Aktion

Tag der Trinkhalle: „Birthes Büdchen“ macht eigenes Programm

„Die Couch ist Kult“: Auf der Sitzgelegenheit am Deich vor ihrem Büdchen hat Inhaberin Birthe Ledwig Platz genommen.

„Die Couch ist Kult“: Auf der Sitzgelegenheit am Deich vor ihrem Büdchen hat Inhaberin Birthe Ledwig Platz genommen.

Foto: Markus Weissenfels

Wesel.   Seit einem Jahr gibt es den Kiosk im ehemaligen Kinderzimmer in Wesel-Perrich. Moritz Hußmann hat mit seinem Kiosk ein Kulturprogramm gewonnen.

Wer in Ginderich die Kirche hinter sich lässt und durch die Felder Richtung Deich fährt, der würde nicht vermuten, dass er dort eine Trinkhalle findet. Diese Trinkhalle in Perrich ist auch etwas anders, vielmehr eine Mischung aus Café und Kiosk – mit gemütlichen Sitzgelegenheiten, bunten Accessoires und der Couch am Deich. „Die ist Kult“, sagt Inhaberin Birthe Ledwig. Auswahl für die gemischte Süßigkeitentüte gibt es hier auch. „Birthes Büdchen“ wird am Samstag, 25. August, mit einem ebenfalls ganz individuellem Programm beim „Tag der Trinkhallen“ mitmachen.

Eine Freundin habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich doch beteiligen könne, erzählt Birthe Ledwig. Doch ihre Bewerbung bei der Ruhrtourismus GmbH, die für 50 Trinkhallen ein Kulturprogramm organisiert, kam zu spät. Also entschied Birthe Ledwig, selbst etwas auf die Beine zu stellen – mit Unterstützung von Akteuren aus dem Dorf und der Umgebung. Wie Ledwig ankündigt, soll Sängerin Larissa Kaczmarek aus Wesel von Sabine Heilen aus Büderich mit der Gitarre begleitet werden. „Vielleicht können wir auch ein Rudelsingen veranstalten“, sagt Birthe Ledwig. Außerdem werde Bauchredner Daniel Stippel aus Ginderich sowie Physiotherapeut Tobias Brinkhoff am Samstag vertreten sein.

Überwältigt von der Resonanz

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass aus dem ehemaligen Kinderzimmer„Birthes Büdchen“ wurde. Von der Resonanz ist die Inhaberin völlig überwältigt. Eigentlich glaubte sie am Ende der Welt zu wohnen, „aber hier ist die Hölle los“, sagt sie. Es sind vor allem die Radfahrer, die hier entlang ihre Touren machen und Rast suchen. Im Sommer seien es über den Tag verteilt rund 200 Gäste, schätzt Birthe Ledwig. Im vergangenen Jahr standen hier noch Bierzeltgarnituren, inzwischen gibt es Sitzgelegenheiten zum Anlehnen. Seit vier Wochen können die Gäste außerdem eine separate Toilette nutzen.

Anders als im klassischen Kiosk verkaufen sie hier keine Zeitungen und Zigaretten, das Angebot beschränkt sich auf Lebensmittel. In Kooperation mit dem Café Winkelmann bietet Birthe Ledwig Gebäck an, „die Nussecken sind der Renner.“ Die Saison dauert von Mai bis Oktober, jeden Tag ist das Büdchen an der Straße Auf dem Sand von 10 bis 20 Uhr geöffnet. „Wir haben noch keinen Ruhetag, wir kommen gar nicht dazu.“

Ganz Familie packt mit an

Möglich ist das auch, weil die ganze Familie mit anpackt. In den Ferien helfen die beiden Kinder mit, ihr Mann unterstützt sie und auch ihre Eltern, die nebenan wohnen, sind oft im Einsatz. Denn eigentlich arbeitet Birthe Ledwig noch als Krankenschwester im Marien-Hospital. „Rückblickend ist das ein schöner Ausgleich“, sagt sie. Während sie im Krankenhaus mit kranken Menschen zu tun hat, auch viel Elend erlebt, sind die Menschen, die zu ihrem Büdchen kommen, gut gelaunt. „Das macht hier total Spaß, aber meinen Beruf würde ich nie aufgeben.“

Während sie das erste Jahr am Büdchen Revue passieren lässt, strahlt sie. Stolz präsentiert sie auch das rote Gästebuch, das schon zu einem Drittel gefüllt ist – auch in anderen Sprachen, auf Italienisch, Französisch und Englisch haben Besucher ihr hier etwas hinein geschrieben. „Ich habe auch nicht gewusst, dass so viele Gäste aus der ganzen Welt kommen“, sagt sie. Auch, wenn die Kommunikation mit Händen und Füßen immer gelinge, überlegt sie, ihre Englischkenntnisse etwas aufzufrischen, waren doch sogar schon Besucher aus New York oder Großbritannien hier. „Unglaublich, was wir alles für Menschen kennenlernen – und das zu Hause“, sagt Ledwig.

Zum zweiten Mal vertreten: „Mo’s Jump In“ mit Kulturprogramm 

Einer der 50 Gewinner des Kulturprogramms, das die Ruhr Tourismus GmbH finanziert, ist Moritz Hußmann, der seit sieben Jahren Inhaber des als „Mo’s Jump In“ bekannten Kiosks an der Grünstraße 2 ist. Zum zweiten Mal ist er beim „Tag der Trinkhallen“ vertreten. Am Samstag wird die dreiköpfige Band „Die Verspäteten Vorboten“ zu Gast sein. Dahinter verbirgt sich Jazz Slam – Literatur und Musik verbinden sich. Die Band begleite witzige, ernste, gereimte und ungereimte Texte deutschlandweit bekannter Poetry Slammer und Slammerinnen. Poetry Slam kenne er natürlich, sagt Hußmann, „aber Jazz-Slam ist auch für mich neu“. Es werde sehr musikalisch und interessant, sagt der Inhaber der Trinkhalle. Das kulturelle Programm im Kiosk an der Grünstraße findet von 15 bis 22 Uhr statt – kostenlos.

Am Samstag sowie in den kommenden Wochen werden außerdem rund 22 Fotos von Hans Eumann in der Trinkhalle aushängen. Diese zeigen Fotos von Weseler Trinkhallen aus dem Jahr 1987.

Was die Trinkhalle heute bedeutet? Hußmann nimmt sie als einen Ort zum Verweilen wahr, sie sei ein Treffpunkt, das Publikum „kunterbunt“. Alle seien herzlich willkommen, so Hußmann.

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