Manuel Bittorf, besser bekannt als Betterov, kommen fast die Tränen, als er beim Traumzeit-Festival an ein Ereignis von vor fast 37 Jahren erinnert. Sein Vater ist damals, als er selbst noch gar nicht geboren war, über die innerdeutsche Grenze in Thüringen aus der damaligen DDR in die Bundesrepublik Deutschland geflohen.
Eltern werden auseinandergerissen
In den Songs 17. Juli 1989 und 18. Juli 1989 erzählt Betterov von dieser Geschichte, die seine Eltern auseinanderriss. Niemand konnte zu der Zeit wissen, dass wenige Monate später die Mauer fällt und die Grenze in den Westen somit offen ist. Seine Mutter konnte dann ohne Probleme ausreisen, ehe er selbst 1994 in Bad Salzungen zur Welt kommt.
Beim Auftritt in der Gießhalle im Landschaftspark Nord in Duisburg nimmt das Traumzeit-Publikum derart offene, persönliche Worte dankbar auf. Das Konzert des inzwischen in Berlin lebenden Musikers gehört zweifelsohne zu den Höhepunkten des diesjährigen Dreitages-Festivals.

Vom Kassenhäuschen auf die Bühne: So ging die Geschichte von Stina Holmquist vor ein paar Jahren, als die Tochter von Ex-Festivalleiter Frank Jebavy für eine Band einspringen durfte, die für die Traumzeit kurzfristig absagen musste. Bei der diesjährigen Auflage gehörte die Duisburgerin beim Heimspiel im Landschaftspark zum regulären Programm. Verdient, denn die bisweilen Lana del Rey aus dem Ruhrgebiet genannte Künstlerin verzauberte mit ihrer Band am Sonntagnachmittag das Publikum in der Gießhalle.
iedereen geben Kette
Tag drei beim Happening unterm Hochofen begann mit Postpunk von iedereen. Das aus Emmerich stammende und inzwischen in Köln lebende Duo Tom Sinke und Ron Huefnagels gab ordentlich Kette und meinte nachher beim Meet & Greet zufrieden: „Wir hatten Spaß, die Leute offensichtlich auch.“
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Der Sound von Stina Holmquist geht natürlich weniger nach vorne. Das ist schöner Indiepop mit teils sphärisch-mystischen Klängen, perfekt geeignet, um die gewaltige Kulisse der Gießhalle ins Schwingen zu bringen.

Vier Jungs aus Berlin auf großer Bühne
Haus F aus Berlin bespielen danach den Cowperplatz. Die Jungs aus der Hauptstadt sind zum ersten Mal bei der Traumzeit und machen ihr Ding wirklich gut. Allerdings ist am letzten Festivaltag, am Sonntag, 21. Juni, im Landschaftspark deutlich weniger los als an den beiden vorherigen Tagen. Vor den beiden Open-Air-Bühnen tun sich teils große Lücken auf, nur die Gießhalle ist meistens richtig voll – wie eben bei Betterov.



