Er hat sich durch alle Sujets probiert. Landschaftsmalerei, Portraits, Akt. „Ein Jahr lang habe ich nur Akt gemalt, weil ich es können wollte“, erzählt Markus Gern. Als Künstler ist er Autodidakt, hat sich alles selbst beigebracht. Ins Auge fallen die bunten buddhistischen Gemälde, in Öl, „vielleicht eher Kunsthandwerk als persönliche individuelle Malerei“, findet er. Berühmt ist er aber für seine Steintürmchen im Klever Tiergartenwald, die er hegt und pflegt, weiterbaut, vervollständigt, dreimal am Tag, morgens, mittags und abends. Das Fernsehen war auch schon da. „Aber da habe ich bestimmt nur Blödsinn erzählt, deshalb habe ich mir das auch nie angeschaut“, sagt Gern.

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Steintürmchen, Steinmännchen. Wie auch immer. Sie sind inzwischen eine Art Pilgerstätte. Beim Abend in der Reihe „Genuss und Kultur“ im Aussichtsturm, kreiert von Bruno Schmitz und Reinhard Berens, spricht Markus Gern über die Entstehung dieses so besonderen Orts. Für ihn, das wird schnell klar, sind die Steinmännchen nur eine Facette in seinem Werk, das um Anschauung, innere Ruhe und Ausdruck kreist.

Markus Gern, der Erschaffer der Steinmännchen im Klever Tiergartenwald, zwischen Fotografie und buddhistischer Malerei bei seinem Besuch im Aussichtsturm.
Markus Gern, der Erschaffer der Steinmännchen im Klever Tiergartenwald, zwischen Fotografie und buddhistischer Malerei bei seinem Besuch im Aussichtsturm.© Unbekannt | Andreas Daams

Sein älterer Bruder war bei einem berühmten Buddhisten im Kloster. Und für ihn selbst ist der Steinmännchenpark eine tägliche Übung in Beständigkeit. Am Nachmittag erst hat er Blätter gefegt. Tägliches Harken, sich überwinden bei Wind und Wetter, Kälte und Hitze, das ist Teil des Kunstwerks.„Markus Gerns Steinmännchen haben mehr Besucher als das Museum“, ist sich Bruno Schmitz sicher.

Markus Gern ist in Donsbrüggen aufgewachsen

Als Gern vor acht Jahren damit anfing, war das alles nicht geplant. Markus Gern kennt den Tiergartenwald, er ist in Donsbrüggen aufgewachsen. Er stellte Steinchen auf zwei Wurzeln, die von Buchen übriggeblieben waren. Hier hatte er als Kind gespielt. Jetzt stand er hier mit seinem Hund Floh beim Spaziergang und begann mit seiner „aktiven körperlichen Kontemplation im öffentlichen Raum“, wie er das nennt. Er fand Steinchen im Umkreis von drei, vier Kilometern und brachte sie zu dem Platz. „Zu meiner Überraschung erfreuten die Steinmännchen Jung und Alt“, erzählt er. Kunst als Begegnungsgenerator: „Ich habe unglaublich viele nette Menschen kennengelernt“, sagt Gern. Inzwischen kommen ganze Schulklassen, „so dass ich fast einen kulturellen Auftrag erfülle.“

Einmal kam der Förster vorbeigefahren in seinem Jeep. Gern: „Da dachte ich, es gibt einen Anschiss.“ Stattdessen sagte Förster Joachim Böhmer: „Super, bitte weitermachen!“ Und nicht nur das: Der Forst schnitt sogar die umstehenden Bäume, damit Besucher nicht verletzt werden. „Die Steine haben einen ähnlichen Stellenwert wie die Sieben Quellen“, so die Begründung des Försters.

Eine Ecke für Kinder zum Selbermachen

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Und so ist es ja auch. Selbst wenn Markus Gern schon mal schlaflose Nächte verbringt. Was wäre im Fall von grobem Vandalismus? Den hat es bislang nicht gegeben. Dafür nisten Blaumeisen zwischen den Steinen, und Mäuse haben sich dort niedergelassen. Die größten Kunstverächter sind bisher tollende Hunde und Rotkehlchen auf der Jagd nach Insekten.

„Für mich steht die Tätigkeit im Fokus, nicht das Werk“, sagt Markus Gern. Eine Kinderecke lädt zum Selbermachen ein. Im Handyzeitalter einen Stein in die Hand zu nehmen, das liebten die Kinder, hat Gern beobachtet. Inzwischen sind Steine Mangelware im näheren Umkreis. Wobei Gern nicht nur zu Natursteinen greift, sondern auch zu Steinen, die von alten Wegbefestigungen stammen. Die Briten hatten nach dem Krieg Munitionsdepots im Wald, und die Steine für die Befestigung des Weges nahmen sie offenbar aus zerbombten Häusern.

Die Besucher im Aussichtsturm sind allesamt Fans und Bewunderer. Nicht wenige erleben die Steinmännchen als spirituelle Bereicherung. „Es ist ein Platz der Heilung“, so sieht Markus Gern das selbst. Auch wenn ihm esoterische Gedanken fremd sind: „Vorher war dort keine Energie, aber vielleicht gibt es dort ja jetzt welche.“