Stadtgeschichte

Von echten und gefühlten Grenzen innerhalb von Oberhausen

Im Stadtarchiv gibt es eine Wandkarte, die das Stadtgebiet Oberhausens in der Grenze von 1921 zeigt.

Foto: Kerstin Bögeholz

Im Stadtarchiv gibt es eine Wandkarte, die das Stadtgebiet Oberhausens in der Grenze von 1921 zeigt. Foto: Kerstin Bögeholz

oberhausen.   Alstaden oder Lirich? Uhland- oder Marienviertel? Allein die Stadtbezirksumrisse sind verbindlich festgelegt – der Rest ist oft eher gefühlt.

Mit Grenzen ist das so eine Sache: Vom „grenzenlosen“ Europa ist mittlerweile nicht mehr so euphorisch die Rede wie noch vor einigen Jahren, die einst so genannte „innerdeutsche“ Grenze ist längst gefallen und scheint sich im übertragenen Sinne wieder aufzubauen – zuletzt durch die Wahl zum Bundestag. Sehr viel subjektiver noch ist das Empfinden, was Grenzen innerhalb der Stadt angeht.

Aber selbst in unserer kleinen Heimatstadt gibt’s bisweilen Ärger um Grenzziehungen, auch nach dieser Wahl wieder. Das liegt am Empfinden: Wo gehöre ich denn nun hin? Hier ist Buschhausen, das da Sterkrade? Wohne ich in Styrum oder Stadtmitte? Ist das das Uhland- oder das Marienviertel? Viele Fragen, und nur hier und da gibt’s klare Antworten.

Drei Stadtbezirke

Das Stadgebiet – das ist eindeutig und gesetzlich so gefordert – ist unterteilt in drei Stadtbezirke: Oberhausen, Sterkrade, Osterfeld. Seit 1975 ist das so festgelegt, und prompt gab es 1975 bei Festlegungen der Bezirksgrenzen einen Patzer, der zunächst nicht so recht aufgefallen war, aber erst kürzlich revidiert worden ist. Die Bezirksgrenzen sollten sich nämlich an den Grenzen der bis 1929 selbstständigen Städte gleichen Namens orientieren, aber ein Planungsfehler (oder eine nicht mehr zu identifizierende politische Absicht) begradigten den Grenzverlauf zwischen Osterfeld und Alt-Oberhausen: Der Rhein-Herne-Kanal ist seither eine klare Linie.

Mit einem Nachteil: Die Emscherhalbinsel mit dem Stadion Niederrhein und dem an die GHH angrenzenden Stück Grafenbusch gehörten schon vor der kommunalen Neuordnung der 1920er Jahre zu Oberhausen und wurden so urplötzlich nach Osterfeld versetzt. Kein Scherz übrigens: Besagtes Stück Grafenbusch wäre logisch Sterkrade, aber GHH-„General“ Reusch jagte dort so gern und verwies das schöne Stück Emscherauenwald ziemlich freihändig nach Alt-Oberhausen. Die Großindustrie ließ auch für solche Sachen ihre Muskeln spielen . . .

Wer will schon Nord-Alstadener sein?

Mit der zum 1. Juli 2015 verabschiedeten Hauptsatzung regelte der Rat der Stadt auch die Bezirksgrenzen neu und machte damit den Fehler gut: Das Stadion gehört zu Alt-Oberhausen. Damit verbunden war übrigens auch eine Änderung im Wahlbezirk: Dieses ziemlich menschenleere Stück Oberhausen (bei der letzten Kommunalwahl lebten dort 16 Wahlberechtigte) gehörte zuletzt zum Kommunalwahlbezirk Osterfeld-Heide, jetzt zu Stadtmitte-Nord.

Kein Mensch behauptet, in der Stadtmitte-Nord zu leben, in der Stadtmitte-Süd übrigens auch nicht. Diese Bezeichnungen für Gemeindewahlbezirke haben sich durchgesetzt, weil es gewachsene Stadt- und Ortsteile gibt wie Tackenberg oder Klosterhardt oder Schmachtendorf. Die tragen ihre Namen in fest umrissenen Grenzen, aber problematisch wurde (und ist) es in Alstaden: Die Aufteilung in Alstaden-West und Alstaden-Ost lässt sich der Alstadener gefallen, aber mit Alstaden-Nord kann er rein gar nichts anfangen – seit den 16,5 Prozent für die AfD erst recht nicht.

Ein Stück abgezwackt

Historisch gesehen ist dieser Bereich – grob eingegrenzt von Bebel- / Roon- / Alstadener / Grenz- / Bogen- / Styrumer Straße tatsächlich nicht wirklich Alstaden: Aber bei der Entwicklung Oberhausens vom Industriedorf zur Industriestadt war vom Alstadener Heidegebiet der Jahrhunderte bis 1900 ein Stück abgezwackt und nach und nach besiedelt und bewohnt worden. Und weil Kommunalwahlbezirke von Amts und Gesetz wegen ähnliche Kopfzahlen aufweisen müssen, wurde eben „Alstaden-Nord“ erfunden.

Ob die dort lebenden Mitmenschen sich als Alstadener fühlen oder bezeichnen, ist jedem für sich überlassen. Eins ist allerdings sicher: Alle sind sie Oberhausener. Und das ist gut so.

>>>>>> Sehr detaillierte Wandkarte im Stadtarchiv

Im Stadtarchiv an der Eschenstraße in Lirich (Lirich hat übrigens ein ähnliches „Problem“ wie Alstaden) gibt es eine Wandkarte, die das Stadtgebiet Oberhausens in der Grenze von 1921 zeigt. Archivleiter Magnus Dellwig: „Die Karte ist bei unseren Führungen dicht umlagert.“ Ihr Maßstab von 1:5000 ist überaus detailliert und verzeichnet jedes damals stehende Haus samt Anbauten.

Mit Pfarr- und Gemeindegrenzen haben die innerstädtischen Bezirksgrenzen nichts zu tun: Sie gehen zurück auf Gemarkungsgrenzen aus preußischen und vorpreußischen Zeiten.

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