Wenn sich Donald Trump und Xi Jinping am Donnerstag in Südkorea die Hand reichen, geht es nicht nur um Machtpolitik zwischen den USA und China – es geht auch um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. Denn kaum ein anderes westliches Land hat seine Wirtschaft so stark mit China verflochten und macht sich damit so verwundbar, wenn das Verhältnis zwischen Washington und Peking kippt. Deutschland und die EU müssen deshalb jetzt ihre Hausaufgaben machen, sagt Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dieser Redaktion.

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„Wir haben zwar vielerorts erkannt, dass wir uns im politisch wie ökonomisch geführten Systemwettbewerb befinden. In diesem Wettbewerb hilft kein Jammern über China, sondern es ist unsere eigene Hausaufgabe, endlich unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, Lieferketten zu diversifizieren und kritische Abhängigkeiten zu reduzieren“, so Niedermark.

Auch der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, sieht in dem Trump-Xi-Treffen eine große Bedeutung für Deutschland. Der Handels- und Technologiekonflikt zwischen den USA und China belaste auch deutsche Unternehmen. „Besonders spürbar sind die Auswirkungen neuer chinesischer Exportrestriktionen, insbesondere im Rohstoffbereich“, sagt Treier und meint damit zum Beispiel Chinas Marktmacht in Bezug auf die Seltenen Erden. Fünf zentrale Punkte, bei denen die deutsche Wirtschaft besonders an der Volksrepublik hängt.

1. Seltene Erden

Deutsche Unternehmen leiden unter den sehr strengen Vorgaben der chinesischen Regierung, was die Ausfuhren sogenannter Seltener Erden angeht. Die US-Nachrichtenagentur „Bloomberg“ berichtete kürzlich, China verlange mittlerweile die Herausgabe von vertraulichen Daten im Gegenzug für Ausfuhrgenehmigungen für die Rohstoffe. Konkret gehe es um 17 Elemente, die etwa für E-Autos oder Smartphones unverzichtbar sind.

China kontrolliert Schätzungen zufolge rund 60 bis 70 Prozent der weltweiten Produktion Seltener Erden und veredelt über 80 Prozent dieser Materialien. Laut dem Mercator Institute for China Studies (Merics) stammen 95 Prozent der in Deutschland verwendeten Seltenen Erden aus China – mehr als in jedem anderen EU-Land. Die Chinesen setzen die Rohstoffe mittlerweile als Druckmittel ein, seit Monaten drosselt China die Ausfuhren in dem Bereich. Europa müsse sich umorientieren, sagt der Industriepolitikexperte Martin Gornig vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) dieser Redaktion.

China habe jahrzehntelang bewusst weltweite Abhängigkeiten aufgebaut, in dem man die Seltenen Erden zu Dumping-Preisen auf dem Weltmarkt angeboten habe. „Will man das ändern, muss man den Dumping-Strategien der Chinesen endlich die Stirn bieten und Länder, die Produktionskapazitäten aufbauen, mit Subventionen und Abnahmegarantien helfen“, erklärt Gornig. Andere Vorkommen weltweit gebe es zur Genüge. Australien, Brasilien und die Ukraine seien nur einige Beispiele für Länder, mit denen sich solche Partnerschaften aufbauen ließen.

2. Chemische Grundstoffe

Die deutsche Chemieindustrie (zum Beispiel BASF, Covestro) bezieht viele Vorprodukte, Zwischenstoffe und Katalysatoren aus China. Ohne diese Materialien stockt die gesamte Produktionskette in Kunststoff- oder Batteriefertigung und Medikamentenproduktion. Vom Branchenverband Pharma Deutschland heißt es auf Anfrage, ein Ausfall chinesischer Lieferungen könnte erhebliche Versorgungslücken verursachen – insbesondere bei Antibiotika sowie bei Arzneimitteln zur Behandlung von Diabetes und Schmerzen. 

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Mit Blick auf das Trump-Xi-Treffen sehen die Branchenvertreter sogar eine doppelte Abhängigkeit – von China bei der Versorgung mit Wirkstoffen und von den USA im Bereich pharmazeutischer Forschung und Innovation. Europa sollte deshalb gezielt strategische Partnerschaften mit stabilen Ländern und Regionen eingehen und sich diversifizieren, sagt die Pharma-Deutschland-Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann dieser Redaktion: „Nur so kann Europa seine Versorgungssicherheit langfristig stärken und die Abhängigkeit von China verringern.”

3. Elektromobilität und Batteriezellen

Die Abhängigkeit der deutschen Autoindustrie von China ist erheblich, sagt der Fachmann Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft (IfA) dieser Redaktion. Das betreffe den Absatz, die Produktion, aber auch Zukunftstechnologien. VW & Co., aber auch Zulieferer produzierten und forschten in der Volksrepublik lokal und seien zunehmend besonders im Bereich Batteriezellenfertigung gemeinsam mit chinesischen Partnern tätig. Gleichzeitig basiere die Transformation zur Elektromobilität auf Rohstoffen und Technologien, bei denen China eine dominierende Rolle einnehme. Reindl ist deshalb klar: „Eine vollständige Loslösung aus dem chinesischen Umfeld ist kaum realistisch – aber eine gezielte Risikominimierung erscheint machbar.“

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Um Abhängigkeiten zu reduzieren, sollte die Autoindustrie Lieferketten diversifizieren, etwa über gezielte Investitionen in „freundliche Drittstaaten“, und technologisch etwa bei Software oder vernetztem Fahren eigenständiger werden. Schritte, die langfristig das China-Risiko senken würden – ohne gleich den Zugang zu diesem wichtigen Markt zu verlieren, so Reindl.

4. Elektronikkomponenten

Viele elektronische Bauteile, Steuerungseinheiten und Fertigungskomponenten, die für die Industrieproduktion in Deutschland wichtig sind, stammen aus China. Jüngstes Beispiel: Die vergleichsweise einfachen elektronischen Bauteile von Nexperia – einem Unternehmen, das in chinesischer Hand ist. Wegen einer Blockade Chinas bei der Ausfuhr bestimmter Chips aus der Volksrepublik warnten in der vergangenen Woche einige deutsche Autobauer vor möglichen Auswirkungen auf die Produktion.

5. Export und Absatzmarkt

China ist für Deutschland seit 2016 der wichtigste Handelspartner, besonders für die Autoindustrie. Große Teile des Umsatzes einiger deutscher Konzerne werden in China erzielt. Ist das gesund? Na ja, sagt DIW-Industriepolitikkenner Gornig. Die unternehmerische Entscheidung, einen solchen Markt zu bedienen, sei angesichts von Größe und Nachfrage ja nachvollziehbar. „Jedoch muss man vorbereitet sein, wenn dieser Markt gesättigt oder durch einheimische Produzenten übernommen wird. Das haben deutsche Firmen zum Teil versäumt“, so der Experte.

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Umgekehrt ist Deutschland hingegen nicht mehr ganz so wichtig für China. „Wie man Autos und Maschinen baut, waren speziell in Deutschland beheimatete Kompetenzen.“ Doch die Bedeutung sei gesunken. An Europa als Gesamtmarkt kommt China hingegen nicht vorbei, sagt Gornig. Besonders für den Fall, dass es zwischen der Volksrepublik und den USA weiter kriseln sollte. Dann wäre die EU für China wohl der alternative Absatzmarkt zu Trumps Amerika.