Und schon wieder wird sich die Eröffnung eines Großprojektes in Deutschland verzögern. Der Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofes vom Kopfbahnhof zu einem unterirdischen Durchgangsbahnhof – genannt Stuttgart 21 – wird nicht zeitgerecht vonstattengehen. Anders als noch im Sommer kommuniziert, wird die für Dezember 2026 geplante Teileröffnung des neuen Bahnhofs für den Fernverkehr nicht stattfinden. Der gesamte Zugverkehr – Regional- und Fernverkehr – wird noch im Jahr 2027 auf den alten, oberirdischen Gleisen stattfinden.

Die Entscheidung zur Verschiebung ist mehreren Medien aus Informationen von Projektpartnern zugespielt geworden, die sich regelmäßig zu einem sogenannten Lenkungskreis Stuttgart 21 treffen. Ein neuer Eröffnungstermin steht noch nicht fest. Hintergrund für die erneute Verzögerung sollen laut Informationen des SWR Probleme mit der Zulassung von digitaler Bahntechnik sein, die der japanische Hersteller Hitachi liefern sollte.

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#4 Cem Özdemir über die Bedrohung durch Erdogans Anhänger
Meine schwerste Entscheidung
 

Eröffnung von Stuttgart 21: Deutsche Bahn spricht von „erhärteten Terminrisiken“

In einer Mitteilung der Deutschen Bahn heißt es nun, man habe den Aufsichtsrat schon im September informiert, dass es im Bezug auf das Projekt und insbesondere auf die Inbetriebnahme gewisse „Terminrisiken“ gebe: „Diese haben sich insbesondere im Bereich Entwicklung und Zulassung bei unserem Auftragnehmer sowie bei der Freigabe von Planungen ergeben.“

Die genannten Terminrisiken hätten sich nun „in einer so bisher nicht vorhersehbaren Dimension erhärtet und werden nun mit dem Aufsichtsrat bewertet“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Man wolle der Diskussion nicht vorgreifen und werde die Öffentlichkeit informieren, sobald es neue Entwicklungen gebe.

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Cem Özdemir zu verschobener Eröffnung: „Salamitaktik nicht mehr tragbar“

Beim Grünen-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Baden-Württemberg, Cem Özdemir, stoßen die Verzögerungen auf Kritik: „Das klingt wie Hohn“, sagte er unserer Redaktion. „Diese ewige Salamitaktik ist nicht mehr tragbar, die Folgen für die Fahrgäste kaum vermittelbar.“

Özdemir betonte: „In einem gemeinsamen Kraftakt hat das Land mit den Projektpartnern in den letzten Monaten vieles versucht, um die Belastungen für die Fahrgäste in den kommenden Monaten so gering wie möglich zu halten.“ Das scheint nach wenigen Wochen schon wieder Makulatur zu sein. „Dieses Projekt ist ein Fass ohne Boden“, sagte der frühere Bundeslandwirtschaftsminister und bemängelte fehlende „Planungssicherheit für Stadt und Land“.

Auch Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), äußerte sich tief enttäuscht über die Bahn: „Das letzte bisschen Vertrauen in die Bahn wird mit dieser Ankündigung verspielt“, sagte er der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“. Noch vor einem Monat habe die Bahn dem Ministerium den Eröffnungstermin in 2026 bestätigt. „Wir fühlen uns getäuscht.“ Man wolle jetzt keinen neuen Termin ohne Substanz.

Deutsche Bahn: Stuttgart-21-Kosten liegen bei fast 12 Milliarden Euro

Die neueste Verzögerung ist eine von vielen. Der Baubeginn für Stuttgart 21 – das den Bahnknoten neu ordnet und auch einen Fernhalt am Flughafen umfasst – war im Februar 2010 gewesen. Noch in einer Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund, Bahn, Stadt und Land Baden-Württemberg war die Eröffnung für „spätestens 2019“ vorgesehen gewesen. Mehrfach hat die Bahn ihre Eröffnungsprognose verschieben müssen. Auch die Kosten sind längst aus dem Ruder gelaufen, sie waren ursprünglich auf drei Milliarden Euro veranschlagt worden. Jetzt liegen sie bei 11,45 Milliarden Euro – fast das Vierfache.

Mit der Bahn hatte sich das Land Baden-Württemberg kürzlich über die Übernahme von Mehrkosten gestritten, wobei das Land vor dem Verwaltungsgerichtshof des Landes einen Sieg erringen konnte. Fertig ist bisher immerhin eine zu Stuttgart 21 gehörende Hochgeschwindigkeitsstrecke von Wendlingen nach Ulm. In der Landeshauptstadt herrschte am Mittwoch zunächst fassungslose Sprachlosigkeit wegen der erneuten Verschiebung. „Ein Trauerspiel“, bemerkten lokale Medien.

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In der Innenstadt von Stuttgart klafft immer noch die Wunde der riesigen Bahnhofsbaustelle. Fußgänger sind zu massiven Umwegen gezwungen. Der Weg zu den Gleisen von S- und U-Bahn beträgt mehr als einen halben Kilometer, eine für jeden Bahnhof übliche Ladenzeile gibt es in Stuttgart nicht, nur provisorische Verkaufsbuden. Der alte Bonatz-Bau – das Herzstück des Bahnhofs – ist noch nicht betretbar, sondern eingerüstet. Und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Für die Bahn ist die Investition in Stuttgart 21 derzeit das zweitgrößte Bauvorhaben nach der Sanierung ihres Hochleistungsnetzes.