Während hierzulande weiterhin über stark steigende Benzinpreise und mögliche Gegenmaßnahmen diskutiert wird, haben andere europäische Staaten bereits Konsequenzen aus früheren Preisschwankungen gezogen – und Modelle zum besseren Schutz der Verbraucher eingeführt. Dazu zählen etwa die sogenannte 12-Uhr-Regel in Österreich mit nur einer täglichen Preiserhöhung oder ein staatlich festgelegter Einheitspreis wie in Luxemburg. Diese Ansätze sollen Autofahrern mehr Planungssicherheit geben. Ein Überblick:
12-Uhr-Regel in Österreich: Preiserhöhung nur einmal täglich
In Österreich wurde die Spritpreisverordnung des Bundesministers für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft kürzlich bis zum 31. Dezember 2028 verlängert. Kern der Regelung ist, dass Tankstellen ihre Preise pro Tag nur einmal um exakt 12 Uhr erhöhen dürfen. Preissenkungen sind hingegen jederzeit und beliebig oft möglich.
Für Verbraucher bedeutet die Regelung vor allem mehr Planungssicherheit. Vor 12 Uhr gilt in der Regel noch der Preis des Vortages, sodass kurzfristige Preiserhöhungen am Morgen ausbleiben. Nach dem Mittag bleiben die Preise meist stabil oder sinken im Tagesverlauf.
Tankstellen müssen jede Preisänderung an die Regulierungsbehörde E-Control melden. Diese Daten fließen in den offiziellen Spritpreisrechner ein, über den Verbraucher online die günstigsten Tankstellen in ihrer Umgebung finden können.
Staatliche Höchstpreise in Luxemburg
In Luxemburg ist der Kraftstoffmarkt deutlich stärker reguliert. Die Regierung legt verbindliche Höchstpreise für Benzin, Diesel und Heizöl fest. Tankstellen dürfen diese Preise unterschreiten, jedoch nicht überschreiten. Dadurch bleiben die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Stationen im Land gering. Anpassungen der Preise erfolgen in der Regel um Mitternacht. Die Ausfuhr nach Deutschland ist neben einem vollen Haupttank nur mit einem 10-Liter-Reservekanister für den Eigenbedarf abgabenfrei erlaubt.
Frankreich setzt auf Transparenz
In Frankreich werden die Änderungen der Benzinpreise transparent veröffentlicht. Tankstellen sind verpflichtet, jede Preisänderung umgehend in einer staatlichen Datenbank zu melden. Der Schwerpunkt liegt weniger auf dem Zeitpunkt einer Preiserhöhung, sondern auf der Kontrolle der Margen durch das Finanzministerium, das ungerechtfertigte Preissprünge verhindern soll.
14-Tage-Fixpreis in Slowenien und Kroatien
In Slowenien und Kroatien greift der Staat regulierend in die Preisbildung für Kraftstoffe ein. Um starke Auswirkungen auf die Inflation zu vermeiden, werden die Preise für Diesel und Super in einem Rhythmus von zwei Wochen angepasst. Während die Regierung in Kroatien dieses Instrument vor allem in Krisenzeiten einsetzt, wurde das System in Slowenien bereits 2022 dauerhaft eingeführt.
Polen mit einem indirekten Preisdeckel
In Polen gibt es keine festen gesetzlichen Vorgaben für Kraftstoffpreise. Dennoch nimmt der staatlich kontrollierte Energiekonzern Orlen, der einen großen Teil der Tankstellen und Raffinerien betreibt, indirekt Einfluss auf die Preisgestaltung und sorgt so für vergleichsweise stabile Preise. Aktuell kommt es jedoch vereinzelt zu Mengenbegrenzungen an Zapfsäulen, da der starke Tanktourismus aus Deutschland die Vorräte zunehmend belastet.


