Das Wohnzimmer ist perfekt aufgeräumt, Accessoires sind akkurat angeordnet und die Oberflächen glänzen so hell wie frisch geputzt. Mal ehrlich: Mit dem Alltag haben solche Fotos aus Wohn- und Immobilienanzeigen wenig zu tun. Doch sie muten so besonders schön und einladend an. Ein möglicher Grund? Home Staging – also das Inszenieren des Heims, eine verkaufsfördernde Maßnahme, die ihren Ursprung in den USA hat. „Bei mir zuhause sieht es auch anders aus, als wenn ich die Immobilie verkaufen würde“, sagt die Sonsbecker Maklerin Sabrina Sluka. „Ein Auto wird vor dem Verkauf auch gewaschen und poliert.“ Warum nicht also das Haus schön aufbereiten, findet sie.

Home Stagerin aus Sonsbeck: „Viele haben nicht das räumliche Vorstellungsvermögen“

Vor sechs Jahre hat sie sich zur professionellen Home Stagerin ausbilden lassen, um das als Alleinstellungsmerkmal nutzen zu können. Licht einsetzen, im leerstehenden Einfamilienhaus schöne Möbel aufstellen und aufeinander abgestimmte Farbkonzepte nutzen: „Es geht darum, die Immobilie perfekt zu präsentieren.“ Möblierte Wohnräume würden derweil entpersonalisiert – beispielsweise ohne Fotos oder besondere Einrichtungsmerkmale – dargestellt, damit Interessierte einen möglichst neutralen Eindruck bekommen. Passen Kleiderschrank und Bett in einen Raum? „Viele haben nicht das räumliche Vorstellungsvermögen“, weiß Sluka. Es werde nichts verschleiert.

Sabrina Sluka ist Maklerin und Home Stagerin aus Sonsbeck.
Sabrina Sluka ist Maklerin und Home Stagerin aus Sonsbeck. © Wohngefühl Sonsbeck

Immobilien sind oft heiß begehrt, braucht es da überhaupt diesen zusätzlichen Anreiz? Auch in den Spitzenzeiten habe sie mit Home Staging gearbeitet, sagt die Maklerin, die Immobilie könne sich damit abheben. Wie schnell sich der Verkauf realisieren lasse? Sluka nennt weitere Faktoren, die eine Rolle spielen – Preis, Lage, ganz genau lasse sich das nicht beziffern, aber in ein bis sechs Monaten sollte ein Haus mit Staging schon verkauft werden, meint sie. Die Kosten fürs Aufhübschen? Für ein Haus mit 100 Quadratmetern nennt sie eine ungefähre Summe zwischen 6000 und 7000 Euro, der Preis sei aber individuell von den Gegebenheiten abhängig.

Cordula Freitag, Geschäftsführerin von Haus und Grund in Dinslaken, und neben der Interessenvertretung für Eigentümer auch in der Maklerberatung tätig, sieht beim Home Staging Vor- sowie Nachteile: „Ziel ist es, die Vermarktungsdauer zu verkürzen“, erläutert sie. Abgezielt werde auf Emotionen, nicht auf Fakten, gibt sie zu bedenken. Sie hält es aber für eine empfehlenswerte Maßnahme, wenn jemand über das Geld verfüge. Der Verkäufer müsse abwägen: Bringt es einen geldwerten Vorteil? Denn schließlich müsse das Investment vom erzielten Kaufpreis abgezogen werden. Wichtig sei aber auch die Frage nach dem Adressatenkreis. „Mit Home Staging lässt sich das Gefühl für das Zuhause wecken.“ Möchte ich Kapitalanleger ansprechen? Dann lohnt sich das Mittel wohl eher nicht, so Freitag. Zudem gebe es Objekte in so beliebter Lage – in Dinslaken nennt sie zum Beispiel den Stadtteil Eppinghoven – „dann braucht man das wahrscheinlich nicht. Egal wie es aussieht, da geht es um die Gegend“.

Keine Mängel kaschieren – Käufer können dagegen vorgehen

Problematisch sei Home Staging, wenn es genutzt werde, um Schäden und Mängel zu kaschieren, betont Beate Ullrich von der Verbraucherzentrale in Wesel. Den Renovierungsstau oder ein undichtes Dach, nennt Cordula Freitag von Haus und Grund da als Beispiele. „Wir als Makler dürfen so etwas nicht verschleiern, wenn wir es wissen.“ Komme so etwas raus, könne es zur Rückabwicklung des Verkaufs kommen.

Mit welchen kleinen Kniffen lassen sich Räumlichkeiten schön fürs Foto herrichten? Die Zimmer sollten nicht chaotisch, sondern aufgeräumt sein, „es soll schon ein heimisches Gefühl vermitteln“. Ein paar Blumen oder Zeitungen würden helfen, auch Lichtverhältnisse spielten eine Rolle. Ein Haus bei Regen vermittele einen ganz anderen Eindruck, so Freitag. „Manchmal fahre ich dann noch mal raus und mache Fotos bei Sonnenschein.“

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