Erst wurden Stellen gestrichen, dann drohte die Zerschlagung des deutschen Unternehmens. Jetzt wurde bekannt, dass der Batteriehersteller Varta einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt hat. So die Informationen aus Finanzkreisen. Erst in dieser Woche war ein Konflikt im Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Ellwangen bekannt geworden. Wichtige Geldgeber wollten das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern herauslösen.
Das zuständige Stuttgarter Amtsgericht bestätigte den Eingang von vier Anträgen. Sie würden geprüft, teilte eine Sprecherin mit. Varta kündigte auf Anfrage eine Mitteilung an.
Varta braucht kurzfristig Millionen – Gläubiger verweigern Hilfe
Die sogenannte Ad-hoc-Gläubigergruppe um die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox begründeten ihr Vorgehen mit der angespannten Finanzlage des Unternehmens. Eine unabhängige Analyse habe ergeben, dass Varta kurzfristig zusätzliches Geld im mittleren zweistelligen Millionenbereich benötige. Trotz intensiver Gespräche habe sich niemand bereit erklärt, weiteres Kapital bereitzustellen.
Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 3.260 Menschen, viele davon am Stammsitz in Ellwangen in Baden-Württemberg. Geschäftszahlen veröffentlichte Varta zuletzt im Jahr 2024. Damals erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 793 Millionen Euro und einen Verlust von 64,5 Millionen Euro. Der Konzern produziert neben den bekannten Haushaltsbatterien unter anderem Mikrobatterien für Hörgeräte sowie Energiespeicher.
Varta schließt Werk in Nördlingen nach Apples Auftragsverlust
2024 hatte sich Varta im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes (StaRUG) neu aufgestellt, um eine Insolvenz abzuwenden. Altaktionäre verloren dabei ihre Beteiligungen, Gläubiger verzichteten auf einen Teil ihrer Forderungen. Anfang April vergangenen Jahres erklärte Varta die Restrukturierung für abgeschlossen und sah sich wieder auf Kurs.
Doch die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich erneut. Ein Werk mit rund 350 Mitarbeitern im bayerischen Nördlingen soll noch im Herbst geschlossen werden. Apple war als wichtigster Kunde für den Standort abgesprungen, wie im Mai bekannt wurde. Neue Großkunden fehlten. Varta stellt dort noch bis November Knopfbatterien für die kabellosen Kopfhörer des US-Konzerns her – die sollen künftig aber wohl aus Asien kommen.
ppe/dpa


