Schlanker und schneller ist das Leitmotiv der neuen Bahnchefin Evelyn Palla. „Wir stellen die Deutsche Bahn vom Kopf auf die Füße“, kündigt sie an und will Entscheidungen aus der Zentrale in die einzelnen Geschäftsbereiche verlagern. Im Bahntower steht damit ein radikaler Personalabbau an. Statt bisher 43 Organisationseinheiten unterhalb des Vorstands wird es künftig nur noch 22 geben. Mehr als 1000 der bislang 3500 Stellen werden wohl gestrichen. Den betroffenen Mitarbeitern sollen über den konzernweiten Arbeitsmarkt neue Tätigkeiten angeboten werden.
Auch gibt es weniger Vorstandsposten. Der Konzernvorstand umfasst nur noch sechs statt acht Ressorts, im Regional- und Fernverkehr entfällt je ein Posten, die Infrastruktur verliert zwei Vorstände. Den Kunden sei es egal, wie viele Vorstände die Bahn hat, sagt Palla. Ihnen komme es auf die Qualität der Leistungen an. Darüber will Palla selbst wachen. Die Pünktlichkeit und die Wirtschaftlichkeit steuert die Chefin selbst.
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Bahn-Pünktlichkeit bleibt niedrig: Ziele für 2024 deutlich reduziert
Alle zwei Wochen überprüft Palla die Pünktlichkeit, und die Quellen der Verspätungen werden analysiert. Für welche Verzögerungen ist das Netz verantwortlich, welche verursachen die Transportunternehmen. Dabei gibt sich Palla keinen Illusionen hinsichtlich einer schnellen Qualitätsverbesserung hin. Im kommenden Jahr strebt sie eine stabile Pünktlichkeitsquote von 60 Prozent an. Bis 2029 soll der Wert auf 70 Prozent steigen. Die Ziele liegen deutlich unterhalb der vom alten Bahnvorstand genannten. In diesem Jahr sollten mehr als 65 von 100 Zügen pünktlich unterwegs sein. Tatsächlich ist die Quote auf etwas mehr als 50 Prozent abgerutscht. Als Grund dafür nennt Palla einen schneller als erwartet verlaufenden Verschleiß des Netzes.
Trotz des überlasteten Netzes und der dadurch mitverursachten Störungen will Palla den Umfang des Angebots aufrechterhalten. Verkehre ließen sich nicht per Federstrich ausdünnen, sagt sie. Der Regionalverkehr werde beispielsweise von den Ländern bestellt. Darauf habe die DB keinen Einfluss. Auch müssten aufgegebene Verbindungen für andere Transportunternehmen offen stehen.

Bahn investiert 140 Millionen Euro in besseren Kundenservice
Für die Kunden hat Palla zum Jahresende aber auch eine positive Aussicht parat. Die Bahn investiert ab Januar 140 Millionen Euro in einen besseren Service im Zug, mehr Sicherheit an den Stationen, saubere Züge sowie eine verlässlichere Information der Fahrgäste. Die Bordgastronomie soll ebenso wie die Toiletten im Zug zuverlässiger funktionieren. Dabei dünnt die Bahn mit dem anstehenden Fahrplanwechsel in einigen Regionen den Verkehr durchaus aus und streicht wenig genutzte Züge.
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Übergeordnete Konzernprogramme wie das laufende Sanierungsprogramm S3 wird es nicht mehr geben. Stattdessen sollen alle Entscheidungen möglichst dezentral fallen. Was das konkret bedeutet, zeigt das Beispiel der Infrastrukturgesellschaft InfraGO. Dort ist bisher ein Vorstand für das Bauen im Schienennetz verantwortlich, ein anderer für den Fahrbetrieb. Beide haben naturgemäß unterschiedliche Interessen: der eine will möglichst viel reparieren oder instand halten, der andere einen möglichst pünktlichen Verkehr erwirken. Künftig soll nur ein Manager beide Aufgaben wahrnehmen und so eine bessere Abstimmung von Schienensperrungen und Betrieb erreichen. Gleiches geschieht bei den regionalen Netzen.
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Nach diesem Prinzip will Palla den gesamten Konzern nach unsinnigen Doppelstrukturen durchforsten. Damit will sie im kommenden Sommer fertig sein. Bis zum Jahresende will die Bahnchefin den Umbau dann abschließen. „Es ist vielleicht die größte Transformation in der Bahngeschichte“, sagt Palla. Die Unterstützung dafür ist zumindest aktuell groß. Beide Bahngewerkschaften stützen ihren Kurs. Der Aufsichtsrat habe den Plänen „voll zugestimmt“, erläutert sie.
Güterverkehr droht die Zerschlagung: Sanierung unter Zeitdruck
Außen vor beim Umbau bleibt in den kommenden Wochen noch die kriselnde Cargosparte. Deren neuer Chef Bernhard Osburg erarbeitet gerade ein Sanierungsprogramm für den Güterverkehr. Ende Dezember sollen die Grundzüge vorliegen. Anschließend wird ein Gutachter den Plan auf seine Tauglichkeit hin prüfen. Dessen negatives Urteil über die Sanierungsvorhaben der abgelösten Chefin Sigrid Nikutta haben letztlich zur Trennung von ihr geführt.
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Bei der hochdefizitären Cargosparte drängt die Zeit. Bisherige Verluste hat der Konzern per Kredit ausgeglichen. Das hat die EU-Kommission zwischenzeitlich untersagt. So muss der Güterverkehr bis Ende des kommenden Jahres in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Sonst droht dem Geschäftsbereich die Zerschlagung.
Neben dem Dauerbrenner Pünktlichkeit steht eine bessere wirtschaftliche Bilanz ganz oben auf der Wunschliste des Vorstands. Laut Palla wird das operative Ergebnis des Konzerns zwar sowohl in diesem als auch dem kommenden Jahr schwarze Zahlen beinhalten. Doch unter dem Strich bleibt die Bahn im roten Bereich.
Große Versprechen sind nicht die Sache der neuen Bahnchefin. Entsprechend zurückhaltend bleibt sie auch mit Blick auf das große Prestigeprojekt Stuttgart 21. Dessen Eröffnung wurde kürzlich wieder einmal verschoben. Einen neuen Termin will Palla noch nicht nennen. „Wir wollen erst einmal eine lückenlose Aufklärung vornehmen“, sagt sie. Das Vorhaben hakt an der geplanten Digitalisierung des Knotenbahnhofs. Unter anderem will die Bahn prüfen, ob das damit beauftragte Unternehmen Hitachi dafür leistungsfähig genug ist.




