrums in Kranenburg erst dann vorgenommen werden, wenn eine Ausgleichsfläche für den in der Nähe brütenden Kiebitz gefunden wurde und auch die Wirksamkeit der Ausgleichsmaßnahme festgestellt worden sei. Für Volkhard Wille waren „die im Winter 2019/2020 durchgeführten CEF-Maßnahmen nachgewiesenermaßen unwirksam.“ Warum konnte Kranenburg mit der Erweiterung dennoch beginnen?

Der zuständige Fachbereichsleiter Thomas Bäumen sagte, dass die Maßnahmen ausreichend seien. Die angelegten Blänken seien ordnungsgemäß durchgeführt und auch dokumentiert worden. Durch die Trockenheit im vergangenen Sommer habe es nicht den gewünschten Wasserstand gegeben, dies sehe aber jetzt schon ganz anders aus. Bäumen beklagte, dass man Fotos mit einer Drohne in diesem Schutzgebiet gemacht habe.

Sechs Kiebitzpaare wurden in der Nähe zum Großen Haag festgehalten

In einer schriftlichen Ausarbeitung für den Umweltausschuss stellt Bäumen fest, dass 80 Prozent der Kiebitze in NRW mittlerweile auf Ackerflächen brüten. Dabei sei das Brutgeschehen stark von der Fruchtfolge abhängig, so dass die jährlichen Kartierungen immer wieder unterschiedliche Bereiche mit Kiebitzbruten ausweisen.

In der unmittelbaren Nähe zum angedachten Erweiterung des Kranenburger Einkaufszentrums seien in den Jahren 2015, 2016 und 2019 bis zu sechs Kiebitznester kartiert worden. Die Vorschriften für den Artenschutz sehen vor, dass eine Ausgleichsmaßnahme wirksam sein muss und für den Vogel von gleicher oder besserer Qualität sein muss. In Niel habe man eine geeignete Fläche gefunden und dort eine Senke angelegt, um ein feuchtes bis nasses Lebensumfeld zu schaffen. Die Fläche erstrecke sich über vier Hektar (3,5 Hektar Extensivgrünland und 0,4 Hektar Senke) und übersteige sogar die fachlichen Orientierungswerte für die sechs nachgewiesenen Brutpaare.

Kranenburg ist für das Funktionieren des Lebensraums verantwortlich

Der Maßnahme könne man „eine hohe Grundeignung“ zuschreiben, so Bäumen. Zudem liege die Fläche innerhalb der lokalen Kiebitzpopulation. Für die dauerhafte Funktionalität des neuen Lebensraums sei die Gemeinde Kranenburg verantwortlich.

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