Vor diesem Deal hat die US-Kino-Branche lange Angst gehabt – jetzt ist er da: Der Streaming-Riese Netflix verleibt sich mit Warner Brothers ein seit einem Jahrhundert bekanntes Hollywood-Traditionsstudio ein. Der Deal, den beide Häuser am Freitagmorgen bekanntgaben, sieht ein Finanzvolumen von rund 82 Milliarden Dollar vor. 60 Milliarden Dollar besorgt sich Netflix durch ein Bankenkonsortium. Durch das Geschäft, das noch erhebliche kartellrechtliche Hürden nehmen muss, bekäme Netflix beliebte und umsatzstarke Film-Figuren wie Batman, Harry Potter und Fred Flintstone ins Verwertungsprogramm.

Der berühmte Wasserturm im  The Warner Bros. Studio in Burbank: Netflix lässt sich die Übernahme mehr als 82 Milliarden Dollar kosten.
Der berühmte Wasserturm im The Warner Bros. Studio in Burbank: Netflix lässt sich die Übernahme mehr als 82 Milliarden Dollar kosten. © AFP | Mario Tama

Neben Netflix waren bis zuletzt auch Comcast und Paramount im Bieterwettbewerb. Für Paramount, geführt von dem 42-jährigen David Ellison, Spross des Oracle-Milliardärs und Trump-Freundes Larry Ellison, ist der Ausgang der Verhandlungen eine schwere Niederlage. Er wollte nach dem Erwerb von Paramount durch die Integration von Warner, wozu auch die TV-Kabelkanäle CNN und TNT gehören, ein Medien-Gigant werden. Der Vorstand von Warner Bros. um CEO David Zaslav lehnte die Angebote von Paramount jedoch als zu niedrig ab.

Netflix schluckt Warner Brios.: Jetzt zittert Hollywood

Viele Akteure in Hollywood haben Bauchschmerzen mit dem Deal. Cinema United erklärte in einer Stellungnahme über Nacht, dass „die geplante Übernahme von Warner Bros. durch Netflix eine beispiellose Bedrohung für das globale Kinogeschäft darstellt“. Die negativen Auswirkungen dieser Übernahme würden sich auf Kinos auswirken, „von den größten Ketten bis hin zu unabhängigen Einzelsälen in Kleinstädten in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt“, sagte Michael O‘Leary, Präsident und CEO von Cinema United.

Seine Kritik: Das von Netflix verfolgte Geschäftsmodell unterstütze nicht primär die Kinoauswertung von Filmen. O‘Leary rief die Kartellbehörden auf, alle Einzelheiten der geplanten Transaktion genau zu prüfen und sich über die „negativen Auswirkungen auf Verbraucher, Kinoauswertung und die Unterhaltungsindustrie im Klaren zu sein.“

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Dahinter stehen gigantische Zahlen. Netflix hat weltweit mehr als 300 Millionen Streaming-Abonnenten. Und mit HBO Max (Teil von Warner) würde die Basis des Unternehmens auf mehr als 420 Millionen Abonnenten ansteigen – weltweit hat kein Premium-Video-on-Demand-Streaming-Dienste mehr.

Sollte Netflix vor den Kartellbehörden scheitern, wäre eine Milliardenzahlung fällig

Warum kauft Netflix Warner Bros. und HBO? „Vor allem wegen des Flusses neuer Inhalte, der den Großteil der Netflix-Nutzung ausmacht“, sagte der Analyst Peter Supino dem Magazin „Hollywood Reporter” Die 2024 veröffentlichten Inhalte machten nur etwa fünf Prozent der Titel auf Netflix aus, sorgten aber für über 20 Prozent der Netflix-Nutzung. Was illustriere, dass die Netflix-Nutzung steigt/sinkt, wenn die Ausgaben für Inhalte steigen/sinken.

Netflix versuchte den Bedenken vor einer neuen Machtzusammenballung mit dem Hinweis zu begnen, dass man den aktuellen Betrieb von Warner Bros. „einschließlich der Kinoveröffentlichungen von Filmen“ aufrechterhalten, will.

Sollte das Mega-Geschäft an den Kartellaufsehern scheitern, geht Warner kein Risiko ein. Im Gegenteil. Dann würde bei Netflix eine Strafzahlung von rund sechs Milliarden Dollar fällig. Geld genug, um etwa 20 Blockbuster-Filme zu drehen.