Titanen der Tech-Industrie wie Google, Meta und Microsoft liefern sich einen verbissenen Kampf um die Vorherrschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI). Das wiederum hat weitreichende Folgen für die Energiewirtschaft und somit auch jeden Durschnittsamerikaner. Denn der Strombedarf mancher KI-Rechenzentren übersteigt manchmal den jährlichen Verbrauch einer Großstadt. Das wiederum überfordert die Infrastruktur und könnte die Stromversorgung der Haushalte gefährden. Branchengigant Google und andere glauben nun, eine Lösung gefunden zu haben: Kernkraftwerke. 

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe und erwischte Konkurrenten der weltweit beliebtesten Websuchmaschine auf dem falschen Fuß: In dem ländlichen US-Staat Iowa will Google das seit 5 Jahren brachliegende Duane Arnold Energy Center wieder in Betrieb nehmen. Das Duane Arnold Center war 2020 während eines Sturms so schwer beschädigt worden, dass der Energielieferant die Produktion einstellen musste. In Partnerschaft mit dem Unternehmen NextEra Energy will Google die Reparaturen und Instandsetzung nun deutlich beschleunigen. 

Energie für die KI: Google will Atomkraftwerke bauen

In spätestens vier Jahren soll der Stromproduzent wieder ans Netz gehen. Zugleich hat Google über einen Vertrag für die nächsten 25 Jahre den Kauf von Strom von dem Lieferanten aus Iowa sichergestellt. Der Tech-Konzern geht aber deutlich weiter. So will Google in den kommenden Jahren drei weitere Atomkraftwerke (AKW) bauen. Auch will der Tech-Riese zusammen mit dem Energieunternehmen Kairos Power neue Quellen in Tennessee erschließen. 

Dort ist der Bau des neuartigen „Hermes 2“ Kernkraftwerks geplant. Hermes 2, ein Beispiel für kleinere und sogenannte „advanced“, also fortgeschrittene Reaktoren, wird etwa 50 Megawatt produzieren. Das wäre theoretisch genug für die Versorgung von etwa 36.000 Haushalten. Doch der Strom soll nicht benutzt werden, um Lichter einzuschalten oder Kühlschränke, Waschmaschinen und Heimcomputer zu betreiben. Der einzige Zweck wird es sein, den wachsenden Energiebedarf von Googles KI-Rechenzentren in der Tennessee Valley Region zu decken.   

Unterdessen macht Googles Beispiel Schule. So hat Facebooks Muttergesellschaft Meta vertraglich sichergestellt, dass der Konzern ab 2027 über 20 Jahre Strom des in Illinois ansässigen Clinton Clean Energy Center beziehen wird. Auch hat der Softwarekonzern Microsoft Pläne, das legendäre AKW Three Mile Island in Pennsylvania wieder hochzufahren. Dort hatte eine Kernschmelze im Jahr 1979 zur Stilllegung der Reaktoren geführt und Atomkraftgegner in den USA mobilisiert, die eine nationale Kampagne gegen die Förderung von nuklearer Energie anführten.  

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KI-Rechenzentren: Mehr Stromverbrauch als die US-Bevölkerung

Grund für das Wettrennen um die Gigawatts (GW) ist der immense Energiebedarf der KI-Datenzentren. So rechnet das Forschungsinstitut Rand Corporation vor, dass bis 2027 die Rechenzentren weltweit 320 Gigawatt an Strom konsumieren werden. Das wäre das Vierfache des Bedarfs von vor drei Jahren. Der Vergleich zum herkömmlichen Verbrauch: Nach Schätzungen des US-Energieministeriums reicht 1 GW aus, um 700.000 Haushalte oder 1,8 Millionen Menschen ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Rechenzentrum
Die KI-Rechenzentren der Tech-Giganten brauchen große Mengen an Strom. (Symbolbild)© picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Damit könnten die 320 GW, die KI in Anspruch nehmen wird, für 576 Millionen Menschen die Lichter brennen lassen. Dabei liegt die gesamte Bevölkerung der USA nur bei 340 Millionen. Die Firma TRACT entwickelt gerade im Auftrag der Tech-Konzerne Bauland in Arizona. Dort soll in den nächsten Jahren ein AKW stehen, das genügend produziert, um die Bürger von Hamburg und München zu versorgen. 

Stromverbrauch von KI: Bürger bangen um den eigenen Strom

Mittlerweile ist der Kampf um den knappen Strom auch zu einem Politikum geworden. Denn eine der Brutstätten der boomenden KI-Industrie ist die an Washington grenzende Region Northern Virginia (Nova). Dort haben Firmen wie Amazon, Google, Oracle und andere ihre Ostküsten-Drehkreuze. Und KI-Rechenzentren schießen wie Pilze aus dem Boden. So sind in NoVa bereits 600 Datenzentren in Betrieb, darunter 150 sogenannte „Hyperscale“-Megazentren. Diese werden unter anderem für Cloud Computing und die Entwicklung von ChatBots sowie anderen KI-Anwendungen benutzt.

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Gegen den Trend stemmen sich aber zahlreiche Bürgerinitiativen, und zwar seit Jahren. Größtenteils aber ohne Erfolg. Davon weiß Ellen Schlossberg zu berichten, Direktorin der „Koalition zum Schutz von Prince William County“. Schlossberg fürchtet wie auch andere, dass die Tech-Unternehmen das Netz des einzigen Virginia Stromversorgers Dominion Power überfordern werden.

„Wir haben auch ohnedies genügend Stromausfälle, das könnte nun Familien unzumutbar und so gesundheitsgefährdend werden“, sagt sie. Ihre Organisation habe alle rechtlichen Schritte unternommen, um den Durchmarsch der Silicon Valley Konzern zu bremsen. „Das hat aber alles nicht genützt, die haben uns mit ihrem endlosen Geld, ihren Anwälten und Lobbyisten einfach niedergeschmettert“.   

Anders schätzen Advokaten für die Silicon Valley Unternehmen die Lage ein. Ali Fenn ist Präsidentin des Unternehmens Lancium. Dieses kauft unerschlossenes Bauland für die Entwicklung von neuen KI-Zentren und AKWs, die diese betreiben. Fenn meint, dass „die Vorherrschaft in Sachen KI ein Kampf ums Überleben ist“. Hinzu komme, dass gerade angesichts des Duells mit China „die nationale und wirtschaftliche Sicherheit der USA auf dem Spiel steht“. Da könne es eben Kollateralschäden geben, wenn notwendig auch in der Form von Haushalten, die dann ihren Strom verlieren.