Tag der Städtebauförderung

Wesels historische Rathausfassade ist nun offiziell komplett

Die Übergabe der letzten Figuren an der historischen Rathausfassade: Das Bild zeigt

Die Übergabe der letzten Figuren an der historischen Rathausfassade: Das Bild zeigt

Foto: Gerd Hermann

Wesel.   Die Einweihung am Tag der Städtebauförderung lockte zahlreiche Weseler zum Großen Markt. Projekt wurde nach 15 Jahren abgeschlossen.

Bei schönstem Sonnenschein hatten sich zahlreiche Weseler am Samstagnachmittag auf dem Großen Markt zusammengefunden, um die letzten beiden Figuren an der Historischen Rathausfassade einzuweihen. Damit beteiligte sich die Stadt Wesel erneut am „Tag der Städtebauförderung“, der zum dritten Mal bundesweit stattfand. In diesem Jahr stand er unter dem Motto „Kunst am Bau“. Zu diesem Anlass wandte sich neben Bürgermeisterin Ulrike Westkamp auch die Vorsitzende der Bürgerinitiative und der Bürgerstiftung „Historisches Rathaus Wesel“, Dagmar Ewert-Kruse, an die interessierten Bürgerinnen und Bürger.

Dank der Bürgermeisterin gilt Bürgerinitiative und Bürgerstiftung

Die letzten zwei Figuren, die nun das Rathaus schmücken, zeigen König Rudolf I. von Habsburg und Graf Dietrich VIII. von Kleve. Damit ist die Rekonstruktion der historischen Fassade abgeschlossen. In ihrem Grußwort bezeichnet die Bürgermeisterin diesen Tag daher als denkwürdig und bedeutend für die gesamte Stadt Wesel, denn mit der Fassade sei nun auch „ein Stück Einzigartigkeit wiederhergestellt“ worden, das durch die Zerstörung Wesels verloren gegangen war. Ein Bundesbeschluss im Jahr 1950, der vorsieht, mindestens ein Prozent der Bauauftragssumme für Werke bildender Künstler vorzusehen, ermöglichte es, Baukunst wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Dank der Bürgermeisterin galt daher besonders der Bürgerinitiative und Bürgerstiftung, aber auch „allen Stifterinnen und Stiftern“, die dieses Projekt unterstützt haben.

Dagmar Ewert-Kruse hat sich als Vorsitzende der Bürgerinitiative und der Bürgerstiftung für das Projekt eingesetzt und freut sich deshalb besonders, die Bauzeit, die 2002 begann, abschließen zu können. Neben den Figuren betont sie auch die Wichtigkeit der Ornamente der gotisch-flämischen Zierfassade: „Zierformen hatten gestalterische und optische Funktionen, sie teilten Flächen ein, ordneten sie, akzentuierten. 1900 entstand jedoch Kritik an der Verwendung von Ornamenten. Seither sind viele Bauten bedauerlicherweise eher schlicht.“

Bis 1858 zierten mittelalterliche Figuren die Fassade

Schon im Jahr 1455 konnte die Hansestadt Wesel mit dem herausragenden Bauwerk, dem Rathaus, beeindrucken – es ist das am weitesten im Osten stehende Gebäude seiner Gattung. Bis 1858 zierten mittelalterliche Figuren die Fassade, im Rahmen einer Renovierung wurden sie ausgetauscht. Unter anderem gegen König Rudolf I. von Habsburg, der etwa 1250 nach dem Aussterben der Staufen für eine erneute Zusammenführung des auseinanderbrechenden Heiligen Römischen Reiches sorgte, und Dietrich VIII. von Kleve, der das Sinnbild für eine kluge Einbindung der florierenden Stadt Wesel durch die Erweiterung ihrer Rechte ist.

Auch Dagmar Ewert-Kruse bedankte sich für die Spendenbereitschaft: „Die Bürger und Bürgerinnen aus Wesel und Umgebung und der ganzen Welt haben insgesamt 1,9 Millionen Euro gespendet. Die Restsumme, die zur Gesamtbausumme von 3,7 Millionen Euro noch benötigt wurde, erhielten wir dann von Stadt und Land.“ Und: „Nun stehen Rathaus und Dom wieder am Großen Markt zur Freude der Betrachter – und als Symbol unserer Weseler Identität.“

Zur Erhaltung des Bauwerks möchten Bürgerinitiative und Bürgerstiftung nun jährlich 6000 bis 8000 Euro sammeln – damit die Fassade so bleibt, wie sie nun ist.

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