Kunden der Deutschen Bahn können im Fernverkehr auf mehr intakte Toiletten und gefüllte Vorratsschränke in den Bordbistros hoffen. Das ist eine von zwei guten Nachrichten aus dem Unternehmen an diesem Freitag. Mit einem Sofortprogramm sollen die Züge sauberer und das gastronomische Angebot zuverlässiger werden. „Rund 20 Millionen Euro nehmen wir für mehr Sauberkeit, ein verlässlicheres Gastroangebot und eine höhere Verfügbarkeit von Bordanlagen in diesem Jahr zusätzlich in die Hand“, sagt Vorstand Michael Peterson. „Die Fahrgäste werden feststellen: Es tut sich was in den Fernverkehrszügen, und zwar rasch.“
Damit setzt das staatseigene Unternehmen eine Forderung von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) um. „Wir verbessern, was verbessert werden muss“, kündigt der Minister an.
Deutsche Bahn: Unternehmen schickt mehr mobile Reinigungskräfte durch die Züge
Die Bahn will das Personal verdoppeln, das während der Fahrt Abfall beseitigt und Toiletten reinigt. Auf den viel genutzten Strecken werden den Angaben zufolge damit 220 mobile Reinigungskräfte unterwegs sein. Zudem sollen an den großen Knotenbahnhöfen Sonderreinigungsteams warten, die sich die Teppiche in wöchentlich 60 ICE-Zügen vornehmen. Der Minister und die Bahn versprechen auch mehr Komfort. Gemeint ist damit eine verlässlichere Bordgastronomie.

Die Logistik bei der Zulieferung von Speisen und Getränken soll verbessert werden, damit die Vorräte nicht während der Fahrt ausgehen. Das ist bisher sehr häufig der Fall, was die Kunden insbesondere auf langen Strecken regelmäßig frustriert. Vor allem sollen künftig Kaffeetrinker nicht mehr leer ausgehen. Die anfälligen Kaffeemaschinen fallen zu häufig aus. Künftig werden Fachleute an den wichtigsten Knotenbahnhöfen in Frankfurt, Hamburg, München und Berlin stationiert. Neben den Reparaturarbeiten im Bistro sollen sie auch Schäden an den Zugtoiletten beheben.
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Das Programm mit dem Namen „Mehr Komfort in den Zügen des Fernverkehrs“ ist eines von dreien, mit denen das Unternehmen die Kundenzufriedenheit erhöhen und seinen lädierten Ruf aufpolieren will. Damit wird ein Teil der Bahn-Agenda Schnieders umgesetzt. Da es der Bahn nicht gelingen kann, kurzfristig die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit im täglichen Verkehr deutlich zu verbessern, setzt der Minister an Punkten an, die den Fahrgästen direkt zugutekommen.
Vor wenigen Wochen war bereits ein Sonderprogramm an den Bahnhöfen gestartet. Diese sollen sauberer und sicherer werden. Auch dafür wird deutlich mehr Personal eingesetzt. Zudem sollen doppelt so viele Bahnhöfe wie im Vorjahr einen Frühjahrsputz erhalten, nämlich 1400 statt 700. Das dritte Sonderprogramm soll die Kundeninformation bei Verspätungen und Gleiswechseln verbessern. Wann das kommt, ist aber noch offen.
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Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßte die jüngsten Ankündigungen aus dem Unternehmen. „Das ist sicherlich ein wichtiger Zusatznutzen“, sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann auf Anfrage unserer Redaktion. Es sei sinnvoll, dass die Bahn künftig unterwegs mehr Reinigungspersonal einsetzen und der Gastronomie mehr Aufmerksamkeit schenken wolle. „Es ist wichtig, dass ich mich als Reisender auf das Bistro verlassen kann“, sagte Naumann.
DB-Konzern: Management und Lokführer-Gewerkschaft einigen sich auf Tarifvertrag
Eine gute Nachricht für die Fahrgäste kommt überdies von den Tarifparteien bei der Bahn: Es wird in diesem und auch im kommenden Jahr keine Bahnstreiks geben. Die DB und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) einigten sich nach wochenlangen Verhandlungen auf einen neuen Tarifvertrag.
Die Tarifverhandlungen waren ungewohnt ruhig verlaufen. Erstmals seit 2018 konnte so ein Abschluss ohne Warnstreiks erreicht werden. Das hat wohl vor allem mit einem Führungswechsel bei der GDL zu tun. Der frühere Vorsitzende Claus Weselsky setzte auf eine verbal aggressive Strategie, beschimpfte die Arbeitgeber öffentlich als „Nieten in Nadelstreifen“ und setzte sie mit Warnstreiks unter Druck. Nachfolger Mario Reiß meidet dagegen das öffentliche Spektakel. Beide Seiten hatten zu Beginn Verschwiegenheit über den Stand der Verhandlungen vereinbart. Sie hielten sich daran.

Die neue Strategie hatte Erfolg. Die Lokführer erhalten in zwei Stufen fünf Prozent mehr Lohn. Dazu gibt es im April für rund 10.000 Beschäftigte eine Einmalzahlung in Höhe von 700 Euro. Darüber hinaus setzte die GDL einige strukturelle Änderungen im Tarifwerk durch. So wird eine neue Entgeltgruppe für Beschäftigte mit mehr als 35 Berufsjahren eingeführt. Auch bei den Zulagen gibt es mehr Geld. Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt 24 Monate. Das bedeutet eine streikfreie Zeit wenigstens bis Ende 2027. Dann endet die Laufzeit des Tarifvertrags der größeren Bahngewerkschaft EVG. Für die nächste Runde zwischen GDL und Bahn wurde ein ähnliches Verfahren wie in diesem Jahr vereinbart. Nach Ablauf des Vertrags beginnt eine dreimonatige Friedenspflicht. Diese Zeit soll für eine Verhandlungslösung genutzt werden.

An anderer Stelle im Bahnkonzern sorgt derweil eine Personalie für Aufregung. Einer Meldung der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge muss die erst vor drei Monaten eingestellte Finanzvorständin Karin Dohm das Unternehmen schon wieder verlassen. Sie soll sich mit dem Konzernbetriebsrat überworfen haben. Dohms Abberufung solle demnächst auf einer Aufsichtsratssitzung auch formal beschlossen werden, hieß es. Laut „Spiegel“ hat Dohm Anspruch auf eine hohe Abfindung, diese dürfte demnach zwei Jahresgehälter betragen.


