So einen besonderen Einsatz hat die Polizei in Voerde wohl selten, denn: Das Einsatzstichwort lautete „Nestbau“. Wie die Behörde über ihre Facebook-Seite mitteilt, hatte sich „Familie Rotkehlchen“ in der Garage für die Polizeimotorräder – im wahrsten Sinne des Wortes – eingenistet. „Wir haben schon lange beobachtet, wie immer wieder kleine Vögel, tagsüber in unseren Fahrradschuppen geflogen sind. Wir haben dort auch Nestbaumaterial gefunden“, berichtet Polizeihauptkommissar Stephan Kliche im Gespräch mit der NRZ. Da die Garage jedoch jeden Abend abgeschlossen wird und die Piepmätze dann nicht mehr hinausfliegen könnten, haben die Beamten die gesammelten Stöckchen und Blätter aus dem Schuppen geholt.

Doch ein Vogelpaar, das offenbar auf der Suche nach einem geeigneten Nistplatz war, schien sich bei der Polizei besonders wohl zu fühlen, denn: Die Beamten fanden erneut Nistmaterial – diesmal in der Motorradgarage, direkt auf dem Tank eines Motorrads von Kliches Kollege. Weil auch die Garage für diese Fahrzeuge, die den Tag über ebenfalls offen steht, jeden Abend abgeschlossen wird, haben die Polizisten erneut die gesammelten Materialien zum Nestbau nach draußen gelegt.

Ungewöhnlicher Nistplatz: In diesem ausrangierten Polizeihelm haben Rotkehlchen gebrütet.
Ungewöhnlicher Nistplatz: In diesem ausrangierten Polizeihelm haben Rotkehlchen gebrütet.© NRZ | Nina Meise

Doch nur kurze Zeit später entdeckte der Beamte, auf dessen Motorrad der Nestbau schon einmal begonnen hatte, erneut Nistmaterial – diesmal jedoch direkt in seinem Helm, der auf dem Motorrad lag. „Der Kollege dachte, dass wir da kleine Äste reingelegt hätten, um ihn zu veräppeln“, so Kliche. Die Vögel hätten, so deuteten es die Beamten scherzhaft, „anscheinend ein großes Sicherheitsbedürfnis und wollten bei der Polizei bleiben“. Deswegen legte Kliche einen ausrangierten Helm auf den Wäscheständer hinter dem Voerder Polizeigebäude und stattete es, damit die Vögel nicht durch den Helm fallen können, mit einem alten Polizeihemd aus.

Vögel nisteten in ausrangierten Helmen der Polizei in Voerde

Zunächst sei „nichts passiert und ich dachte, das funktioniert nicht“, doch schon bald sei der neongelbe Polizeihelm voller Nistmaterial gewesen. Vorsichtig und mit dem nötigen Abstand habe Kliche dann immer mal wieder vor Dienstbeginn in den Helm geschaut: „Zuerst waren da vier Augenpaare, dann haben mich irgendwann acht Augen angeblickt.“ Die kleinen Vögel, die ein Kollege von Kliche eindeutig als Rotkehlchen erkannt habe, hatten also tatsächlich zwei Junge bekommen. Durch ein Fenster aus der Polizeiwache heraus haben Kliche und seine Kollegen die Piepmätze gut beobachten können.

Täglich (außer Samstag)

Dinslaken-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Nachrichten, Service, Reportagen: Jeden Tag wissen, was in unserer Stadt los ist.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Doch mittlerweile sind sie weitergezogen. Der Helm jedoch liegt immer noch auf der Wäscheleine, genau so, wie ihn die Vögel hinterlassen haben. „Wir wollen noch ein paar Tage abwarten und alles erst einmal so lassen, wie es ist. Manchmal kommen sie ja für eine zweite Brut zurück“, sagt Kliche. Künftig möchte er seinen Chef bitten, zwei bis drei Helme an dem Zaun hinter dem Polizeigebäude aufhängen zu dürfen. „Das wäre eine gute Verwendung für die ausrangierten Helme und dann könnten hier auch andere Vogelfamilien brüten“, erklärt der Hauptkommissar seine Idee. Dort, wo eben auch in diesem Jahr schon „Familie Rotkehlchen“ genistet hat.