Tulpensonntag

Umzug in Ossenberg: Unter vier Stunden geht hier gar nichts

Natürlich ist auch die Polizei beim Ossenberger Tulpensonntagszug aktiv.   

Natürlich ist auch die Polizei beim Ossenberger Tulpensonntagszug aktiv.   

Foto: Peter Bußmann

Rheinberg-Ossenberg.   Der Tulpensonntagszug in Ossenberg ist sicher einer der kleineren Karnevalszüge in der Umgebung, aber dafür haben die Zuschauer lange etwas davon

Tulpensonntag im Mühlendorf Ossenberg: Ein närrischer Zug, klein, gerade fünf Motivwagen, vier Fußgruppen, aber fein – und zeitlich sicher einer der längsten Züge am Niederrhein. Denn unter vier bis fünf Stunden geht kaum was. Trotz des kurzen Zuges, denn sie kommen nicht weit, die Narren. Sieben Stopps sind programmiert. „Verhungern kann heute keiner“, lachte Organisator und Zugleiter Uli Glanz. „Und verdursten erst Recht nicht.“

War es ein Vorgeschmack auf den großen Rheinberger Rosenmontagszug? Kälte, durchgefrorene Narren, durchdringender Nieselregen. Doch aufgeben? Im warmen trockenen Wohnzimmer bleiben? Nicht in Ossenberg. Die Tanzgruppen der KAG hatten eigens durchscheinende Perlonumhänge, Prinzessin Mona I., die Jugendprinzessin, einen dicken Flokati-Mantel, Prinz Kai I., der Bärige, trug sicher einen zusätzlichen Pullover unter dem prinzlichen Ornat. Kurzum: Das miese Wetter störte in Ossenberg keinen. Gefühlt waren mehr Narren denn je auf den Beinen.

Eigentlich sollte es 2005 nur bei einem einmaligen Zug bleiben. Der Anlass: einhundertjähriges Bestehen organisierten Karnevals im Dorf hinter der Solvay. „100 Jahre Narretei, wir Ossenberger sind dabei“ lautete das Motto. Es sollte ein einmaliger „Jubiläumszug“ sein. Bis dahin gab es keinen Marsch der Narren durch das Dorf. „Es war einfach toll“, erinnert sich ein damaliger Zugteilnehmer. „Wir wurden überall begeistert empfangen“. Die Idee war geboren, den Zug alle zwei Jahre zu wiederholen.

Das Besondere an den Karnevalszügen der kleinen Orte bleibt Ursprünglichkeit, Spontaneität, Lokalkolorit, Freude, mitzuziehen. Jeder machte in Ossenberg mit, ein harmonisches, familiäres Ereignis, gemeinsam in guter Nachbarschaft gefeiert. Diejenigen, die im Zug mit einem selbstgebauten Karnevalswagen oder als fantasievoll kostümierte Fußgruppe mitwirkten – erst recht, die ihre Straßen und Häuser karnevalistisch herausputzten, ihre Garagen ausgeräumt hatten, die draußen standen, Narren, Prinz und Jugendprinzessin immer wieder aufhielten, Bockwurst, Friko oder Käsehäppchen reichten, ein frisch gezapftes Bier oder vielleicht sogar ein Schnäpschen kredenzten.

Die Löschgruppe der Ossenberger Feuerwehr, zehn kräftige Männer, waren samt Frauen und Kinder mit großem Blockhaus und Fußgruppe dabei. Mit gewaltigem Rauch und Tausenden Seifenblasen zogen sie mit. Die Nachbarn von der Spilling hatten gleich zwei Wagen: ein rot-weißes Zirkuszelt als Bagagewagen und den Mottowagen „Manege frei. Die Spilling ist dabei“. Auf dem Prinzenwagen fast Gedränge. Strahlend Prinz Kai I., der Bärige, Jugendprinzessin Mona I. samt Adjutantinnen.

Ein tolles Bild war’s, als die Nachbarschaft Mühlenweg vor der Mühle den Zug zum ersten Stopp empfing. Wie früher waren die Halts das Interessanteste. Da warteten Familien, Nachbarschaften mit Kaltem und Warmem, mit Bier, Schnäpschen, Glühwein, alkoholfreien Erfrischungen oder auch Suppen oder Gebackenem. Das macht das Besondere des Ossenberger närrischen Lindwurms aus.

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