Archäologie

Weseler entdeckt Jahrtausende alte „Celtic fields“ bei Kleve

Wissenschaftler des Landschaftsverbands Rheinland legen bei einer Ausgrabung die Bodenschichten frei. Foto:pr

Wissenschaftler des Landschaftsverbands Rheinland legen bei einer Ausgrabung die Bodenschichten frei. Foto:pr

Wesel/Kleve.   Eine uralte Geschichte vom Säen und Ernten: Der Weseler Peter Bruns entdeckte auf Luftbildern sogenannte „Celtic fields“ im Reichswald bei Kleve.

Nur ein sachkundiges Auge kann diese hauchzarten Linien auf einer Karte entdecken, die eine sehr alte Geschichte vom Säen und Ernten erzählen. Peter Bruns hat diesen Blick - und der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger machte einen sensationellen Fund: Im Klever Reichswald wies der Weseler so genannte Celtic Fields nach. Spuren von Ackerbau, den es dort frühestens seit 1200 vor Christus gegeben hat, und der etwa 200 bis 300 nach Christi aufgegeben worden ist. Rund 33 Hektar Ackerfläche, jeweils mit 30 mal 30 Meter kleinen Feldern, umgeben von zehn Meter breiten Wällen. Die müssen mal hoch gewesen sein, übrig davon sind noch 20 Zentimeter Höhe. Genug, um entdeckt zu werden.

Es ist der alte Wald, der die Spuren, Reste der Wälle, über die Jahrtausende geschützt hat. „Flächen, die weiter beackert wurden, weisen keine Spuren mehr auf“, sagt Bruns. Im Reichswald konnte ihnen kein Regen und kein Pflug zusetzen. Jetzt gehe es darum, die Wälle zu erforschen – doch das ist nicht mehr seine Aufgabe. „Es ist unklar, zu welchem Zweck sie gedient haben“, erläutert er.

Wo Menschen Land bearbeiten, muss es auch Höfe geben

Der Fund wirft Fragen auf. Wo Menschen Land bearbeiten, muss es auch Höfe geben. Doch Bruns hat nicht viel Hoffnung, die Wissenschaftler des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) könnten da noch fündig werden. „Es sind Einzelhöfe zu erwarten. Doch es handelte sich um Holzbauten in Ständerbauweise“, erläutert Bruns. Von ihnen dürften höchstens Verfärbungen im Boden zu finden sein. Oder auch nicht, „man müsste ja den Wald roden...“ Das will natürlich niemand, zudem würde es gerade das zerstören, was man zu finden hoffte. So ein Haus, rechnet Bruns vor, war rund 50 Jahre haltbar. Das macht bei 1500 Jahren 30 Hausgenerationen, die man dort finden könnte. Dieses Geheimnis wird der Wald für sich behalten.

Die Celtic fields im Reichswald, zwischen Kleve und Nütterden gelegen, sind die ersten, die in NRW gefunden worden sind. Warum Celtic fields, waren es etwa Kelten, die hier Landwirtschaft betrieben? „Der Name stammt aus Großbritannien, wo solche Funde erstmals gemacht wurden“, erläutert der ehrenamtliche Bodenarchäologe. Seinerzeit waren sie – fälschlicherweise – den Kelten zugeordnet. Inzwischen ist der Irrtum aufgeklärt, der Name blieb aber erhalten, auch ohne die Kelten. Solche Funde gibt es inzwischen in ganz Mitteleuropa auf Sandböden, in den Niederlanden beispielsweise.

Professor Renate Gerlach, Geoarchäologin der Universität Köln, untersucht derzeit Bodenproben, die Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Rheinland bei einer Grabung genommen haben. Anhand komplizierter wissenschaftlicher Verfahren soll festgestellt werden, ob der Boden verdichtet war. Auch lässt sich feststellen, wann ein Sandkorn zuletzt an der Erdoberfläche war – Detektivarbeit.

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