Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat vor weltweiten ökonomischen Folgen der Eskalation im Nahen Osten gewarnt. „Der Konflikt im Nahen Osten hat das Potenzial, die geopolitischen Kräfteverhältnisse nachhaltig zu verschieben“, sagte Grimm dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Wie stark und in welche Richtung, hänge von den Entwicklungen der kommenden Monate ab. „Klar ist jedoch: Wir müssen uns auf eine längere Phase erhöhter Unsicherheit einstellen.“
Zu befürchten seien die Folgen steigender Öl- und Gaspreise, so die Ökonomin. „Ein erneuter Energieschock würde eine Wirtschaft belasten, die sich noch immer von den vergangenen Preissprüngen erholt“, sagte Grimm. Doch nicht nur hohe Spritpreise stellten ein Problem dar. Besonders betroffen von neuerlichen Preissprüngen seien auch Branchen wie Chemie, Stahl, Glas oder Papier, erklärte Grimm. „Eine längere Eskalation oder gar eine Störung zentraler Transportwege könnte darüber hinaus neue Lieferkettenprobleme verursachen.“
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Ölpreise steigen nach Schließung der Straße von Hormus deutlich an
Am Wochenende hatten die USA und Israel den Iran angegriffen. Teheran hat daraufhin die Straße von Hormus geschlossen, die den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer verbindet. Mindestens 150 Tanker, darunter etliche Schiffe mit Öl und Flüssiggas, sollen in den offenen Gewässern vor Anker liegen. Rund ein Fünftel der weltweiten Ölnachfrage wird normalerweise mit Schiffen durch die Straße von Hormus transportiert. Die Preise für Öl und Gas sind seit dem Wochenende daher stark gestiegen: Allein der Referenzpreis für Erdgas stieg bis Montagmittag um rund 50 Prozent. Rohöl wurde über das Wochenende um etwa 10 Prozent teurer.
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Konkret bedeutet das: Am Montag war Super E10 mit 1,83 Euro pro Liter um 6,1 Cent teurer als am Freitag, dem letzten Tag vor der Eskalation im Nahen Osten. Und: Laut ADAC waren die Montags-Tagesdurchschnitte von 1,83 Euro pro Liter Super E10 und 1,81 Euro pro Liter Diesel die höchsten Werte seit rund zwei Jahren. Super E10 war zuletzt im Mai 2024 teurer, Diesel zuletzt im Oktober 2023.

Auch der Preis für europäisches Erdgas ist seit dem Angriff auf den Iran deutlich gestiegen und erreichte den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Ein wichtiger Grund: Seit Beginn der Woche sind Exporte von LNG-Flüssiggas aus Katar gestoppt. Am Montag wurde eine wichtige Anlage zum Export von LNG-Flüssigas nach einem iranischen Drohnenangriff stillgelegt.
Grimm: Widerstandsfähige Versorgung anstreben
„Für Europa bedeutet das: steigende Energiekosten, wachsende Inflationsrisiken und zusätzliche Investitionsunsicherheit“, sagte Grimm, die seit 2020 im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sitzt, auch bekannt als die „Wirtschaftsweisen“.
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Kurzfristig gehe es darum, die Energiemärkte zu stabilisieren und extreme Preisschwankungen zu begrenzen. Grimm forderte zugleich: „Mittelfristig bleibt die strategische Aufgabe, Europas Energieversorgung widerstandsfähiger zu machen – durch diversifizierte Lieferketten, gut gefüllte Speicher, koordinierte europäische Beschaffung und einen beschleunigten Ausbau der eigenen Energieversorgung, gemeinsam mit unseren Nachbarn in Europa.“







