„Ja, Galia, super. Jetzt einen großen Bogen machen.“ Petra Platzek fiebert mit allen Frauen mit, die auf dem Gelände an der Flüchtlingsunterkunft am Melkweg versuchen, sich auf einem Vehikel fortzubewegen, auf dem die meisten von ihnen noch nie gesessen haben: Sie fahren Fahrrad. „Nach vorne gucken. Links herum fahren, nicht rechts rum“, ruft Birgit Kraemer eine Radlerin zurück, die falsch abgebogen ist und beim Wenden nur mit Mühe das Gleichgewicht halten kann. Aber sie schafft es, wie auch die anderen zehn Flüchtlingsfrauen, die bei dem Projekt der Genossenschaft „Tuwas“ mitmachen und seit Montag Radfahren lernen.

Jeden Vormittag, nach einem kleinen Aerobic-Aufwärm-Programm um 9.30 Uhr, schwingen sie sich auf der Wiese hinter der Unterkunft in den Sattel. Mittags wird gemeinsam gegessen, nachmittags noch eine Stunde geübt. Die Kinder werden derweil betreut. Kraemer leitet das Projekt. Bei Platzek, die ehrenamtlich bei der Flüchtlingshilfe mitarbeitet und Asylsuchenden zwei Mal in der Woche Deutsch beibringt, hatten die Frauen vorher theoretischen Unterricht. Hier lernten sie die Verkehrszeichen und die deutschen Begriffe für die Einzelteile am Drahtesel. Und dass eine Klingel dafür da ist, auf sich aufmerksam zu machen, wenn man Rad fährt und ein Hindernis im Weg ist.