Es ist ein Jahrhundert-Projekt: Das gesamte Grubenwasser der stillgelegten Zechen des mittleren Ruhrgebiets soll ab 2030 in Dinslaken gesammelt an die Erdoberfläche gepumpt und in den Rhein geleitet werden - bis zu 33 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Für diese Ewigkeitsaufgabe der RAG starten nun auch in Hünxe die Arbeiten.

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„Für die Umsetzung des Grubenwasserkonzepts der RAG ist der Standort Lohberg/Hünxe von großer Bedeutung“, teilt die RAG mit. Das Grubenwasser werde an den Schächten Lohberg 1 und 2 sowie am Schacht Hünxe gehoben und von dort über eine Pipeline in den Rhein geleitet. Denn der Förderturm über Schacht 1 in Dinslaken - der kleinere der Fördertürme - wurde zwar 2014 abgerissen - der Schacht ist aber geblieben.

Bis zur Stilllegung der Zeche Lohberg Ende 2005 wurden dort rund 2,3 Millionen Kubikmeter Grubenwasser jährlich aus einem Niveau von 819 Metern unter der Erde gehoben. „Auf Grundlage der Abschlussbetriebsplanzulassung wurde die Wasserhaltung 2006 ausgesetzt,“ so die RAG. Seitdem steigt das Grubenwasser kontrolliert an, so die RAG. Bis zu einem Niveau von 630 Metern unter der Erdoberfläche soll es steigen - das werde voraussichtlich nach 2030 sein, so die RAG. Erst dann setze der Pumpenbetrieb wieder ein.

Bis dahin werden alle drei Schächte - also Lohberg 1 und 2 und Hünxe - zu Brunnenwasserhaltungen umgebaut. Dazu werden die Schächte verfüllt und mit Hüllrohren versehen, durch die Tauchmotorpumpen bis in das wasserführende Niveau hinabgelassen werden, erläutert die RAG. Die Einleitung des Grubenwassers erfolgt an einer Einleitungsstelle in Voerde in den Rhein. Zuerst muss das am Schacht Hünxe gehobene Grubenwässer aber über eine Strecke von rund sechs Kilometern durch Rohrleitungen nach Lohberg geleitet werden.

Das ist der Zeitplan

In Dinslaken hat die RAG schon 2024 mit der Installation der Mega-Pumpen begonnen. Im Bild ist der abgedeckte Schacht zu sehen.
In Dinslaken hat die RAG schon 2024 mit der Installation der Mega-Pumpen begonnen. Im Bild ist der abgedeckte Schacht zu sehen. © NRZ | aha

In Dinslaken haben die Arbeiten für den wohl größten Brunnen der Welt bereits im vergangenen Jahr begonnen, in Hünxe geht es nun los: Der Schacht wird in den kommenden Jahren zur Großbaustelle. Seit dem Frühling wird bereits im Schacht unter Tage die Verfüllung vorbereitet, Schachtbühnen werden errichtet, entsprechende Rohrleitungen verlegt. „Diese Arbeiten werden bis zum Frühling 2026 andauern“, so die RAG.

RAG: Vorteile für die Umwelt

Der Anstieg des Grubenwassers habe „unmittelbare Vorteile für die Umwelt“, so die RAG: Da es einen kürzeren Weg durch das Gestein zurücklege, enthalte das Grubenwasser zukünftig weniger Inhaltsstoffe. Hinzu komme, dass bei geringerer Fördertiefe weniger Energie für die Pumpen verbraucht werde. „Nicht zuletzt bringt die Reduzierung der Wasserhaltungen und die Umstellung der Standorte auf Brunnenwasserhaltung mit modernen Tauchpumpen zusätzliche Energieeffizienz und damit auch eine deutliche Reduzierung des CO2-Ausstoßes“, so die RAG.

Über Tage müsse nun etwa die Infrastruktur geschaffen werden, um Mensch und Material nach unten zu bringen – und auch zurück ans Tageslicht. Dafür werden entsprechende Winden aufgebaut. Im Herbst 2025 werden für die Mitarbeitenden vor Ort Kauen- und Bürogebäude als Container aufgestellt. Ein Jahr später, also im Frühjahr 2026, beginnt der Rückbau des bestehenden Fördergerüsts inklusive der Schachthalle. Stattdessen werde ein „temporäres Seilscheibengerüst“ installiert. der Schacht werde gesichert und abgedeckt, ein neues Fördermittel eingebaut.

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Im Jahr 2027 beginnt laut RAG die eigentliche Verfüllung des Schachtes. Dazu werden Hüllrohre nach und nach eingesetzt und mit Beton rundherum stabilisiert - „ein bewährtes Verfahren, das die RAG bereits an anderen Standorten umgesetzt hat“, heißt es in der Mitteilung. Die Anlieferung des Betons erfolge dabei mit Fahrmischern, um eine kontinuierliche und kontrollierte Versorgung der Baustelle sicherzustellen. Die Verfüllarbeiten werden rund ein Jahr in Anspruch nehmen. Danach - also 2028 - beginne der Rückbau nicht weiter benötigter Einrichtungen über Tage und die Infrastruktur werde installiert: So werde etwa die Hebetechnik für die Pumpen errichtet, die Verrohrung der Grubenwasserleitung installiert und die Energieversorgung für die Pumpen hergestellt.

Zu diesen Zeiten wird gearbeitet

„Der Standort Hünxe wird also in den nächsten Jahren zu einer Baustelle“, so die RAG: Sie werde „alle Arbeiten so rücksichtsvoll wie möglich für die Umgebung gestalten.“ Gearbeitet werde an Wochentagen von 7 bis 20 Uhr. „Lärm- und Staubbelästigung sind in dieser Zeit jedoch nicht ausgeschlossen. Auch diese versuchen wir auf ein Minimum zu reduzieren und bitten bereits jetzt um Verständnis für diese notwendigen Maßnahmen“, so die RAG. (aha)