Während sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos Staats- und Regierungschefs sowie die mächtigsten Wirtschaftslenker der Welt versammeln, kommt der ungewöhnliche Protest ausgerechnet aus den Reihen der Superreichen selbst. Fast 400 Millionäre und Milliardäre aus 24 Ländern fordern die politische Weltelite auf, endlich höhere Steuern für extrem Vermögende einzuführen – und formulieren dabei eine klare Botschaft: „Besteuert uns! Besteuert die Superreichen!“

In einem offenen Brief, der pünktlich zum Beginn des Weltwirtschaftsforums veröffentlicht wurde, warnen die Unterzeichner vor den Folgen wachsender Vermögensungleichheit und der zunehmenden Macht einer kleinen globalen Elite. „Millionäre wie wir weigern sich zu schweigen. Es ist Zeit, dass wir uns Gehör verschaffen. Besteuert uns und sorgt dafür, dass die nächsten fünfzig Jahre das Versprechen des Fortschritts für alle einlösen“, heißt es in dem Schreiben.

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Der Brief richtet sich direkt an die Staats- und Regierungschefs, die in Davos über die wirtschaftliche und politische Zukunft der Welt beraten. Die Autoren zeichnen ein düsteres Bild: „Extremer Reichtum hat zu extremer Macht geführt – für diejenigen, die mit unserer sicheren Zukunft für ihre obszönen Gewinne spielen. Jetzt ist es an der Zeit, diese Macht zu beenden und unsere Zukunft zurückzugewinnen.“

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Prominente Namen unter den Unterzeichnern

Zu den Unterzeichnern zählen bekannte Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Neben dem Immobilienunternehmer Jeffrey Gural gehören auch die Disney-Erben Abby und Tim Disney sowie Hollywood-Schauspieler Mark Ruffalo zu den Unterstützern. Gemeinsam kritisieren sie eine Wirtschaftsordnung, in der Vermögen an der Spitze immer weiter anwächst, während soziale Ungleichheit und politische Spannungen zunehmen.

Der Appell ist Teil der internationalen Kampagne „Time to Win“, die unter anderem von den Organisationen „Patriotic Millionaires“, „Millionaires for Humanity“ und „Oxfam“ getragen wird. Ziel ist eine gerechtere Verteilung von Vermögen durch progressive Besteuerung. In dem Brief heißt es, globale Oligarchen hätten Demokratien „aufgekauft“, Armut verschärft, die Pressefreiheit eingeschränkt und „den Niedergang unseres Planeten beschleunigt“. Eine von „Patriotic Millionaires“ zitierte Umfrage unter Millionären aus G20-Staaten untermauert diese Kritik: Demnach glauben 77 Prozent, dass extrem Reiche politischen Einfluss kaufen können, 71 Prozent sind überzeugt, dass sie Wahlen maßgeblich beeinflussen.

Die Forderung nach höheren Steuern kommt nicht aus dem Nichts. Immer wieder äußern sich auch Prominente kritisch über den Umgang mit gigantischem Reichtum. Musikerin Billie Eilish sorgte im vergangenen Jahr für Aufsehen, als sie bei den WSJ Magazine Innovator Awards sagte: „Wenn du Milliardär bist, warum bist du dann Milliardär? Nichts gegen dich, aber ja, verschenkt euer Geld, ihr Kleinen.“ Im Publikum saß damals auch Meta-Chef Mark Zuckerberg.