Kunst

Ausstellung „Material in Formation“ im Centrum Wesel

Kunstwerk aus Schallplatten von Claus van Bebber. 

Kunstwerk aus Schallplatten von Claus van Bebber. 

Foto: Lena Reichmann

Wesel.   Im Centrum zeigt der Niederrheinische Kunstverein die Arbeiten renommierter Künstler. Ihre Phantasie ist von verschiedenen Gegenständen angeregt

Die Galerie im Centrum rüstet sich für die außergewöhnliche Gruppenausstellung „Material in Formation“. Kuratorin Carla Gottwein hat für die Ausstellung des Niederrheinischen Kunstvereins renommierte Künstler gewinnen können, die verschiedenste Materialien zu streng geordneten Formen zusammenfügen.

17 Tage Musik an einem Stück

Alle Werke zeichnen sich durch eine heitere Leichtigkeit aus, so verschieden sie sind, so authentisch fügen sie sich in den großzügigen Raumen als Ganzes zusammen. Mit Claus van Bebber, Rita Beckmann, Jürgen Böttcher, Brigitte Dams, Sakir Gökcebag, Zahra Hassanabadi, Maria Kühnapfel, Norvin Leineweber, Hans-Peter Menge, Alice Musiol, Anja Maria Strauss und Ulrike Waltemathe sind zwölf regional wie überregional bekannte Künstler vertreten.

Claus van Bebber, der sich als Klangkünstler einen Namen gemacht hat, zeigt erstmals eine Anordnung von jeweils 600 Langspielplatten pro Meter. „Musik als Materialität“, sagt Carla Gottwein begeistert. „Er hat ausgerechnet, dass man mit diesem Material 17 Tage an einem Stück Musik hören könnte.“

Ein Flickenteppich aus Quittungen

Ganz anders Brigitte Dams, die gebrauchte Feuerwehrschläuche und Gurte – geflochten – zu Objekten verarbeitet. Zahra Hassanabadi bildet mit Zahnstochern und kleinen Holzkeilen Köpfe. Wie man in einen Konsumstrudel gerät, das belegt ihr kreisrunder Flickenteppich, der aus aneinandergetackerten Quittungen gestaltet ist.

Licht und Schatten fällt auf ein in einer Achse ausgelegtes Konstrukt aus 192 zusammengesteckten Hula-Hopp-Reifen. Ein bemerkenswertes Raumkonzept von Alice Musiol. Norwin Leineweber hat ein Raster-Objekt vor Ort aufgebaut, das sich von zwei Brettern ausgehend auf sieben mal sieben Latten aufsteigend erhöht.

Farbe und Form mit Glas und Robiniendornen

Leicht schwingt das Werk „Cascade“ an der Museumswand. Anja Maria Strauss hat Robiniendornen auf Federstahldraht gesetzt und diese im Halbkreis angeordnet. „Dazu hat sie über Stunden kleine Löcher in die Wand gebohrt“, erzählt Gottwein.

Ganz viel Farbe bringen die Glasobjekte von Hans-Peter Menge in die Ausstellung. Die Arbeiten leben von malerischer Irritation, von Formen und Strukturen. Durch Spiegelungen schweben sie von der Fläche weg, es entwickelt sich ein freies, dem Zufall unterworfenes Fließen der Farben und ein Durchdringen unterschiedlicher Farbigkeit. Fröhlich wirkt auch der „Wandvirus“ von Ulrike Waltemathe, Wabbel-Plastik-Igel auf weißer Wand drapiert.

Gestaltungsmöglichkeiten ausloten

Vor neun Monaten begann Carla Gottwein in Zusammenarbeit mit der Vorsitzenden des Kunstvereins, Dorothea Störmer, Künstler für diese Ausstellung zu gewinnen. Dabei war es ihr auch wichtig, eine Vielfalt an Materialien zu zeigen, wie gefaltete Stoffe von Maria Kühnapfel oder Dachziegelbruchstücke oder NRZ-Ausschnitte zum Kunstwerk gefaltet von Rita Beckmann. „Schön ist dabei, Alltagsgegenstände anders zu betrachten, ihre Gestaltungsmöglichkeiten auszuloten“, fasziniert Gottwein, die diese Ausstellung für geeignet hält, Menschen den Einstieg in Kunst zu erleichtern. Schließlich ist der Eintritt wie immer frei.

Rund um die Schau

Die Ausstellung wird am Sonntag, 20. Januar, um 11.30 Uhr im Städtischen Museum Wesel, Galerie im Centrum, eröffnet von der Vorsitzenden des Niederrheinischen Kunstvereins, Dorothea Störmer. Grußworte wird Bürgermeisterin Ulrike Westkamp sprechen. Öffnungszeiten der Galerie sind Dienstag bis Freitag von 10.30 bis 18.30 Uhr, Samstag von 10 bis 13 Uhr und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Am Donnerstag, 7. Februar, wird es um 17 Uhr eine After- Work-Führung mit Carla Gottwein geben. Am Sonntag, 24. Februar, um 15 Uhr wird der Katalog zur Ausstellung vorgestellt.

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