Die Deutsche Bahn greift durch: Ab Mitte Oktober soll das Trinken von Alkohol in allen 5400 Bahnhöfen deutschlandweit – von Westerland auf Sylt bis Oberstdorf im Allgäu, von Görlitz in Sachsen bis Übach-Palenberg an der niederländischen Grenze – verboten werden. Diesen radikalen Schritt notwendig mache die ausufernde Gewalt in Bahnstationen, so die Erklärung der Bahn. „Zu oft mussten wir feststellen, dass dort, wo zu viel Alkohol fließt, auch die Gewalt zunimmt“, sagte DB-Chefin Evelyn Palla laut Mitteilung. „Deshalb kommt jetzt das Alkoholverbot an Bahnhöfen. Wir meinen es ernst mit der Sicherheit. Es geht um den Schutz unserer Mitarbeitenden und Fahrgäste.“
Durchsetzen sollen das Verbot die Bundespolizei, die für die Sicherheit und Ordnung auf den Bahnanlagen zuständig ist, sowie die Sicherheitskräfte der Bahn. Doch kann das auch funktionieren, wenn Tausende Menschen gleichzeitig alkoholisiert durch Bahnhöfe strömen, beispielsweise während des Karnevals, bei Fußballspielen oder beim Oktoberfest? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
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Kriminalitäts-Hotspot Bahn – stimmt das?
Ja. In Zügen und auf Bahnhöfen in Deutschland hat es laut Zahlen der Bundespolizei im vergangenen Jahr mehr als 5600 Gewaltdelikte gegeben. Der Hauptbahnhof Leipzig war mit 859 Vorfällen demnach der Gewalt-Hotspot-Bahnhof. Insgesamt sind 2025 in Zügen und Bahnhöfen mehr als 980 Messer- und rund 2200 Sexualdelikte aktenkundig geworden. Dazu haben die Sicherheitsbehörden mehr als 5600 Gewalttaten gegen Bundespolizisten im Bahnbereich gezählt.
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Die Deutsche Bahn zählte im vergangenen Jahr mehr als 3000 Angriffe auf ihr Personal. Das sind etwa acht pro Tag. Demnach kommt es bei Fahrkartenkontrollen, bei der Durchsetzung des Hausrechts sowie am Rande von Volksfesten, Großveranstaltungen und Fußballspielen immer wieder zu verbalen und tätlichen Übergriffen. Laut einer Statistik der Bundespolizei werden gut ein Drittel aller Gewalttaten an Bahnhöfen unter Alkoholeinfluss verübt.
Und auch dieses Jahr sieht die Statistik bisher nicht besser aus: Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres sind 1630 Bahn-Mitarbeiter Opfer von Straftaten geworden. Das sind im Durchschnitt knapp elf Übergriffe am Tag.

Warum kommt das Alkoholverbot ausgerechnet jetzt?
Palla erklärt den Schritt zum Alkoholverbot mit dem jüngsten Vorfall, als ein Bahn-Mitarbeiter im Zuge einer Fahrkartenkontrolle lebensgefährlich verletzt wurde. Der 26-jährige Bahn-Mitarbeiter stürzte nach einem Streit mit einem Fahrgast am vergangenen Freitag bei Ettlingen (Kreis Karlsruhe) aus einem fahrenden Zug. Palla sagte, dies sei ein „brutaler und sinnloser Angriff“ gewesen.
Im Februar war zudem ein Schaffner ebenfalls bei einer Fahrkartenkontrolle getötet worden. Der 36-Jährige wurde in einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz von einem Fahrgast niedergeschlagen und starb kurz darauf. Die Bahn kündigte daraufhin Konsequenzen an.
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Wie genau soll das Alkoholverbot aussehen?
Ab dem 15. Oktober darf in deutschen Bahnhöfen kein Alkohol mehr getrunken werden. Die DB führt das Verbot eigenen Angaben nach im Rahmen ihres Hausrechts ein. Dafür sind in den nächsten Wochen lokale Anpassungen von Hausordnungen in Abstimmung mit Kommunen, Behörden und Verwaltungen nötig. Ein Bahn-Sprecher teilte mit, dass zunächst mit Durchsagen und Aushängen im Bahnhof auf das neue Alkoholverbot hingewiesen werden solle. Außerdem würden Mitarbeitende der DB auf die geänderte Hausordnung aufmerksam machen.
Muss man eine Strafe bezahlen, wenn man trotzdem im Bahnhof Alkohol trinkt?
Von Strafzahlungen spricht die DB bislang nicht. Bei Verstößen kann ein Haus- beziehungsweise Platzverweis erfolgen; im Wiederholungsfall kann auch ein Hausverbot ausgesprochen werden. Auch die Bundespolizei ist in die Durchsetzung eingebunden. „Bei Uneinsichtigkeit der Person kann ein schriftliches Hausverbot durch die DB Sicherheit erteilt werden. Bei Verstoß erfolgt ein Strafantrag bei der Bundespolizei“, erklärte der Bahn-Sprecher.
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Wo darf man künftig noch sein Bier trinken?
In Geschäften im Bahnhof kann weiterhin Alkohol gekauft werden, allerdings darf das Bier dann nicht auf dem Weg zum Zug getrunken werden. Auch in den gastronomischen Betrieben innerhalb des Bahnhofs darf weiterhin Alkohol getrunken werden. „Der Verkauf von Alkohol bleibt weiter erlaubt, der Konsum muss aber künftig außerhalb des Bahnhofs erfolgen“, sagte der Bahn-Sprecher unserer Redaktion.
Wird es Ausnahmen vom Alkoholverbot geben?
Offiziell nein. Allerdings weiß auch die Bahn, dass bei Großveranstaltungen, wo üblicherweise viel Alkohol getrunken wird, beispielsweise beim Oktoberfest, bei Fußballspielen oder an Karneval, die Durchsetzung des Verbots schwierig sein dürfte. „Das Verbot wird mit Augenmaß umgesetzt“, sagte der Bahn-Sprecher. Man wolle sich vor Großveranstaltungen eng mit Polizei, Ordnungsbehörden und Veranstaltenden abstimmen. Der Sprecher sagte: „Klar ist, der reibungslose Bahnbetrieb geht vor.“
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Darf man im Zug seinen mitgebrachten Alkohol noch trinken?
Nach den bislang vorliegenden Informationen betrifft die angekündigte neue Regelung ausschließlich den Konsum auf Bahnsteigen und in Bahnhofshallen. Ein allgemeines Alkoholverbot in Zügen kündigt die Deutsche Bahn damit nicht an. Für den Regionalverkehr verwies der Bahn-Sprecher auf die jeweiligen Regelungen der einzelnen Verkehrsverbünde. „Es gibt derzeit keine einheitliche bundesweite Regelung im Regionalverkehr“, sagte er. Derzeit verboten ist Alkoholtrinken unter anderem bereits in den S-Bahnen in München, Rhein-Ruhr, Köln, Hamburg oder Nürnberg.
Was sagt die Polizei?
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) unterstützt den Plan der Bahn, den Konsum von Alkohol an Bahnhöfen zu verbieten. Der Chef des GdP-Bereichs Bundespolizei, Andreas Roßkopf, sagte unserer Redaktion: „Bahnhöfe sind in Deutschland mittlerweile absolute Kriminalitäts-Hotspots. „Der Alkoholkonsum, vor allem in den großen Bahnhöfen, welche rund um die Uhr geöffnet sind, stellt ein großes Problem dar.“
Roßkopf ergänzte, an den Stationen hielten sich viele Menschen auf, die gar keine Reiseabsichten haben. Viele nutzten die großen Bahnhöfe zum Schutz vor Wind und Wetter. „Wir stellen klar fest, dass die Hemmschwelle mit dem steigenden Alkoholkonsum gerade in dem Bereich Straftaten, Gewalttaten stark steigt. Mit einem flächendeckenden Verbot des Alkoholkonsums in Bahnhöfen könnte man dem durchaus entgegenwirken.“ In Deutschland ist es Aufgabe der Bundespolizei, die Sicherheit auf Bahnhöfen, in Zügen und auf Schienenanlagen zu gewährleisten.
Rund um das Thema Mobilität
Gibt es in Deutschland bereits Erfahrungen mit Alkoholverboten in Bahnhöfen?
Ja, und die Ergebnisse sind laut Bahn sehr positiv. 30 Bahnhöfe in Deutschland sind bereits heute alkoholfrei, zum Beispiel Köln, München und Hamburg. „Die Erfahrung dort ist eindeutig“, sagt Palla. „Alkoholfrei heißt: weniger Gewalt und weniger Müll.“
Und auch ein Bahn-Sprecher bestätigte unserer Redaktion: „In den Modellprojekten konnte gezeigt werden, dass deutlich weniger Müll anfällt und das Verbot dazu auch beiträgt, Gewaltkriminalität zu verringern, wie zum Beispiel am Hamburger Hauptbahnhof.“ Als Nächstes werden nun im Rahmen des Verbotsverfahrens zum 1. September die Bahnhöfe Berlin Hbf, Berlin Gesundbrunnen, Kiel und Braunschweig alkoholfrei.













