Zum Warm-up jeder Talkrunde gehören die nebensächlichen aber unterhaltsamen Themen, und so regte sich die Studiorunde bei Sandra Maischberger am Mittwoch kollektiv erst einmal über den Satz von CSU-Chef Markus Söder auf, wonach Deutschland ohne Autoindustrie und ohne Maschinenbau wie „eine Frau ohne Unterleib“ da stehe, was der Kolumnist Hans-Ulrich Jörges (früher beim „Stern“) nur mit dem Prädikat „Bayern im Jahr 1955“ aburteilte und Kristina Dunz („Redaktionsnetzwerk Deutschland“) mit den Worten „da hat sich ein alter Mann vergaloppiert“ kommentierte.
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Nicht ganz so einhellig war das Meinungsbild dann bei einem Kurzvideo von Annalena Baerbock in New York, die ihren ersten Arbeitstag in dieser coolen Stadt mit einem Clip dokumentierte, der unter anderem zeigt, wie sie mit High Heels aus dem Taxi steigt. „Die Selbstdarstellerei von Politikern geht mir auf die Nerven“, konstatierte die Moderatorin Petra Gerster, während Journalistin Dunz von einem „peinlichen, banalen und inhaltslosen Video“ sprach, gedreht von einer Politikerin, die sich da in New York selbst gefalle. Schützenhilfe kam erwartungsgemäß nur von der Baerbock-Parteikollegin Katharina Dröge, die da meinte, ein bisschen Leichtigkeit tue der Politik doch ganz gut und dass man nun mit Häme über Baerbock herfalle, das sei eine „typisch deutsche Debatte.“
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Kritik an Merz: Fehlende Inhalte in Bundestagsrede – aber auch an Robert Habeck
Zwischen Dröge und der Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Gitta Connemann (CDU), entspann sich dann der heftigste Schlagabtausch des Abends. Zuvor hatten schon die Studiogäste einhellig darüber entschieden, dass es Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei seiner Rede im Bundestag an der Darstellung von konkreten Inhalten gefehlt habe, wie er denn den „Herbst der Reformen“ in die Tat umsetzen wolle, blieb offen.
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„Er hätte dringend Inhalte bringen müssen“, meinte Dunz und Jörges urteilte gar, dieser Kanzler könne es nicht. Dröge und Connemann beharkten sich dann an der Person von Ex-Wirtschaftsminister Robert Habeck, den Söder einmal als den schlechtesten Wirtschaftsminister der Republik dargestellt hatte. Connemann konnte dieses Urteil nur unterstreichen, sie warf dem Ex-Grünen-Chef aber auch seine kritischen Worte über die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) vor, die Habeck als „polarisierend“ und dem Amt nicht gewachsen bezeichnet hatte.
Gerade von den Grünen hätte sie eigentlich Respekt vor den Frauen erwartet, aber mit solchen Aussagen und auch ähnlich kritischen Sätzen über Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) würden „Frauen herabgewürdigt“, meinte Connemann. Klöckner übe ihr Amt „neutral“ nach rechts und links aus. Katharina Dröge konterte verhältnismäßig emotional in ihrer Verteidigung von Habeck, das sei ein „peinlicher Sound“, den Connemann da bringe, es handele sich um ein „plattes und billiges Überzeichnen“ und wäre die CDU noch in der Opposition, würde sie vermutlich bei Merz vom „schlechtesten Kanzler“ sprechen, da der in sechs Monate noch nichts zu Wege gebracht habe.
Inhaltlich griff Dröge Connemann direkt an, ihre Argumente, dass Habeck mit seinen LNG-Importen die Schuld für die hohen Strompreise in Deutschland trage – in Deutschland kostet Industriestrom 18 Cents pro kWh, in den USA nur acht Cents – ließ sie nicht gelten. Es sei doch die CDU gewesen mit ihrer Russlandpolitik, die „uns so abhängig gemacht“ hat von russischem Gas und Öl, und es sei Habeck gewesen, der mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien den Strompreis senken wollte. Jetzt bremse Ministerin Reiche die „Erneuerbaren“ wieder aus, sie wolle Gaskraftwerke und verschweige die Tatsache, dass die auch subventioniert werden müssten und wenn die Wirtschaftsministerin jetzt auch noch die Förderung von Solaranlagen einstellen wolle, mache das die Sonnenenergie bald unattraktiv.
Abkehr von der Energiewende: Regierung plant Kernfusionsreaktor in Deutschland
Connemann unterstellte der Grünen-Politikerin hingegen, dass sie „bar jeder Fakten“ argumentiere. Man müsse weg von der Subventionierung, meinte sie, die „Erneuerbaren“ machten jetzt schon 60 Prozent vom Strommix aus, sie müssten sich am Markt orientieren. Was die Atomkraft anbelangte – laut Dröge die teuerste Energieform – so wolle die Regierung einen Kernfusionsreaktor in Deutschland bauen, berichtete Connemann – und der Abschied von der Atomkraft sei ein Fehler gewesen – sie habe zehn Millionen Haushalte versorgen können.

Zum Ende der Sendung dann ein Themenwechsel: Der Sicherheitsexperte Peter Neumann, CDU-Mitglied, Professor in London und Autor des Buches „Das Sterben der Demokratie“, beleuchtete die antidemokratischen Tendenzen weltweit. Er ging auf die Situation in den USA nach der Ermordung des Rechtspopulisten Charlie Kirk ein, wobei es US-Präsident Donald Trump jetzt darauf anlege, noch „Öl ins Feuer“ zu gießen und eine Spaltung und Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft herbei zu führen.
„So etwas wäre unter früheren US-Präsidenten nicht passiert.“ Neumann glaubt, dass Trump versuchen werde, die US-Justiz zu untergraben und mit Notstandsgesetzen gegen politische Gegner vorzugehen. Aber noch hätten die USA eine „funktionierende Gewaltenteilung“, eine freie Presse und eine starke Zivilgesellschaft, die die Demokratie schützen. Was die antidemokratischen Tendenzen in Europa anbelangte, so seien diese ein schleichender Prozess – wie das Beispiel Ungarn gezeigt habe. „Ich bin ein Verfechter der Brandmauer“, sagte Neumann. Parteien wie die AfD dürften „nicht an die Macht gelassen werden“.




![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)


