Kiosk statt Kinderzimmer

Birthes Büdchen in Perrich boomt bereits zu Beginn

Birthe Ledwig verkauft vom Fenster des ehemaligen Kinderzimmers aus Getränke und Süßigkeiten.

Birthe Ledwig verkauft vom Fenster des ehemaligen Kinderzimmers aus Getränke und Süßigkeiten.

Foto: Markus Weissenfels

Wesel.   Direkt am Deich in Perrich an der Fahrradroute von Wesel nach Xanten hat Birthe Ledwig ein Kinderzimmer ihres Hauses zu einem Kiosk umgebaut.

Birthes Büdchen war gerade ein paar Minuten eröffnet, da kam auch schon der erste Kunde: Der fünfjährige Nachbarsjunge Finn kaufte zehn weiße Mäuse und ließ sich die Süßigkeiten schmecken.

Doch nicht nur er ist auf den Geschmack gekommen: Neben den Perrichern erfreuen sich auch viele Radfahrer an der ersten Möglichkeit seit Jahrzehnten, in dem kleinen Dorf am Deich etwas einzukaufen.

Krankenschwester im Marien-Hospital

„Vor über 30 Jahren gab es hier schon mal einen Kiosk, erzählen die Leute. Ich wohne aber erst seit zwölf Jahren hier“, sagt Birthe Ledwig.

Die 42-Jährige ist Krankenschwester im Weseler Marien-Hospital. Schon seit einigen Jahren spielte sie mit dem Gedanken, ein „Büdchen“ in dem Ort bei Ginderich zu eröffnen. Doch wie kommt man auf solch eine Idee? „Ganz einfach“, erzählt Ledwig lachend, „genau bei uns vor dem Haus haben immer wieder Wanderer und Radfahrer eine Rest eingelegt. Es muss wohl ein idealer Fleck dafür sein.“

Quasi gar keine Werbung gemacht

Da fügte es sich perfekt, dass der Raum mit dem großen Fenster zur Straße „Auf dem Sand“ seit rund fünf Jahren leer stand. Früher hatte dort Ledwigs heute zehnjährige Tochter Klara ihr Kinderzimmer.

Nach kleinerem Umbau konnte die 42-Jährige vergangene Woche ihren Wunsch in die Wirklichkeit umsetzen und den Verkauf durchs (ehemalige) Kinderzimmer-Fenster starten.

„Ich hatte natürlich gehofft, dass einige Leute kommen. Aber dass es wirklich so gut läuft, hätte ich wirklich nicht gedacht. Die Resonanz ist der Hammer!“, freut sich Büdchen-Birthe. Sie sagt, dass sie quasi gar keine Werbung gemacht hat – es habe sich so herumgesprochen, dass es jetzt Auf dem Sand 18 einen Kiosk gibt.

Urteil von Radlern: „Richtig schnuckelig hier!“

Und genau wie Birthe Ledwig vermutet hatte, kommen auch viele Spontangäste und machen an ihrem Büdchen eine Pause. So eine siebenköpfige Radlergruppe, die das schöne Wetter für eine Radtour von Dorsten nach Xanten nutzte.

„Das ist ja richtig schnuckelig hier“, begründet Ulrich Krake aus Dorsten, warum er mit seiner Gruppe spontan vom Rad stieg. Auf der Bank vor dem Büdchen und an dem Tisch mit Bierzeltgarnitur machten es sich die Radler bequem und genossen die idyllische Kaffeepause.

Erfahrung aus den ersten Verkaufstagen nutzen

Birthe Ledwig berichtet, dass auch einige ihrer Kunden etwas zu essen oder trinken mit über die kleine Straße nehmen und sich auf den angrenzenden Deich setzen.


„Von dort hat man einen herrlichen Blick auf den Rhein – vielleicht lockt genau das auch viele Leute an, hier Rast zu machen.“

Die Erfahrungen aus den ersten Verkaufstagen möchte Birthe Ledwig nutzen, eine Toilette will sie noch errichten. „Oft gefragt wurde ich in den ersten Tagen auch nach Zigaretten, Malzbier, aber auch Kuchen oder Waffeln.“

>>>VON 10 BIS 18 UHR KANN MAN JEDEJN TAG EINKAUFEN

Täglich von 10 bis 18 Uhr ist Birthes Büdchen geöffnet. Damit die Inhaberin nicht immer am Fenster auf Kunden warten muss, hat sie eine Klingel installiert.

Wenn Birthe Ledwig im Krankenhaus arbeiten muss oder auch mal verhindert ist, vertritt sie ihr Vater Lutz Bärensprung (74).

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