Wer jahrzehntelang unfallfrei durch den Verkehr navigiert hat, kann sich oft im Alter auf eine überraschende Quittung gefasst machen. Und das von der eigenen Versicherung. Denn mit zunehmendem Alter steigen oft die Beiträge für die Kfz-Versicherung deutlich. Wie lange und unfallfrei jemand gefahren ist, spielt hingegen nur eine kleine Rolle. Das zeigt eine neue Modellrechnung des Vergleichsportals Verivox, die dieser Redaktion vorab vorliegt.

Die steigenden Kosten für die Versicherung treffen Seniorinnen und Senioren in einer ohnehin angespannten Lage. Kfz-Versicherungen sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden – schneller als die allgemeine Inflation und schneller als viele Autofahrende erwartet hätten. Gestiegene Werkstattkosten und teurere Ersatzteile treiben die Schadenssummen seit Jahren in die Höhe, was sich in den Beiträgen zeigt. Für Ältere kommt der Altersaufschlag noch obendrauf.

Warum zahlen ältere Autofahrende mehr?

Die Analyse von Verivox zeigt: Wer mit 85 Jahren hinterm Steuer sitzt, zahlt für die Versicherung desselben Wagens, in derselben Stadt, mit derselben unfallfreien Bilanz mehr als doppelt so viel wie jemand, der drei Jahrzehnte jünger ist. In den Berechnungen von Verivox beträgt der Unterschied 172 Prozent. Beim 75-Jährigen seien es immerhin noch 69, beim 65-Jährigen 14 Prozent Unterschied im Vergleich zu einem 55-Jährigen. Der Aufschlag beginnt also nicht erst im hohen Alter, sondern setzt schon früher ein.

„Für viele Seniorinnen und Senioren sind die Zuschläge schwer nachvollziehbar“, sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer von Verivox Versicherungsvergleich, dieser Redaktion. „Versicherer kalkulieren jedoch rein risikobasiert. Statistisch steigt im hohen Alter die Wahrscheinlichkeit schwerer Unfälle wieder an.“ Das schlage sich in den höheren Beiträgen nieder. Eine makellose Fahrhistorie ändert daran wenig. Sie kann den Effekt etwas abmildern, hebt ihn aber nicht auf.

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Hilft es, das Auto über die Kinder zu versichern?

Ein naheliegender Gedanke ist, das Auto auf ein jüngeres Familienmitglied umzumelden. Der Senior fährt weiter und ist auch weiterhin im Vertrag eingetragen. Der Beitrag jedoch sinkt, da nicht mehr sein Alter als Berechnungsgrundlage dient. So weit die Theorie. In der Praxis hängt der tatsächliche Vorteil davon ab, wie der Vertrag gestaltet ist.

Eine ältere Frau fährt Auto
Gerade für ältere Autofahrerinnen und Autofahrer können die Versicherungsbeiträge teuer werden.© Getty Images | Halfpoint

Läuft das Fahrzeug als Zweitwagen des Kindes, beginnt dessen Versicherungsgeschichte in der Regel bei null (Schadenfreiheitsklasse SF ½), also eine schlechte Ausgangslage. Unter diesen Bedingungen ist die Einsparung minimal: Verivox errechnet für einen 85-Jährigen gerade einmal 16 Euro im Jahr.

Was ist die Schadenfreiheitsklasse – und warum ist sie so wichtig?

Was den Unterschied macht, ist die Übertragung der aufgebauten Schadenfreiheitsklasse. Diese ist gewissermaßen das Gedächtnis der Versicherung: Unterteilt ist sie von 1 bis 50. Die Zahl richtet sich danach, wie viele Jahre jemand unfallfrei gefahren ist, und belohnt dies mit niedrigeren Beiträgen.

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Wie lässt sich damit Geld sparen?

Man kann den Vorteil der Schadenfreiheitsklasse an jüngere Familienmitglieder weitergeben. Übernommen werden können dabei so viele Jahre, wie die jüngere Person im Besitz eines Führerscheins ist. Wer seit 20 Jahren fährt, kann also maximal 20 Jahre übernehmen. Mit dieser Übertragung verändert sich die Rechnung spürbar. Das zeigt auch die Berechnung des Vergleichsportals Verivox: Für einen 75-jährigen Modellfahrer sinkt der Beitrag durch die Übertragung um rund 17 Prozent, das entspricht knapp 163 Euro jährlich. Beim 85-Jährigen sind es über 50 Prozent – mehr als 800 Euro weniger im Jahr.

Den größten Effekt erzielt, wer Versicherung, Zulassung und Schadenfreiheitsklasse gemeinsam überträgt: Dann sind es für den 85-Jährigen knapp 917 Euro (60 Prozent), für den 75-Jährigen gut 280 Euro (30 Prozent) weniger gegenüber der Versicherung auf den eigenen Namen.

Die Berechnungen von Verivox beruhen auf einem Berliner Modellfahrer mit einem VW Golf VIII 1.0 TSI mit einer jährlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometern und sind abgesehen vom Alter und der Schadenfreiheitsklasse identisch.

Lohnt sich das für alle?

Nicht unbedingt. Wer erst 65 ist, sollte diese Rechnung vor dem Handeln aufmerksam prüfen. „Der altersbedingte Zuschlag fällt hier meist noch moderat aus, gleichzeitig verfügen viele über eine sehr hohe Schadenfreiheitsklasse“, sagt Ziller. „Eine Übertragung kann den Versicherungsbeitrag dann sogar erhöhen.“

Auch für ganz frische Fahranfänger lohnt sich die Übertragung ebenfalls nicht wirklich, da nur die gleiche Anzahl von Jahren übernommen werden kann, wie der Empfänger den Führerschein besitzt. Wer also erst seit ein paar Jahren fährt, kann auch nur wenige Jahre übernehmen.

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Wie funktioniert die Übertragung?

Der Antrag auf Übertragung läuft über die eigene Kfz-Versicherung. Die Anbieter haben dafür meist ein eigenes Formular. Die Übertragung ist oft nur innerhalb der Familie möglich. Hierzu gehören Kinder, Enkel, Ehepartner, und meistens sind auch Lebenspartnerschaften inbegriffen. Einige Versicherungen verlangen, dass die Versicherten im selben Haushalt leben. Wichtig ist weiterhin, dass die Übertragung endgültig ist.

Die Schadenfreiheitsklasse lässt sich in vielen Fällen auch übertragen, wenn die Fahrerinnen und Fahrer bei verschiedenen Versicherungen sind. Der Empfänger kann also die übertragenden Jahre „mitnehmen“. Hier lohnt sich also ein genauer Blick in die Bedingungen der eigenen Versicherung.